der Eiserne Thron aus der Serie "Game of Thrones"
Wem gehört der Eiserne Thron? Am 14. April beginnt die letzte Staffel von "Game of Thrones" | Foto: imago images

Finale bei „Game of Thrones“

Auf zur letzten Schlacht um Westeros

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Am 14. April ist es soweit: Dann geht die TV-Saga „Game of Thrones“ in die achte und vorläufig letzte Staffel. Millionen Fans in aller Welt werden mitfiebern, wenn die Schlacht um den fiktiven Kontinent Westeros in die finale Runde geht. Wer wird den Eisernen Thron besteigen?

Der Winter ist jedenfalls da! Nebliger Frost kriecht gefräßig über das geschundene Land, bedeckt alles mit einer dicken Eisschicht. Für die Wappentiere der Adelshäuser gibt es kein Entkommen, weder für den Schattenwolf der Starks, noch für den Drachen der Targaryens. Wer nun dachte, der Löwe des Hauses Lannister werde verschont: Binnen Sekunden frisst ein Flammenmeer die stolze Katze.

Nur 54 Sekunden dauert der Clip, doch seit Wochen zerbrechen sich Hardcore-Fans von „Game of Thrones“ die Köpfe, was die Produzenten des Fantasy-Knallers David Benioff und D. B. Weiss mit der Filmsequenz sagen wollen. Wird die letzte Staffel der ziemlich blutigen Serie das Ende der noch verbliebenen Clans in Westeros bringen? Bleibt der Eiserne Thron für Jahrhunderte verwaist? Triumphiert gar die Zombie-Apokalypse von jenseits der Mauer über die ohnehin zerbrechliche Allianz der Menschen?

Finale furioso bei GoT

Egal: „Game of Thrones“, eine der kostspieligsten TV-Serien, die jemals produziert wurde, wird ohne Zweifel mit einem finale furioso enden. Die Taschentücher liegen bereit, denn spätestens am 20. April ist vorläufig Schluss mit dem für viele Fans besten Bildschirmepos aller Zeiten.

Kampf um Königsmund

Noch sechs Folgen! Dann ist klar, ob sich Cersei, dieses skrupellose Miststück, auf dem Thron in Königsmund halten kann. Oder setzt sich die schöne Drachenflüsterin Daenerys die Krone aufs blonde Haar? Wird Publikumsliebling Jon Schnee zum mächtigsten Mann in Westeros aufsteigen, der mitnichten ein Stark’scher Bastard, sondern ein Erbe mit Herrschaftslegitimation ist? Oder triumphiert der gerissene Zyniker mit dem goldenen Herzen, Tyrion Lannister? Der ist bekanntlich ein Ränkeschmied von Gottes Gnaden, der selbst William Shakespeare begeistert hätte.

Geheimniskrämerei ist Trumpf

Die beiden Produzenten und die US-Serienschmiede Nummer eins, HBO, haben sich jedenfalls alle Mühe gegeben, bei „Game of Thrones“ nur ja kein Leak zu erleben. Deshalb wurde die Geheimniskrämerei um die letzte Staffel auf ein neues Level gehoben. Während der neunmonatigen Dreharbeiten, unter anderem in Island und in Dubrovnik, gab es keine Drehbücher. Stattdessen wich man nur digitale Kopien auf Tablets aus, die sich am Ende selbst zerstörten.

Cersei Lannister (gespielt von Lena Headey) in "Game of Thrones"
Skrupelloses Miststück: Cersei Lannister (gespielt von Lena Headey). | Foto: Home Box Office

Drohnen-Killer im Einsatz

Drohnen-Killer waren laut Schauspielerin Sophie Turner im Einsatz, um unerwünschte Aufnahmen aus der Luft zu verhindern. Zudem wurden gleich mehrere Schlusssequenzen gedreht – damit sich die hoch bezahlten Schauspieler auch ja nicht verplapperten. 15 Millionen Dollar soll jede Folge gekostet haben, allein die monumentale Entscheidungsschlacht zwischen den Lebenden und den Untoten verschlang 55 Drehtage.

„Game of Thrones“ als Kassenknüller

Für den Bezahlsender HBO lohnt sich der finanzielle Aufwand dennoch: In 170 Ländern ist das Mittelalter-Epos zu sehen. Hinzu kommen die Einnahmen aus allem, was sich lizenzieren lässt. 400 Artikel hat der Sender im Angebot, darunter den Nachbau des „Eisernen Throns“ für 30 000 Dollar.

Autor George R.R. Martin, Vater von "Game of Thrones"
Die Rosenkriege waren seine Inspiration: Autor George R.R. Martin. | Foto: dpa

Der Mann hinter „GoT“

Nicht einmal George R. R. Martin, Autor der literarischen Vorlage für das tödliche Spiel um den fiktiven Kontinent Westeros, kennt den Ausgang des Showdowns.Die aufwendige Fernsehadaption hat seine Romane überholt: Der Mann mit dem weißen Rauschebart treibt sich lieber auf Fantasy-Conventions rum oder lässt sich in Blogbeiträgen über seinen Lieblingssport American Football aus, statt sich an den Schreibtisch zu setzen. Seit sieben Jahren warten seine Fans auf die letzten beiden Bände seiner legendären Fantasy-Reihe „Das Lied von Eis und Feuer“, auf der die düstere TV-Welt aus Gewalt, Sex und menschlichen Abgründe basiert.

Martin gönnt sich Schreibpausen

Doch außer einigen Vorab-Kapiteln zum sechsten Band „The Winds of Winter“ gab es bislang nichts zu lesen. Wann der siebte und letzte Teil „A Dream of Spring“ erscheinen wird, weiß wahrscheinlich nicht einmal der Schriftsteller, der gerne mit seinem Schneckentempo kokettiert. In Internetforen geht schon die Angst um, Martin werde womöglich sterben, ehe er sein Jahrhundertepos vollendet. Das bringt den „amerikanischen Tolkien“ – so das amerikanische Nachrichtenmagazin „Time“ – in Rage. Wenn seine Fans zu sehr drängeln, droht er damit, einen weiteren Sympathieträger über die Klinge springen zu lassen – eine durchaus gängige Praxis bei dem „Game of Thrones“-Schöpfer.

Daenerys Targaryen und Jon Schnee (Emilia Clarke und Kit Harington) aus "Game of Thrones"
Verzwickte Verwandtschaftsbeziehung: Daenerys Targaryen und Jon Schnee (Emilia Clarke und Kit Harington). | Foto: Home Box Office

Das Erfolgsrezept von „Game of Thrones“

Im Gegensatz zu gängiger Fantasy kommt bei „GoT“ nämlich tatsächlich alles anders, als man denkt. Scheinbar noch so wichtige Schlüsselfiguren geköpft, gemeuchelt oder in die Luft gesprengt. Schon in der ersten Staffel musste der Chef des Hauses Stark, Eddard, dran glauben. An diesem Charaktere-Verschleiß hat sich in bislang 76 Folgen nichts geändert.

Ständig stirbt eine Serienfigur

„Am Ende der siebten Staffel ist schon über die Hälfte aller Figuren gestorben – 186 von 330“, fand ein Team um den australischen Wissenschaftler Reidar P. Lystad in einer Studie heraus, die sich mit der Todesrate in der mit unzähligen Emmys ausgezeichneten Serie befasste. Nicht sehr überraschend: Nur zwei Charaktere durften an Altersschwäche sterben, der Rest wurde Opfer mehr oder weniger brutaler Gewalt. Für einen Darsteller war schon nach elf Sekunden Schluss.

Eine App schafft Überblick

Ursprünglich sollte Martins „Lied von Eis und Feuer“ eine Trilogie werden, seit Tolkien die Maßeinheit für gute Fantasy. Doch dann erkannten der eingefleischte Comicfan und sein Stammverlag Random House, dass sich mit diesem mittelalterlichen Machtkampf-Mix, gewürzt mit einer Prise Magie, eine goldene Nase verdienen lässt. Auf bescheidene 5 000 verkaufte Exemplare hoffte der Verlag, als 1993 der erste Band veröffentlicht wurde. Mittlerweile sind 25 Millionen Exemplare über die Ladentheke gegangen.

Rosenkriege als Inspiration

Es gibt einen Charaktere-Führer und ein Kartenwerk, selbst eine App, die dem Leser helfen soll, den Überblick über die handelnden Personen der Geschichte nicht zu verlieren. Der fünfte und bisher letzte Band der Saga – mit Jon Schnees Tod – kam 2011 heraus. Die Serienmacher von „Game of Thrones“ konnten oder wollten nicht länger auf die Schaffenskraft des kauzigen Nerds vertrauen, der das Produzentenduo immerhin mit ein paar sachdienlichen Hinweisen zum Fortgang der Intrigen um den Eisernen Thron versorgte.

Ob ihm Jon Schnees wundersame Wiederauferstehung von den Toten gefiel? Er habe gemischte Gefühle gehabt, räumte der 70-Jährige ein, der sich bei seinem Mammutwerk von den Rosenkriegen zwischen den beiden rivalisierenden englischen Adelshäusern York und Lancaster im 15. Jahrhundert inspirieren ließ.

Wie eine Hollywood-Produktion

Der Grund für den Hype ist aber nicht unbedingt die Buchreihe, sondern die Fernsehadaption, die sich in ihrer visuellen Wucht nicht hinter großen Hollywood-Produktionen zu verstecken braucht. Als würde der Mafiaclan aus der preisgekrönten TV-Serie „Die Sopranos“ seine Intrigen nun in Mittelerde spinnen, gießen Benioff und Weiss Martins Fantasie, seinen drastischen Realismus und seine zutiefst ambivalenten Figuren in monumentale TV-Bilder. Angesiedelt in einem völlig fiktiven Universum voll spektakulärer Landschaften und düsterer Fabelwesen wird ohne Unterlass gemordet, gelogen, getäuscht und geschändet. Und das alles gewürzt mit beeindruckenden Special Effects (die teilweise aus der Stuttgarter Bilderschmiede Mackevision kommen), opulenten Kostümen und spektakulären Kampfszenen.

Geflecht aus Beziehungen

Was mit neun zentralen Figuren begann, ist auf Bataillonstärke angeschwollen. „Game of Thrones“ rühmt sich des umfangreichsten Ensembles der Fernsehgeschichte mit Prinzen und Königinnen, Rittern und Seherinnen, Geschäftemachern, Anarchisten und religiösen Eiferern. Wer als Zuschauer nicht am Ball bleibt, verliert schnell den Überblick angesichts der parallel angesiedelten Handlungsstränge und dem Geflecht aus Freund- und Feindschaften, Verschwägerungen, Allianzen und Treuebrüchen.

Tyrion Lannister (Peter Dinklage) aus "Game of Thrones"
Begnadeter Ränkeschmied: Tyrion Lannister (Peter Dinklage). | Foto: Home Box Office

Es gibt nicht nur Gut und Böse

In das grausame Geschehen wird über kurz oder lang jeder verwickelt. Selbst die sympathischste Figur hat in diesem Machtkampf irgendwann Blut an den Händen, weil es in der Big-Budget-Serie im Gegensatz zur ebenfalls epischen Kino-Trilogie „Herr der Ringe“ nicht nur Gut und Böse gibt. „Game of Thrones“ kennt viele Graustufen, Typen wie Tyrion oder Jamie Lannister, der zum Ende der letzten Staffel sogar seiner Schwester/Geliebten die Brocken vor die Füße warf.

Realismus und Fantasy

In „Game of Thrones“ gibt es Frauen, die zum Zwecke des Machterhalts ihre Feinde grausam foltern und Unschuldige morden; Greise, die ihre Lüsternheit nicht zügeln; Kinder, die Lug und Trug kennengelernt und sich in blutrünstige Racheengel verwandelt haben. Doch alles Intrigieren, Attackieren und Kopulieren, alles Sterben und Überleben in Westeros, ist nur törichtes Spiel der Lebenden. Deren Reich wird bedroht von der Armee der „Weißen Wanderer“, die sich auch von einer Mauer aus Eis nicht abhalten lässt. „Der Knackpunkt ist eine innere Spannung zwischen knallhartem Realismus und Fantasy“ erklärt Jan Söffner, Professor für Kulturtheorie, den Erfolg des göttlichen Gemetzels um den Eisenthron.

Nach GoT ist vor GoT

Wenn die Titelmelodie zum letzten Mal erklingt, dieses dräuende Schicksalslied, geht auch ein Stück Fernsehgeschichte zu Ende. Bis dahin warten noch etwa 13 Stunden auf „GoT“-Fans. Vermutlich werden es nicht alle Charaktere bis zur finalen Krönung schaffen. Verzweifeln braucht der gemeine Fan dennoch nicht.

Mehrere Spin-offs geplant

Denn wenn eines sicher ist: Nach dem Schluss kommt der Neuanfang. HBO liebäugelt bereits seit geraumer Zeit mit Spin-offs; die Rede ist gar von fünf. Zeitlich angesiedelt wäre der Ableger lange vor den sieben Königreichen, im Zeitalter der Helden, als Menschen und die Kinder des Waldes ihren Pakt schlossen. Geht es nach George R. R. Martin, steht der Filmtitel fest: „The long Night“ soll der Sprössling heißen, dem Sex, Blut und Obszönitäten in die Wiege gelegt werden.