Warum machen Sie das? Jens Vögele beim härtesten Mountainbike-Rennen der Welt. | Foto: Christian Blechner

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Warum machen Sie das?

Ich habe nichts mehr herbeigesehnt als die Ziellinie dieser achttägigen Tortur. Und das schon vom ersten Tag an. „Cape Epic“ heißt dieses Etappenrennen für Mountainbiker, das härteste der Welt, wie viele behaupten. Es ist zumeist heiß im März in Südafrika. Und trocken. Und die Strecke des Rennens hat nichts mit dem zu tun, was Menschen für gewöhnlich unter Mountainbiken verstehen. Kein Asphalt und keine Forstwege. Stattdessen grobes Geröll und tiefer Sand. Wer aufhört zu treten, bleibt sofort stehen. 100 Kilometer lang. Jeden Tag. Radfahren ist für mich ein Lebensgefühl. Ich fahre mit dem Rennrad zur Arbeit oder über Alpenpässe. Und mag es, mit dem Mountainbike durch den Schwarzwald zu fahren. Oder mit dem Fahrrad zu reisen. In den Himalaja zum Beispiel oder nach Kuba. Aber warum muss es so was wie das Cape Epic sein? Um ehrlich zu sein, weiß ich auch nicht genau, warum ich das mache. Aber zu schauen, was möglich ist, wie sich Grenzen mit Willenskraft verschieben können, reizt mich. Und das Gefühl, „es geschafft“ zu haben, obwohl der Körper längst streikt, ist schlichtweg unbeschreiblich. Und was kommt nach dem härtesten Rennen der Welt? Könnte sein, dass ich dem Wahnsinn den Rücken kehre und nur noch das mache, was gewöhnliche Menschen unter Mountainbiken verstehen. Aber irgendwie will ich daran selbst noch nicht so richtig glauben.

ZUR PERSON:

Jens Vögele ist Chefredakteur der Fachzeitschriften „Mountainbike“, „Roadbike“ und Elektrobike. Der frühere BNN-Redakteur gründete zudem das Extremsportmagazin „Limits“, das erstmalig am 10. April erscheint und in dem die ganze Geschichte über seine Cape-Epic-Teilnahme zu lesen ist.