Der Fels und sie: Für die Boulderweltmeisterin Anna Stöhr ist Klettern Instinkt. | Foto: Kilian Fischhuber

Warum machen Sie das?

Weltmeisterin Anna Stöhr: „Es gibt nur dich und die Wand“

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Die Österreicherin Anna Stöhr ist 30 Jahre alt und unter anderem zweifache Boulder-Weltmeisterin, zweifache Europameisterin und vierfache Gesamt-Weltcup-Gewinnerin. Bouldern ist das Klettern ohne Seil und Gurt an Felsen oder in der Halle in Höhen, bei denen ein Absprung auf eine weiche Matte jederzeit möglich ist. Die Leistungssportlerin hat in Innsbruck Englisch und Sport studiert. Die BNN haben die Ausnahme-Sportlerin gefragt: Warum machen Sie das?

„Klettern ist Instinkt. Jedes Kind versucht, irgendwo hochzuklettern. Welchen Sinn hat es, an einer senkrechten Felswand hochzugehen? Ich glaube, die Frage stellt sich mir gar nicht. Das liegt – wie auch bei der Kunst – allein im Auge des Betrachters. Klettern erfüllt mich und reißt mich mit. Es bringt mir Glückserlebnisse, bis heute. Auch wenn ich im Moment verletzt bin und noch nicht weiß, ob ich bei der Kletter-Weltmeisterschaft im September überhaupt teilnehmen kann. Ausgerechnet in Innsbruck, quasi in meinem Wohnzimmer. Andererseits hatte ich das Privileg, schon oft vor heimischem Publikum klettern zu dürfen und habe dort auch schon einige erste und zweite Plätze geholt. Klar, es könnte ein weiteres Highlight sein, aber ich mache meine Karriere nicht davon abhängig. Ich probiere alles, um bis dahin fit zu sein.

Das Leiden gehört dazu

Ist das der Preis für meine Leidenschaft? Ich glaube, es hat alles seinen Sinn, auch solch eine Bandscheibenverletzung. Meine Familie, mein Freund und mein Umfeld sind ein wichtiger Anker. Und ich weiß, es gibt neben dem Klettern noch wichtigere Dinge. Ich hatte schon öfters Verletzungen. Am Anfang kommt es einem vor, als sei alles vorbei. Aber Klettern lehrt einem sehr viel, gerade in den schwereren Zeiten. Nicht nur für den Sport, sondern auch fürs Leben – Klettern als Reflektionsprinzip. Für mich gehörte das schon von Klein auf dazu. Meine Eltern haben mich immer an den Felsen mitgenommen. Wir Kids hatten riesen Spaß. Und es ist für mich nach wie vor der reine Spaß. Klar, bei einer Leidenschaft gehört das Leiden dazu. Aber ich weiß sehr zu schätzen, was ich an diesem Sport und meiner Karriere habe. Und von nix kommt nix.

Die 30-Jährige klettert seit Kindesbeinen an und ist eine der erfolgreichsten in ihrem Fach weltweit. | Foto: G. Berger/Raiffeisen

Puristisches Klettern

Dass meine Paradedisziplin, das Bouldern, gerade im Trend liegt, sehe ich positiv. Bouldern, also das Klettern in Absprunghöhe, ist noch puristischer als das Klettern am Seil. Man benötigt keine großen Vorkenntnisse, Höhenangst spielt keine Rolle, und man macht es eigentlich nie allein. Wenn man es aber macht, dann gibt es nur dich und die Wand. Klettern an sich ist extrem vielseitig. Man kann es drinnen oder am Felsen machen, man kann Bouldern oder lange Mehrseillängen-Touren gehen und den ganzen Tag im Fels verbringen. Ich bin jetzt seit 22 Jahren sehr intensiv am Klettern. Aber noch lange nicht an meinen Grenzen.“

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