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Bundestagswahl

Erstwähler aus der Region berichten: Warum ist die FDP so beliebt?

Ihr allererstes Kreuz bei einer Bundestagswahl setzten die meisten jungen Wähler bei den Liberalen. Die FDP erhielt mit 23 Prozent sogar mehr Erstwählerstimmen als die Grünen. Junge Wähler aus der Region berichten.

Kam gut an: Die FDP mit ihrem Parteichef Christian Lindner konnte bei dieser Bundestagswahl die meisten Jüngsten unter den Wählern für sich gewinnen. Foto: Angelika Warmuth picture alliance/dpa

Für Carlotta Mayer, Erstwählerin aus dem Umland Karlsruhes, war es eine einfache Entscheidung. „Ich habe meine Stimme ganz klar der FDP gegeben“, sagt die 18-Jährige. Carlotta gehört damit zu einer Gruppe, die bei der Ergebnisanalyse nach der Bundestagswahl viele überrascht haben dürfte.

Laut einer Auswertung des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap für die ARD waren die Liberalen bei den Erstwählern diesmal die beliebteste Partei.

23 Prozent aller Stimmen aus dieser Gruppe konnte die FDP für sich gewinnen. Damit lagen die Liberalen um Christian Lindner und Co sogar noch einen Prozentpunkt vor den Grünen. Der Partei mit Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock schenkten 22 Prozent aller jüngsten Wählerinnen und Wähler ihre Stimme.

Warum Carlotta sich ausgerechnet für die Liberalen entschieden hat, kann die junge Frau gut begründen. „Andere Parteien machen mir einfach zu viele Vorschriften. Der FDP ist die Freiheit des Einzelnen wichtiger“, argumentiert sie. Die „Verbotspolitik der Grünen“ sei jedenfalls überhaupt nicht ihr Ding.

Interessanterweise wird Lindner als jung und hip wahrgenommen.
Michael Wehner, Politikwissenschaftler

Auch Luca Pape durfte bei dieser Bundestagswahl zum ersten Mal sein Kreuz machen. Er beschreibt die FDP als eine „in die Zukunft gewandte Partei, die den Erfindergeist fördert.“ Jungen Menschen wie ihm habe sie einiges zu bieten. Luca, der jetzt nach dem Abitur länger ins Ausland möchte, hat sich vor der Wahl sogar die Mühe gemacht, die einzelnen Wahlprogramme zu lesen.

Überzeugt hat ihn, was bei den Liberalen stand. „Da ist zum Beispiel von einem deutschlandweit einheitlichen Abitur die Rede. Auch der Gedanke an ein vom Einkommen der Eltern unabhängiges Studenten-Bafög liegt ganz auf meiner Linie“, sagt er.

CDU/CSU und SPD sind für Jungwähler keine Alternative

Die großen, etablierten Volksparteien hatten diesmal dagegen alle Mühe, Erstwählerstimmen zu sammeln. Nur 15 Prozent der Jüngsten stimmten laut Infratest dimap für die SPD. Die CDU/CSU konnte nur zehn Prozent von sich überzeugen. Die Linke und die AfD spielten eine noch kleinere Rolle. Auf sie entfielen acht, beziehungsweise sieben Prozent der Stimmen.

„Die alten weißen Männer an der Spitze von CDU und SPD stellen für junge Leute ganz offensichtlich keine attraktive Alternative mehr dar“, sagt der Freiburger Politikwissenschaftler Michael Wehner. Dass ausgerechnet die FDP die jüngsten Wähler überzeugen konnte, habe ihn zunächst ein wenig überrascht. „Aber ich glaube, dass es im Wesentlichen zwei Themenbereiche waren, mit denen die FDP punkten konnte.“

Erstens: „In der Corona-Pandemie haben gerade junge Menschen die FDP als Partei wahrgenommen, die den angeordneten Maßnahmen kritisch gegenüber steht, ohne zu den Querdenkern zu gehören.“ Zweitens habe sich die FDP des Themas Netzpolitik angenommen.

„Nach dem Wegfall der Piraten hat das keiner mehr so richtig besetzt. Aber den Jungen ist das ein wichtiges Anliegen.“ Mit ihrem freiheitlichen Ansatz gegen Überwachung und Kontrolle im Netz hätten die Liberalen hier punkten können.

Christian Lindner kommt gut an

Und was ist mit Christian Lindner? Müsste der Parteivorsitzende der Liberalen mit seinen 42 Jahren aus Sicht der ganz jungen Wähler nicht eigentlich auch schon längst als „weißer, alter Mann“ gelten? „Interessanterweise wird Lindner als jung und hip wahrgenommen“, hat Michael Wehner festgestellt.

Diesen Eindruck kann Erstwähler Luca nur bestätigen. „Zu einem gewissen Teil hat tatsächlich auch die Person Lindner meine Wahlentscheidung beeinflusst“, sagt er. „Er ist eine charismatische Person und ein sehr guter Redner“, findet der 18-Jährige. Auf ihn jedenfalls wirke Lindner alles andere als alt und konservativ.

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