Mit einem mobilen Sensor misst Rainer Dosch den Feinstaub-Gehalt am Schönbornplatz. Je nach Windrichtung und Wetterlage kann die Konzentration an der viel befahrenen B 3 variieren. | Foto: Heintzen

Messungen in der Innenstadt

Feinstaub-Alarm in Bruchsal

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Feinstaub ist in aller Munde: Seit Montag gibt es in Stuttgart Feinstaub-Alarm, und die Bewohner wurden gebeten, ihre Autos stehen zu lassen. Am heutigen Donnerstag verhandelt das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig über Maßnahmen für reine Luft in Stuttgart und Düsseldorf. Die Entscheidung könnte wegweisend für Deutschland sein. „Das Interesse ist groß“, bekräftigt Rainer Dosch, der Anfragen aus der ganzen Region erhält, beim Besuch der Bruchsaler Rundschau. Mit einem Laptop und einem mobilen Messgerät hat er in den Räumen der Redaktion wie auch in der Bruchsaler Innenstadt den Feinstaub-Gehalt gemessen. Eine offizielle Messstation sucht man nämlich in Bruchsal bisher vergebens.

Nur eine private Messstation in Bruchsal

Laut Dosch, der in Bretten wohnt und in Bruchsal aufgewachsen ist, gibt es nur in der Durlacher Straße eine private Messstation, die am Montagvormittag für die Partikelgröße 10 (10 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft) beispielsweise 42 Mikrogramm pro Kubikmeter anzeigt – der Grenzwert liegt bei 50 Mikrogramm pro Kubikmeter. Dass dort die Messwerte immer relativ hoch sind, wundert den 64-Jährigen nicht, wälzt sich doch ein Großteil des Schwerlast- und Durchgangsverkehrs über die B 3.

Sensor schlägt bei 165 Mikrogramm aus

Dass auf dem Weg zum Schönbornplatz der Sensor an der Friedrichstraße plötzlich bei 165 Mikrogramm ausschlägt, um später wieder auf 87 bzw. 36 Mikrogramm pro Kubikmeter abzusinken, wundert aber auch den langjährigen Elektroniker mit Schwerpunkt Messtechnik am KIT: „Je nach Windrichtung und Lage können die Daten unterschiedlich ausfallen.“ Während es im Sozialraum der Redaktion zwischen 4,2 und 5,8 Mikrogramm pro Kubikmeter der Partikelgröße 10 gibt, werden im Hinterhof der Friedrichstraße schon 44 Mikrogramm gemessen.

Feinstaub auf der Hauswand

Die Werte schaukeln sich nach Beobachtung Rainer Doschs normalerweise unter der Woche auf, steigen Freitagabend bis Samstagmorgen auf einen Höchsttand, um dann wieder abzusinken. Den Feinstaub-Niederschlag können Interessierte besonders an den Wetterseiten von Hauswänden beobachten, so Dosch. Die schwarz-graue Staubschicht auf seinem Garagendach in Bretten hat im übrigen den Ausschlag dafür gegeben, dass sich der 64-Jährige auf die vergebliche Suche nach behördlichen oder privaten Messstationen gemacht hat.

Selbstgebastelter Sensor

Fündig wurde er schließlich bei einem Projekt von Stuttgarter Tüftlern im Umkreis des OK Lab Stuttgart – einem Verein, der sich für offenes Wissen, Daten, Transparenz sowie Beteiligung einsetzt und deutschlandweit vernetzt ist. Für wenig Geld haben die Mitglieder eigene Messgeräte gebastelt, die alle zwei Minuten die Werte erfassen und online stellen. Bundesweit gibt es mittlerweile knapp 4 000 Messstationen, die seit Anfang 2017 Feinstaub mit einer Partikelgröße von 10 oder 2,5 Mikrogramm pro Kubikmeter messen.

In Zukunft wird Radioaktivität gemessen

In der Region stehen private Stationen neben Bruchsal auch in Neuthard, Kirrlach, Bad Schönborn, Landshausen, Gondelsheim, Bretten und Karlsruhe. In Zukunft sollen auch der Stickstoffdioxidgehalt, die Luftfeuchtigkeit oder die Radioaktivität in der Luft gemessen werden, wie Jan A. Lutz, Projektkoordinator des OK Lab Stuttgart, auf BNN-Anfrage mitteilt.

Unter www.luftdaten.info gibt es die Bauanleitung für einen Feinstaubsensor sowie eine Karte mit den Messstationen.