SELFMADE-HOTELIER: Der gelernte Kunststofftechniker Alois Ruppert war arbeitslos und verwirklichte mit wenig Eigenkapital und großer Muskelhypothek sein Hotel in Dahn. 18 Millionen Euro hat er innerhalb der vergangenen 20 Jahren investiert - und fleißig gefliest, wie die Fassade des roten Turms. | Foto: din

Alois Ruppert aus Dahn

Der (Hotel-)Baumeister

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An den Stammtischen in Dahn haben sie Mitte der 1990er-Jahre reichlich gelästert: „Ha! Ein Arbeitsloser will ein Hotel bauen!“ Und Alois Ruppert hat es gebaut! Stein auf Stein. Mit viel Muskelhypothek und 500 000 D-Mark Eigenkapital – Geld, das nach dem Verkauf des Einfamilienhäuschens da war. Innerhalb von 20 Jahren ist aus seiner Frühstückspension im pfälzisch-elsässischen Fachwerkstil mit 21 Zimmern Stück für Stück das Felsenland Resort geworden.

Die Eigentümer wohnen in ihrem Hotel

18 Millionen Euro hat Ruppert nach eigenen Angaben zusammen mit seiner Frau Margit, die früher in einem Steuerberatungsbüro arbeitete, auf einem ausgedienten Sportplatz investiert. Zuletzt waren es allein fünf Millionen Euro in die soeben eröffnete neue Empfangshalle samt sieben weiteren Zimmern, Wellness- und Tiefgaragenerweiterung. Ruppert (58) fährt stolz Porsche und hat 27 prestigeträchtige Koi-Karpfen in seinem Hotelteich, über dem ein Wintergarten-Restaurant zu schweben scheint.

 

HEUTE heißt das Hotel Felsenland Resort.  Mittlerweile hat es 72 Zimmer. Foto: pr

Der kuriose Stil des Hotels, dessen Entstehungsgeschichte und die unkonventionelle Hoteliersfamilie dürften in dieser Kombination in Deutschland ihresgleichen suchen. Jedenfalls zählt das auch vielen BNN-Lesern bekannte Haus mit seinen mittlerweile 72 Zimmern, 30 000 Gästen pro Jahr und der 3 600 großen Wellness-Landschaft zu einem der größten privat geführten Hotels in der Pfalz. Die Auslastung liegt laut Ruppert bei 85 Prozent. Das Umsatzplus habe in den jüngsten Jahren jeweils um die zehn Prozent betragen, auch wenn er sich zu absoluten Zahlen ausschweigt.

DAMALS ging es als Frühstückspension „Landhaus Felsenland aktiv“ an den Start, mit gerade einmal 21 Zimmern. | Foto: pr

Der Erfolg des Paradiesvogels unter den Hoteliers hat sich auch in der Landeshauptstadt Mainz herum gesprochen: Ministerpräsidentin Malu Dreyer war schon da oder Oppositionsführerin Julia Klöckner – Rudi Völler und Jupp Heynckes beim Fußballfan Ruppert sowieso, der in seiner minimalen Freizeit gerne auf dem Sportplatz die Spieler anfeuert. „Ich habe eine 17-Stunden-Woche, aber nur sieben Mal in der Woche“, sagt der Selfmade-Hotelier, der nur sonntags Krawatte trägt, mit pfälzischer Färbung. Er wohnt mitten im Hotel, wie auch die Familie seiner Tochter Caroline Kettenring samt Schwiegersohn Christoph und Enkelkind Collin. Die Rupperts betreiben das Resort mit seinen 70 Mitarbeitern nach wie vor als Gesellschaft Bürgerlichen Rechts, haften also samt Privatvermögen. Das stolze Wörtchen Mut wird wie ein Mantra von ihnen betont. Und wer wagt es auch schon, als Branchenfremder auf einem ausgedienten Sportplatz ein Hotel zu bauen?

Alois Ruppert: Kunststofftechniker bei der BASF – Autoverkäufer – Hotelier

Zur Vorgeschichte: Ruppert ist seit 19 Jahren Kunststofftechniker bei der BASF. In dem Konzern sehe er „keine Jahreszeiten“, klagt er. Er, der sich als „Hungriger, Umtriebiger“ bezeichnet, will Neues wagen. Da kommt das Angebot eines Bekannten wie gerufen. „Komm’ Ruppi! Du hast eine große Klappe. Ich brauche Dich als Verkäufer in meinem Autohaus.“ Ruppert verkauft und verkauft. Nichts scheint unmöglich – bis die Zwei sich nicht mehr richtig grün sind. Der gebürtige Dahner meldet sich arbeitslos, die Tochter ist da noch im Kindergartenalter. Er verkauft das – selbst gebaute – Häuschen, zieht in die Eigentumswohnung. Und träumt vom eigenen Hotel, gleich am Felsenwanderweg, im Schatten der „Roten Wand“ und des „Hirschfelsens“. Der sagenumwobene Teufelstisch ist nicht furchtbar weit weg, die rustikale Ritterburg Berwartstein auch nicht. Aber noch ist Dahn touristisch reichlich verschlafen.

 

VIEL HOLZ IN DER HÜTTE: Das Relax-Areal „Stilles Plateau“ besteht (fast) nur aus Holz. Foto: pr

Ruppert hat neben Mut auch Glück: Ein wichtiger Politiker legt sich für ihn ins Zeug. Die Bank zieht trotz der „Bauchentscheidung“ des Branchenfremden mit. Ruppert steht dann – wie auch noch vor einem halben Jahr bei der letzten Erweiterung – mit Gummistiefeln im Beton, als die Bodenplatte gegossen wird. Er zieht mit Familienmitgliedern und einem angestellten Maurer die Wände hoch, verputzt sie, verlegt als Sohn eines Fliesenlegers in allen Bädern die Kacheln. 30 Gäste gratulieren 1997 zur Eröffnung.
Schnell ist klar: Der Mann hat den richtigen Riecher. Wanderer kommen, seine Mutter Gertrud backt kostenlosen „Omakuchen“, und weil es bereits Ende der 1990er einen Radboom gibt, kauft er 40 Fahrräder und fährt seine Gäste zu den Ausgangspunkten der Radtouren. Eine Art Litfaßsäule steht noch heute auf dem Hotel-Areal. Mit Mosaiksteinchen hat Ruppert darauf eine Karte mit den Radwegen gefliest.

Fliesenscherben erinnern an Hundertwasser und Gaudi

Das Hotel wird mehrfach erweitert, beispielsweise um die mondäne Wanderhütte „Felsen Graf“. Stammgäste („die wollen oft immer das gleiche, also ,ihr’ Zimmer“) staunen, was sich fast im Jahresturnus so verändert. „Innenarchitekten haben bei uns Hausverbot“, scherzt Ruppert – als Gäste sind sie ihm natürlich willkommen. Anregungen für die Gestaltung holt er sich auch von Bekannten. Vieles, was man zwei bis drei Jahre später in neuen Privathäusern sieht, hatten die Rupperts schon umgesetzt: Gabionenwände im Garten, Wisch- und Lasur-Techniken an den Wänden, Fliesen in Holzoptik, satiniertes Glas als Gestaltungselement. Auf Ideen wie seinen „Naturwasserpfad“ in der Wellnesslandschaft ist er stolz. Und so etwas wie das Erholungsareal „Stilles Plateau“ spricht sich auch im benachbarten Ausland herum. Das ist ein Dachgeschoss – mit viel, viel Holz in der Hütte: Holzboden, Holzdecke, Holzscheite als Deko, Holzchips in Vasen, Holzliegen, Holzschaukeln unter dem First, nur im Holzrahmen des Bettes ist eine mit Wasser gefüllte Matratze.

Überall im verwinkelten, weil über Jahre gewachsenen Hotel mit seinen so unterschiedlichen Stilrichtungen, finden sich auch Rupperts Fliesenmosaike. Das erinnerte Hotelgäste an den Spanier Gaudi und an den Österreicher Hundertwasser. Prompt benennt der unkonventionelle Hotelier („früher wollte ich Architekt werden“) seine entsprechend gestaltete Bar nach dem österreichischen Künstler – und fliest wie wild weiter. „Unseren roten Turm beispielsweise habe ich außen in zehn Arbeitstagen gefliest.“

FISCHREICH: 27 prestigeträchtige Koi-Karpfen schwimmen im Teich der unkonventionellen Hoteliersfamilie. Darüber scheint das Wintergarten-Restaurant zu schweben. Foto: pr

Wanderer, Radfahrer, Wellness-Begeisterte, Frisch-Verliebte, Senioren, aber auch Geschäftsleute bilden den Gäste-Mix der Rupperts. Sie bleiben aber im Schnitt nur 3,6 Tage. Teil seiner Strategie ist es, längere Aufenthalte hinzubekommen.

Ein (Hotel-)Baumeister dürfte Ruppert bleiben, auch wenn ihm derzeit größere Erweiterungsflächen fehlen. Damals, 1997 bei der Eröffnung, war das Gros der 30 Gäste skeptisch. 20 Jahre später, beim Lobby-Neubau, schmiss er mit eingeflogenen Tänzerinnen, Band und Feuerwerk für 500 Gäste eine große Sause. Die wissen: Mit diesem Mann, der einst aus der Arbeitslosigkeit heraus zum Hotelier wurde, dürfte auch künftig zu rechnen sein.