Das Trainergespann um Coach Andreas Fiebig (rechts) aus Mörsch bereitet die Motoball-Junioren auf die EM vor. Foto: Collet

EM-Premiere in Russland

Fiebig bringt Motoball-Talente auf Touren

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Dass Motoball eine Randsportart ist, dessen ist sich auch Andreas Fiebig bewusst. Von einem Zulauf, wie ihn die Fußballclubs in ihren Jugendabteilungen haben, können Taifun Mörsch, Puma Kuppenheim, MSC Ubstadt-Weiher und Co nur träumen. Und doch muss der Trainer des deutschen Motoball-Juniorennationalteams nicht lange überlegen, ob der PS-starke Sport etwas für junge Leute ist. „Motorradfahren mit Ball, Driften, das alles bei rasantem Tempo, dazu die Kameradschaft einer Mannschaftssportart“, versucht der Mörscher Fiebig die Faszination Motoball in Worte zu fassen. Und außerdem: „Jemand, der Talent mitbringt, kann es hier weit bringen. Die Chance ist größer als beim Fußball“, sagt der frühere Coach des MSC Malsch, der zuvor auch bei Taifun im Jugendbereich tätig war.

Trotz Premiere gewissermaßen Titelverteidiger

Weit bringen wollen es auch die zehn Jungspunde, die sich in wenigen Tagen aufmachen nach Russland. Das Turnier in Kovrov, das vom 8. bis 12. August parallel zur EM der „Großen“ ausgetragen wird, ist die erste offizielle Jugend-Europameisterschaft und dennoch reist das Fiebig-Team gewissermaßen als Titelverteidiger an. 2017 in Frankreich setzte sich der deutsche Nachwuchs – genau wie im Jahr zuvor in den Niederlanden – gegen die Konkurrenz durch, durfte sich damals aber eben nicht offiziell Europameister nennen.

37 PS weniger als die „Großen“

Erst seit gut zwei Jahren steigen deutsche Motoball-Talente auch im Nationaltrikot auf die Maschinen. Der Mörscher Fiebig ist von Anfang an dabei. Zuvor hatte es lediglich – parallel zur regulären Bundesliga – eine Nachwuchsrunde gegeben. 85 Kubikzentimeter und 13 PS stark sind die Motorräder der Talente, während die großen Maschinen mit 250 Kubikzentimetern und 50 PS mehr Power mitbringen. „Durch den Gewichtsunterschied nehmen sie sich, was die Geschwindigkeit angeht, aber fast nichts“, erläutert Fiebig: „Nur im Zweikampf fehlt es an Masse.“

Russen als ärgster Konkurrent

Harte Zweikämpfe erwarten den Nachwuchs auch beim Turnier in Russland. „Vor allem die Franzosen spielen sehr körperbetont“, weiß Fiebig. Ärgster Konkurrent ist aber wie bei den Senioren Gastgeber Russland, am 9. August auch erster Gegner der Deutschen. „Wir haben sie im letzten Jahr ausgetrickst, das werden sie nicht auf sich sitzen lassen“, betont der 56-Jährige. Vom zehnköpfigen Aufgebot von damals sind mittlerweile nur noch der Mörscher Sebastian Fox und Jannick Harlacher vom MSC Ubstadt-Weiher dabei. Im Kader stehen zudem unter anderem Torhüter Dustin Vögeli (MSC Philippsburg), Julian Bitterwolf (Taifun Mörsch), Nico Benz (Puma Kuppenheim), Daniel Kiba (Puma Kuppenheim) und Daniel Keck (MSC Ubstadt-Weiher).

Wenn nichts nachkommt, gibt’s in fünf Jahren kein Motoball mehr

Damit die EM-Premiere zum Erfolg und die Zukunft des deutschen Motoballs gesichert wird, hat Fiebig in den vergangenen Monaten nichts dem Zufall überlassen. Mithilfe eines selbst entwickelten Punktesystems lässt er bei Turnieren Jugendspieler von Verantwortlichen des Gegners bewerten, ehe er Akteure, die sich hervortun, genauer unter die Lupe nimmt. Fiebigs Antrieb ist klar: „Das ist die Zukunft. Wenn von unten nichts nachkommt, gibt’s in fünf Jahren kein Motoball mehr.“