Her mit den "Filmschätzchen": Gemeinsam mit ihren Lesern wollen die BNN sechs Jahrzehnte Heimatgeschichte aufarbeiten - mit Hilfe privater Filme. | Foto: Fisher Photostudio-Adobe-stock/Archiv Hora

BNN-Aktion „Zurückgespult“

Filmschätze aus der Heimat gesucht

Der Badener erinnert sich noch gut an jenen Tag Anfang der 90er Jahre. Er war nur kurz außer Haus, doch den Dieben genügten wenige Minuten, um alles mitzunehmen, was nicht niet- und nagelfest war: darunter eine blaue Videokamera, ein ziemliches Ungetüm, das allein schon wegen seines Gewichts extrem unhandlich war. Dass die Langfinger das sündhaft teure Teil stahlen, hätte sein Besitzer ja noch verschmerzen können. Viel schlimmer wog: Die Videokassette war ebenfalls weg – und mit ihr die bewegten Bilder vom ersten Schultag des Sohnemanns, von dessen grandiosem Sieg im Riesenslalom, von der fröhlichen Feier mit guten Freunden, denen man nur alle Jubeljahre begegnet. Diese gestohlenen Erinnerungen lassen sich durch kein Geld der Welt ersetzen.

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Wer heute zu seinem Smartphone greift und mit ihm die ersten tapsigen Schritte des Nachwuchses dokumentiert, wer dank Helmkamera waghalsige Manöver für die Ewigkeit aufzeichnet und auf Youtube seine Abenteuer in fernen Gefilden einer breiten Masse zeigt, kann sich kaum vorstellen, was für ein Schatz eine Filmkamera in früheren Jahrzehnten war. Eine Super-8-Kamera, deren grob-körnige Bilder später Werbefilmer, Music-Clip-Produzenten und Filmstudenten inspirierten, kostete in den 70er Jahren schnell mal 1000 Mark, was den Kreis möglicher Käufer extrem einschränkte. Ende der 70er Jahre besaß trotz des hohen Anschaffungspreises jeder siebte bundesdeutsche Haushalt eine Schmalfilmkamera.

Als die Bilder laufen lernten

Das bewegte Bild kann so viel mehr als eine statische Fotografie. Kein Wunder, dass der Mensch dieser Faszination erlegen ist, seit die Bilder laufen lernten. Als die Brüder Lumière am 28. Dezember 1895 zu einer Filmvorführung in ein Pariser Café baten, berichteten die Medien anschließend von panischen Reaktionen beim Publikum. Die Einfahrt eines Zuges in den Bahnhof von La Ciotat habe so echt gewirkt, dass einige Zuschauer den Vorführraum fluchtartig verlassen hätten. Ob wahr oder nur erfunden. Längst ist der Film nicht nur das Sujet von Hollywood-Regisseuren, sondern von Jedermann. Und mancher begeisterte Hobbyfilmer ist längst kein Amateur mehr. Die Älteren werden sich sicherlich noch an jene Zeiten erinnern, als Vati alles filmte, was Kind und Kegel unternahm. Urlaub, Hochzeit, Kindergeburtstag oder besinnliche Feier unterm Weihnachtsbaum – in zahlreichen Haushalten schlummern unvergessliche Erinnerungen, gebannt auf Zelluloid oder Diafilm.

Lebendige Geschichte: Ob private oder offizielle Ereignisse, ob persönlich oder dokumentarisch - fauf der DVD "Zurückgespult" soll sich alles wiederfinden.
Lebendige Geschichte: Ob private oder offizielle Ereignisse, ob persönlich oder dokumentarisch – auf der DVD „Zurückgespult“ soll sich alles wiederfinden. | Foto: Janvier-stock-adobe.com

An diesem Punkt setzt das Vorhaben „Zurückgespult“ an, für das wir, ihre Regionalzeitung, die Unterstützung unserer Leser brauchen. Die Badischen Neuesten Nachrichten wollen lange vergessene Filmschätze aus dem Verbreitungsgebiet heben und sie in einem einzigartigen Projekt zusammenführen und aufleben lassen. Dafür brauchen wir ihre Filme – vom ersten Schultag in den 50er Jahren, der Spritztour mit der Liebsten im funkelnagelneuen Cabrio, dem Besuch eines Prominenten in ihrer Stadt, der sich nicht nur ins Gedächtnis eingebrannt hat, sondern den sie womöglich gefilmt haben. Kistenweise schlummern alte Filmspulen in Kellern und auf Dachböden, daneben oft ein altmodisch wirkender Projektor, den der Vati an den Filmabenden angeworfen hat.

Her mit den "Filmschätzchen": Gemeinsam mit ihren Lesern wollen die BNN sechs Jahrzehnte Heimatgeschichte aufarbeiten - mit Hilfe privater Filme.
Her mit den „Filmschätzchen“: Gemeinsam mit ihren Lesern wollen die BNN sechs Jahrzehnte Heimatgeschichte aufarbeiten – mit Hilfe privater Filme. | Foto: BNN-Archiv

Die wenigsten machen sich heute noch die Mühe, das altertümliche Relikt in Gang zu setzen – und verpassen dadurch ergreifende Momente. Denn die Filme von gestern haben dokumentarischen Wert, erzählen von der Welt der Großeltern- und Elterngeneration, vom Leben im heimatlichen Dorf, vom gesellschaftlichen Wandel innerhalb weniger Jahrzehnte.

DVD wird sechs Jahrzehnte abdecken

Es wäre doch schade, wenn solch historisch wertvollen Aufnahmen für immer in der Versenkung verschwinden, womöglich in zerschlissenen Schachteln unrettbar vermodern würden. Deshalb: Stellen Sie uns ihr Material zur Verfügung! Wir sichten jeden einzelnen Streifen und fügen die aussagekräftigsten Szenen in einer fünfteiligen DVD-Edition zusammen, die sechs Jahrzehnte- zwischen 1930 und 1990-abdecken wird. So entsteht eine aufwändige Dokumentation unserer Region und ihrer Menschen, die durch Interviews mit Experten und Zeitzeugen zusätzlich vertieft wird. Natürlich wird ihr Stöbern in staubigen Kisten auch honoriert. Jeder Teilnehmer bekommt als Dankeschön eine digitale Kopie seines „Filmschätzchens“ auf DVD. (siehe dazu „Das Projekt in Kürze“)

Altes wird digitalisiert: Als Dankeschön bekommen Teilnehmer des Projekts "Zurückgespült" ihr Filmmaterial digitalisiert.
Altes wird digitalisiert: Als Dankeschön bekommen Teilnehmer des Projekts „Zurückgespült“ ihr Filmmaterial digitalisiert. | Foto: dpa

Das Format ihrer Filme spielt keine Rolle, und auch bei der Thematik gibt es keine Vorgaben. Opas erster fahrbarer Untersatz, den er auf einem 35-Millimeter-Film aufgenommen hat, sagt ebenso viel über den Zeitgeist jener Jahre aus wie die Aufnahmen vom örtlichen Schützenfest. Vielleicht waren sie sogar live dabei, als ihr Dorf, ihre Stadt im Focus der bundesdeutschen Medien stand – so im März 1958, als Maria Schell und der Skirennläufer Toni Sailer anlässlich der „Bambi“-Verleihung mit einer Straßenbahn durch Karlsruhe fuhren. Vielleicht schlummern bei Ihnen gar Aufnahmen von der Wiedereröffnung der Baden-Badener Spielbank im Jahr 1950, mit eleganten Damen im Pelzmantel und kultivierten Männern im Frack. Sequenzen von Bundeskanzler Adenauer auf der Bühlerhöhe, vom Wirbelsturm über dem Raum Pforzheim oder vom Absturz eines US-Jagdbombers über Forst – solche Filmschätze wollen die BNN mit ihrem Projekt „Zurückgespult“ einer breiten Öffentlichkeit präsentieren.

Gespannt auf die „Filmschätze“

Fangen Sie noch heute mit der Suche an! Durchstöbern sie Keller und Dachboden, retten Sie Filme und Kassetten vor dem Verfall. Die Redaktion ist gespannt darauf, welche Schätze Sie zu Tage fördern. Wir halten sie während des Projekts stets auf dem Laufenden, stellen Ihnen die Menschen vor, die Zeit und Geld in das Hobby Amateurfilm investiert haben. Nutzen Sie Ihre Chance, werden Sie Teil des Projekts. Schreiben Sie mit an dieser filmischen Chronik über unsere Region. Wir freuen uns auf Ihre Filme.

 

Das Projekt „Zurückgespult“ in Kürze

Welche Filme werden gebraucht? Die BNN wollen mit ihrem Projekt sechs Jahrzehnte abdecken – und zwar von den 30er Jahren bis Ende der 1980er Jahre. Das Format der Filme spielt dabei keine Rolle: Ob 35 Millimeter-Film, Super 8 oder Video – alles wird gebraucht. Interessant sind vor allem Filme mit dokumentarischem und persönlichem Ansatz. Die Geschichte der Region, wird im Mittelpunkt der DVD-Edition stehen; die hier lebenden Menschen sind die Hauptdarsteller. Wir suchen nicht nur Filme zu spektakulären Ereignissen in unserem Verbreitungsgebiet, sondern wollen das „normale Leben“ dokumentieren.

Wie kann sich jeder beteiligen: Ganz einfach: Stöbern Sie in aller Ruhe in ihrem privaten Filmarchiv! Holen Sie alte Videofilme vom Dachboden, kramen Sie längst Vergessenes aus dem Wohnzimmerschrank. Gut verpackt können Sie „ihre“ Filmschätze bei den Badischen Neuesten Nachrichten abgeben – bei einer der vielen BNN-Geschäftsstellen in der Nähe. Sie können uns Ihre „Schätzchen“ natürlich auch per Post schicken:

Badische Neueste Nachrichten Badendruck GmbH
Aktion: Zurückgespult
Linkenheimer Landstraße 133

76149 Karlsruhe

 

Für beide Übermittlungswege gilt: Legen Sie eine kurze Beschreibung zu dem Film bei – beispielsweise Bambi-Verleihung in der Karlsruher Schwarzwaldhalle 1958, Auftritt von Marlene Dietrich im Baden-Badener Kurhaus im Jahr 1960, Luftangriff auf Pforzheim im Februar 1945. Und vergessen Sie Ihren Namen, Anschrift, Telefonnummer und gegebenenfalls E-Mail-Adresse nicht. Jeder Einsender erhält von uns eine Empfangsbestätigung.

Welchen Nutzer haben Sie? Sie werden nicht nur Teil eines außergewöhnlichen zeitgeschichtlichen Filmprojekts, als Dankeschön unsererseits bekommen Sie ihr eingereichtes Filmmaterial kostenlos digitalisiert: aus veralteten Super8-Filmen werden so handliche DVDs. Und wer freut sich nicht, wenn er seine Familienerinnerungen gemeinsam mit seinen Liebsten auf Fernseher, Tablet, PC oder Beamer anschauen kann. Nach einigen Wochen erhalten Sie ihr Material im Original und digitalisiert auf DVD zurück. Wenn es ihre Filmszenen in die DVD-Edition „Zurückgespult“ schaffen, bekommen Sie ein Gratisexemplar und werden namentlich im Abspann erwähnt.

Was geschieht mit den Filmen? Sie können sicher sein: Ihr Material ist zu jeder Zeit in guten Händen. Die Bielefelder Filmwerkstatt sichtet und digitalisiert das eingereichte Material und entscheidet, welche Filmszenen Eingang in die Dokumentation finden. Die einzelnen Filmausschnitte werden nicht einfach nur aneinandergehängt, sondern inhaltlich und zeitlich geordnet und durch Interviews mit Zeitzeugen ergänzt. Die BNN werden das gemeinsame Projekt mit ihren Lesern entsprechend begleiten.

Wie lange läuft die Aktion? Bis Samstag, 29. April, sollten Sie Ihre „Filmschätze“ eingesandt oder bei einer der BNN-Geschäftsstellen abgegeben haben. Im Spätherbst soll die DVD-Kollektion fertig sein.

Was müssen Sie noch wissen? Mit der Teilnahme an der Aktion übertragen Sie den BNN die Verwertungsrechte, so dass wir Ihre Filmaufnahmen für „Zurückgespult“ nutzen können. Dies wird natürlich schriftlich festgehalten. Falls Sie noch weitere Fragen haben, können Sie sich gerne an unsere Telefon-Hotline unter der gebührenfreien Rufnummer (0800) 1110211 (ab Montag, 27. Februar, wochentags von 7 bis 17 Uhr) wenden. Wichtige Informationen zu dem gemeinsamen Projekt der BNN und Ihrer Leser gibt es  auch im Internet: www.zurückgespult.de