Junge Künstler: Flüchtlinge im Alter zwischen 14 und 20 Jahren stehen gemeinsam mit einheimischen Jugendlichen für das Theaterstück „Die Räuber“ auf der Bühne.
Junge Künstler: Flüchtlinge im Alter zwischen 14 und 20 Jahren stehen gemeinsam mit einheimischen Jugendlichen für das Theaterstück „Die Räuber“ auf der Bühne. | Foto: PK

Werk „Die Räuber“ in Pforzheim

Flüchtlinge auf den Spuren Schillers

Dass die Integration von Flüchtlingen in vielen Bereichen funktioniert, zeigt die Zusammenarbeit zwischen dem Pforzheimer Theater und der Alfons-Kern-Schule (AKS). Zwanzig Jugendliche aus Flüchtlingsklassen und zehn Kinder aus den SpielZeit-Clubs studieren gemeinsam das Theaterstück „Die Räuber“ von Friedrich Schiller ein. Die 14- bis 20-Jährigen aus dem Nordirak, Afghanistan, Afrika, Syrien und Mazedonien feilen seit Januar am Auftritt.

Sprachkenntnisse sollen verbessert werden

„Wir haben nach einem Stück gesucht, mit dem wir an die Lebenswelten der Darsteller andocken können“, sagt Projektleiterin Antonia Schirmeister. Viele der jungen Flüchtlinge seien von den Erlebnissen in ihrem Heimatland und auf der Flucht traumatisiert. Daher müsse man nicht nur eine pädagogische und künstlerische, sondern auch eine soziale Arbeit leisten.

Da die jungen Darsteller die deutsche Sprache unterschiedlich gut beherrschen, sei auch die Verbesserung der Sprachkenntnis ein wichtiges Ziel. „Natürlich gibt es Worte in Schillers Texten, die wir heute nicht mehr im Sprachgebrauch haben“, sagt Theaterintendant Thomas Münstermann, dies sei aber kein Hindernis. Davon kann man sich auch in einem Dokumentarfilm überzeugen. Dieser wirft einen Blick hinter die Kulissen und wird am 16. Juli, 18 Uhr, im Großen Haus gezeigt.

Die Arbeit in solchen Projekten ist in Pforzheim unverzichtbar.

Die Kooperation zwischen Schule und Theater beschränkt sich zudem nicht nur auf die Darsteller. Das Projekt sei in den Unterricht aller Klassen der AKS eingebettet. Auch das Bühnenbild wird von den Schülern gestaltet. Im vergangenen Jahr, als es die Zusammenarbeit zum ersten Mal gab, machten noch nicht alle Klassen beim Projekt mit. Die Verantwortlichen freuen sich, dass sich dies nun geändert hat. „Es muss sogar noch weiter ausgebaut werden. Die Arbeit in solchen Projekten ist in Pforzheim unverzichtbar“, so Münstermann.

Jugendlichen auf Augenhöhe begegnen

Wichtig ist es den Beteiligten zu betonten, dass man den Jugendlichen auf Augenhöhe begegnet. „Sie werden nicht als Flüchtling behandelt, sondern als Künstler, die an diesem Theater arbeiten“, sagt Dramaturgin Anja Noël. Gemeinsam möchte man eine Vorstellung auf die Beine stellen, „die den Kriterien einer normalen Aufführung an unserem Theater entspricht.“ Zwar werde in diesem Zusammenhang auch ein gewisser Anspruch an die Schauspieler gestellt, Druck solle aber nicht aufgebaut werden. „Im Theater hat man immer eine Mischung aus Bangen und Vorfreude, die sich am Ende in ein großes Glücksgefühl auflöst“, beschreibt Thomas Münstermann.

Die jungen Flüchtlinge meldeten sich freiwillig, um Theaterluft schnuppern zu können.
Die jungen Flüchtlinge sind mit Begeisterung bei den Proben dabei. | Foto: PK

Flüchtlinge sollen wieder Halt und Sicherheit finden

Sollten dennoch bei den Proben Probleme auftreten, werde den Flüchtlingen schnell geholfen, wie Schulsozialarbeiterin Martina Pohl-Nunn betont: „Wir haben ein Netzwerk aufgebaut, um bei Schwierigkeiten die Jugendlichen aufzufangen.“ Schließlich arbeite man bewusst auch mit einer Gruppe, die bisher Schwierigkeiten hatte, sich in Deutschland einzuleben. „Sie sollen wieder Halt und Sicherheit finden“, so Pohl-Nunn.

Ein Schlüssel hierzu sei auch die Musik. Christoph Traxel, musikalischer Leiter, übte mit den Jugendlichen beispielsweise Trommelrhythmen. „Es zeigt sich bereits, dass die Arbeit anstrengend ist, aber dass sie sich auch lohnt“, resümiert Thomas Münstermann.

Termine: „Die Räuber“ wird am Donnerstag, 22. Juni, 19 Uhr, im Großen Haus aufgeführt. Eine Schulveranstaltung findet um 11 Uhr statt. Tickets sind im Vorverkauf beim Theater erhältlich.

Homepage des Pforzheimer Theaters

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