Frank Oberle aus Forchheim gebürtiger kanadischer Minister 2010. | Foto: Schultes/dpa

Von Forchheim nach Kanada

Frank Oberle : Vom Holzfäller zum Minister

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Am 24. März feiert jenseits des Atlantiks der gebürtige Forchheimer Franz oder Frank Oberle seinen 85. Geburtstag. Er ist eine Verkörperung des amerikanischen Traums: Vom Tellerwäscher zum Millionär beziehungsweise ersten in Deutschland geborenen kanadischen Minister. Zu seinem Heimatort hat der Jubilar bis heute noch einen engen Draht. Familiär bedingt, weil noch ein Bruder von ihm in dem Rheinstettener Stadtteil lebt, gesellschaftlich, weil viele Forchheimer stolz sind auf ihren „Frank“ oder „Franz“.

OB Schrempp will gratulieren

Rheinstettens OB Sebastian Schrempp wird versuchen, an seinem Ehrentag, einen Glückwunsch zu schicken. Ehrenbürger und Bürgermeister a.D. Kurt Roth saß gestern noch mit Schrempp zusammen, um darüber nachzudenken, was man dem Vielgeehrten früheren Minister noch an Ehrung zukommen lassen könnte.

Forchheimer sind stolz auf Frank Oberle

Denn Oberle habe – seinerzeit als Minister von der SPD-Fraktion im Gemeinderat kontaktiert – seinen kanadischen Verteidigungsministerkollegen wegen einer möglichen Verlagerung des Verkehrslandeplatzes Karlsruhe-Forchheim auf die kanadische Airbase in Rheinmünster-Söllingen angesprochen. Damals kündigte der kanadische Verteidigungsminister den Rückzug der Truppen aus Baden an und gab der Verlagerungsidee Auftrieb, was letztlich für Rheinstetten neue Entwicklungspotenziale (Neue Messe Karlsruhe/Gewerbeansiedlung) eröffnete.
Schon in der Vergangenheit zeichneten Gemeinde und Land Oberle aus: 1973 überreichte der damalige Forchheimer Bürgermeister Ernst Heil dem 1951 im Alter von 19 Jahren ausgewanderten einstigen Bürger das „Forchheimer Ehrenwappen“.

Frank Oberle erhielt Ehrenwappen

Kein Wunder: Damals war Frank Oberle gerade als erster deutscher Einwanderer, so später OB Schrempp in einer Laudatio bei einem Besuch Oberles, in das Parlament des riesigen amerikanischen Landes eingezogen. 1987 war Oberle, der lediglich einen Volksschulabschluss hat, als kanadischer Minister für Wissenschaft und Technologie mit einer Rheinstettener Delegation bei Ministerpräsident Lothar Späth. Damals erhielt er die Staufermedaille des Landes. Im Jahr 2004, in der Ära von OB Gerhard Dietz, trug er sich ins Goldene Buch der Stadt Rheinstetten ein. Seit 2003 steht eine kunstvolle Büste des Deutsch-Kanadiers im Mörscher Ratssaal. Komplett wird die enge Bindung zu Forchheim durch seine gleichaltrige Ehefrau Joan, die als Hanna Kistner in dem Dorf das Licht der Welt erblickte.
2010 kam Oberle nach Rheinstetten um seine Autobiografie „Ausgewandert – Von der badischen Backstube zum Minister in Kanada“ vorzustellen. Es ist bis heute ein lesenswertes Buch, weil es hautnah das Leben der Menschen im Forchheim der 30er- und 40er-Jahre beschreibt, als wäre es gestern gewesen. Es zeigt, welche herausragende Rolle die katholische Kirche in der damaligen bäuerlichen Gesellschaft einnahm und schildert die Evakuierung von Familien der Dörfer entlang des Rheins nach dem Ausbruch des Zweiten Weltkriegs ins Württembergische.

Buch beschreibt Leben im Dorf Forchheim

Es beschreibt das Schicksal eines 13-Jährigen, den es durch die Kriegswirren nach Polen verschlagen hat und zu Fuß wieder in sein heimatliches Dorf zurückkehrt. Nach den Krieg wird er Bäckerlehrling. Die scheinbare soziale Aussichtslosigkeit, wohl auch geistige Enge des Lebens in Karlsruhe und Forchheim der End-40er- und Anfang- 50er-Jahre ließen bei Oberle die Entscheidung reifen, auszuwandern.

Als Holzfäller in Kanada Fuß gefasst

Ziel war die Region um Vancouver, wo er als Tellerwäscher und Holzfäller beruflich Fuß fasste. Danach versuchte er sein Glück als Goldgräber und Unternehmer. Er integriert sich so gut in British Columbia, dass er zum Bürgermeister gewählt wird. Gleichwohl war er über wichtige Neuigkeiten aus seinem Heimatort Forchheim stets unterrichtet, in all den 66 Jahren hat er die Bindungen aufrecht erhalten.

Service
„Ausgewandert. Von der badischen Backstube zum Minister in Kanada!“
– Heimdall Verlag – 48 431 Rheine; www.heimdall-verlag.de – ISBN 978-3-939935-44-5; 26,50 Euro, 468 Seiten, 1. Auflage 2010.