Beim Frauentag in Rheinstetten referierte Brigitte-Kolumnistin Helma Sick. | Foto: Werner Bentz

Ein wichtiges Thema

Frauentag Rheinstetten: „Ein Mann ist keine Altersversorgung“

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Von Nina Setzler und Johannes-Christoph Weis

In Deutschland scheitert fast jede dritte Ehe. Hat eine Frau seit der Heirat nicht oder nur wenig gearbeitet, ist sie nach einer Scheidung finanziell arm dran, weiß Helma Sick. Die Co-Autorin des Buches „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ (zusammen mit der früheren Bundesfamilienministerin Renate Schmidt) spricht vor ihrem Vortrag am Internationalen Frauentag in Rheinstetten mit den BNN. Die Kolumnistin der Zeitschrift „Brigitte“ war am Mittwoch prominente Rednerin beim Frauentag in Rheinstetten. Nur rund 25 Frauen waren am Abend des Internationalen Frauentags der Einladung der städtischen Gleichstellungsbeauftragten Carmen Weber in das Mörscher Rathaus gefolgt. Dies überraschte auch Rheinstettens OB Sebastian Schrempp, der bei der Begrüßung der Zuhörerschaft die Bedeutung einer guten finanziellen und sozialen Absicherung von Frauen hervorhob. Gerechnet hatte man bei den Veranstaltern mit 60 bis 80 Zuhörern. Das bescheidene Interesse an der Veranstaltung könnte ein Hinweis darauf sein, dass hier nicht nur ein Informationsdefizit vorliegt, sondern in der Praxis noch viele Impulse gegeben werden sollten, dass Frauen sich selbst frühzeitig um ihre soziale Absicherung kümmern.

Rechtzeitig um soziale Absicherung kümmern

„Ich möchte bei Frauen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass sich durch die häufigen Scheidungen ein gesellschaftliches Problem von größter Brisanz auftut“, sagt Helma Sick. Seit 2008 gibt es nach einer Scheidung nur noch dann Unterhalt, wenn Kinder unter drei Jahren zu versorgen sind oder die Ehe sehr lang gedauert hat. „Interessant dabei ist, das sagen alle Familienanwältinnen, dass Frauen dieses Unterhaltsrecht nicht zur Kenntnis nehmen. Das ist wohl ein klassischer Fall von Verdrängung!“, wundert sich Finanzexpertin Sick.
Sie berät seit bald 30 Jahren Frauen in Finanzangelegenheiten, hat mehrere Bücher zum Thema geschrieben und verfasst regelmäßig Kolumnen für die Zeitschrift Brigitte. Besonders beschäftigt Helma Sick die Altersarmut, die im Laufe der Jahre trotz guter Ausbildung nicht abgenommen hat – Frauen bekamen in den letzten zwanzig Jahren nur etwa die Hälfte einer Männerrente. Einer der Gründe sind zu lange Auszeiten wegen Kindererziehung. „Damit ich nicht falsch verstanden werde: Eltern wollen und sollen das erste oder die ersten zwei, drei Jahre mit ihrem Kind verbringen. Aber kein Kind muss zehn Jahre lang rund um die Uhr von Mama betreut werden“, findet Helma Sick. Kindern tue es gut, mit anderen Kindern in einer Krippe oder Ganztagsschule zusammen zu sein. Und Müttern tue es gut, sich über ihrem Kind nicht selbst zu vergessen.

Über Kind sich nicht selbst vergessen

Die zweite Armutsfalle sieht Helma Sick in Minijobs und geringer Wochenarbeitszeit. „Das ist ein Phänomen, das es nur in Deutschland gibt. Frauen in anderen Ländern arbeiten in Teilzeit mit sehr viel mehr Stunden und viel früher wieder Vollzeit. 15 Jahre Minijob bringen 70 Euro Rente! Und Teilzeit-Arbeit bedeutet später auch Teilzeit-Rente“, warnt die Finanzberaterin. Auch bei der Pflege der Eltern sind es meist die Frauen, die beruflich aussteigen – auch das geht natürlich zulasten der Rente. Ist die Gleichberechtigung also gescheitert?

Minijob bringt keine Rente

Nein, findet Helma Sick, Frauen hätten in den letzten 20, 30 Jahren viel erreicht. Sie beobachte derzeit allerdings einen Rückschritt, gerade bei jüngeren Akademikerinnen in Großstädten, die sich gern wieder an den häuslichen Herd zurückziehen und sich auf ihren Mann verlassen. „Sie haben aber die teuerste Ausbildung, die von allen anderen Steuerzahlern bezahlt wird, also auch von der Alleinerziehenden, die sich mit Kind und Beruf mühsam durchschlägt. Das geht meiner Meinung nach nicht.“ Darum müssten Frauen ihre Existenzsicherung in die eigenen Hände nehmen und ihren erlernten Beruf ausüben, meint die Buchautorin. „Kommt ein Kind, sollten sich beide Partner die Elternzeit teilen, damit keiner von beiden beruflich benachteiligt ist.“ Gehe dies nicht, sollte man sich bei der Deutschen Rentenversicherung erkundigen, wie hoch der Rentenausfall durch die berufliche Auszeit ist und dann aus dem Familieneinkommen ein Altersvorsorge-Sparplan für sie einrichten.

Altersvorsorgeplan

Oder den Mehrverdienst, der durch das Ehegattensplitting ins Haus steht, für ihre Altersvorsorge anlegen. „Unverheiratete Frauen sind besonders gefährdet, denn sie haben nach einer Trennung keinen Anspruch auf Zugewinnausgleich oder Versorgungsausgleich. Im Todesfall erben sie nichts, wenn es kein Testament oder einen Erbvertrag gibt“, sagt Helma Sick.

Ehe- oder Partnerschaftsvertrag

Wer also wegen eines Kindes länger aus dem Beruf aussteigt, das war den Teilnehmerinnen m Frauentag in Rheinstetten klar, sollte mit dem Partner in einem Partnerschaftsvertrag oder Ehevertrag all diese Dinge regeln. Nicht umsonst lautet einer von Helma Sicks bekanntesten Sätzen: „Lieber jetzt unromantisch, als später arm“.