Am 18. September beginnt die Champions League | Foto: dpa

Übertragung in Gaststätten

Karlsruhe: Fußball wird für einige Kneipen zu teuer

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Wenn am 18. September die Champions League beginnt, wird erstmals keines der Fußballspiele im Free-TV gezeigt. Der Bezahlsender Sky und der kostenpflichtige Streamingdienst DAZN teilen sich die Übertragungsrechte. Für Gaststätten, die Fußball zeigen wollen, gibt es ein Sonderangebot: Wer Sky über Satellit empfängt, braucht kein zusätzliches Abonnement für DAZN. Das klingt zunächst positiv.

Allerdings stellt der wachsende Konkurrenzkampf unter den Anbietern, in dem auch die Telekom und Eurosport mitmischen, die Gastronomen vor Probleme: Wer möglichst viele Spiele auf dem Bildschirm zeigen will, braucht mehrere Abos – und die werden immer teurer.

Vor allem die kleineren Kneipen könnten die wachsenden Kosten für die Übertragung von Fußballspielen nicht mehr tragen, weiß Waldemar Fretz, der Vorsitzende der Karlsruher Kreisstelle des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga. Rund zehn Prozent der Gaststätten in Karlsruhe, die vorher Fußballspiele gezeigt haben, seien in den vergangen zwei Jahren davon abgewichen, weil es schlichtweg nicht rentabel sei.

Bezahlsender Sky hat immer wieder die Preise erhöht

Das liege aber nicht nur daran, dass Gastronomen inzwischen mehrere Abos benötigen, um alle Spiele zu zeigen, sondern auch an den Preissteigerungen bei Sky, so Fretz. Nach der auf drei Jahre festgelegten Kooperationsvereinbarung mit DAZN, die ermöglicht, dass alle Gaststätten mit Sky-Abo auch die Programme von DAZN zeigen dürfen, habe der Bezahlsender die Abo-Kosten jüngst erneut um rund fünf Prozent erhöht.

Bis das Kartellamt 2017 eingriff, war Sky der einzige Sender, der die Spiele der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga im Fernsehen zeigte. Dann sicherte sich Eurosport Übertragungsrechte, und 2017 erwarb die Telekom Lizenzen für die dritte Bundesliga.

Für eine große Sportsbar wie das La Cage in Karlsruhe lohnt es sich, Abonnements mit allen Anbietern abzuschließen, um die ganze Sportpalette bedienen zu können. „Wir haben ein Abo mit Sky, DAZN, der Telekom und Eurosport“, sagte Schichtleiter Nicolai Dolde. Dafür habe man sich zwar „eher notgedrungen“ entschieden. „Mit dem KSC in der dritten Liga geht es auf keinen Fall ohne das Telekom-Abo“, so Dolde.

Er verspricht sich vom Wegfall der Übertragung der Champions League im Free-TV auch einen Besucherzuwachs: „Man kann erfahrungsgemäß sagen, dass mehr los ist, wenn Spiele nicht kostenlos im Fernsehen laufen.“

Sportsbar La Cage in Karlsruhe hat vier Abonnements

Das La Cage bietet Platz für bis zu 250 Gäste. Wie viel Geld für die Übertragung von Fußball und weiteren Sportarten ausgegeben wird, will Nicolai Dolde nicht verraten. Ein Hinweis auf der Homepage von Sky lässt es aber zumindest erahnen: Die Preise variieren je nach Größe und Standort einer Gaststätte. Ein 60 Quadratmeter großes Lokal in Wuppertal muss für den Sky-Zugang monatlich 531 Euro zahlen, eine große Sportsbar mit 170 Quadratmetern in München mehr als 1 200 Euro.

Auch die Sportsbar Chur-Chill in Karlsruhe zahlt für ihr Sky-Abo demnach mehr als 1 200 Euro: Sie hat eine Fläche von 460 Quadratmetern. Auch für die Übertragung bei Eurosport hat Inhaber Andreas Trautmann ein Abo. „Als Sportsbar müssen wir das bieten“, sagt er. Dabei lohne es sich eigentlich nicht. Um die Kosten auszugleichen, müsse er pro Abend 800 Euro Umsatz machen. Dafür kommen nicht genügend Gäste. „Fast jeder hat jetzt Sky daheim“, sagt der Wirt, „viele kaufen sich lieber einen Kasten Bier und schauen Fußball zu Hause, als in die Kneipe zu gehen“.

Champions League 2018/19
Bisher wurde pro Spielrunde in der Champions League immer ein Spiel live im ZDF übertragen. Nun haben Sky-TV und DAZN die Übertragungsrechte an den Spielen unter sich aufgeteilt. Jeder zeigt in den ersten sechs Spieltagen exklusiv zwölf Spiele mit deutscher Beteiligung. Bayern München tritt in der Gruppenphase gegen Benfica Lissabon, Ajax Amsterdam und AEK Athen an. Die Schalker bekommen es in der Gruppe D mit Lokomotive Moskau, dem FC Porto und Galatasaray Istanbul zu tun. In der Gruppe A trifft der BVB auf den AS Monaco, Atlético Madrid und den FC Brügge. Hoffenheim spielt in Gruppe F gegen Manchester City, Schachtjor Donezk und Olympique Lyon.