Hajo Seppelt
Der Doping-Experte Hajo Seppelt erhält wohl keine Einreiseerlaubnis nach Russland. | Foto: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE

Kommentar

Fußball wird politisch

Als Großbritannien und Island im März erklärt hatten, dass ihre Regierungspolitiker der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 fernbleiben würden, war die Aufregung in Moskau groß. Russlands Staatsführung sorgte sich, dass andere Staaten dem nordeuropäischen Boykott-Aufruf folgen und das Ansehen des prestigeträchtigen Turniers beschädigen würden. Auch wenn die Stimmung zwischen Ost und West durch den Giftskandal um Ex-Spion Skripal frostig sei, dürfe man Sport nicht mit Weltpolitik vermischen und die Freude der Fans trüben, argumentierten manche beleidigten Politiker.

Und hatten recht: Es gibt zwischen den Staaten viele verschiedene Wege, um Krisen und Verstimmungen zu klären. Dies auf dem Fußballrasen zu machen, ist aber kontraproduktiv. Boykotte, Isolation und Strafen, die den internationalen Dialog ersticken und die Zivilgesellschaften treffen, erreichen meist nur das Gegenteil und geben zudem der Gegenseite die Möglichkeit, sie propagandistisch vor der eigenen Bevölkerung auszuschlachten.

Doch jetzt tut die russische Führung genau das, was sie zuvor kritisiert hat. Politik und Sport werden in einen Topf geworfen, um sich für die Demütigung im Dopingskandal rächen zu können. Die Entscheidung, den ARD-Journalisten Hajo Seppelt zur „unerwünschten Person“ zu erklären und ihm das WM-Visum zu verweigern, ist hochpolitisch – und sie kann angesichts der erwartbaren Proteste in Deutschland nur nach Rücksprache auf höchster Ebene getroffen worden sein.

Der Kreml macht einen Fehler: Statt das heikle Thema Doping durch umfassende Kooperation mit den internationalen Sportbehörden aus der Welt zu räumen, erweckt er nun den Eindruck, dass Russland weiterhin etwas zu verbergen hätte. Zugleich zeigt der Visumsskandal, wie wichtig die WM für Präsident Wladimir Putin ist, der beim Sportfest keine Kritiker aus dem Ausland dulden will.