Prominente Darsteller: Regisseur Ralf Gerber (Mitte) mit „Manni“ Breuckmann (links) und Hans-Peter Briegel bei den Dreharbeiten im Vaya Casa. | Foto: Dominic Körner

Filmdreh in Kappelrodeck

Fußballexperten auf fremdem Terrain

Treffen sich ein Fußball-Europameister und eine Sportreporter-Legende in Kappelrodeck. Und es geht, zumindest vordergründig, nicht ums runde Leder. So geschehen im „Vaya Casa“, wo Hans-Peter Briegel und „Manni“ Breuckmann für den neuesten Film von Ralf Gerber vor der Kamera standen. Der ist in Achern aufgewachsen und über einen ehemaligen Schulfreund auf das Gästehaus im Rotweindorf aufmerksam geworden. Am Dienstag war es Kulisse für eine groteske Szene von „Ritter ohne Gnade“, einer schwarzhumorigen Komödie aus dem Mittelalter, die satirische Spitzen auf die Moderne bereit hält.

Persiflage auf Mittelalter-Stoff

„Sie ist eine Persiflage auf den klassischen Mittelalter-Stoff, in der eine Prinzessin auf Geheiß ihrer Eltern einen fremden Prinzen heiraten soll, obwohl sie doch einen tapferen Ritter liebt“, erzählt Gerber, der hauptberuflich Lehrer ist und im pfälzischen Leimersheim lebt. Dort knüpfte er auch Kontakt zur einstigen „Walz von der Pfalz“, Hans-Peter Briegel. Der Fußball-Europameister von 1980 und zweimalige Vize-Weltmeister (1982 und 1986) hat sich unweit von Gerber niedergelassen und war gleich bereit, für ihn vor die Kamera zu stehen. „Eine witzige Idee“, sagt auch „Manni“ Breuckmann über den Gerber-Film. Bei Fußballübertragungen im Radio erlangte der heute 65-Jährige als „Stimme aus dem Pott“ Kultstatus.

Ritter Briegel und Gaukler Breuckmann

Für Gerber schlüpft er in eine ungewohnte Rolle: Im Aufzug eines mittelalterlichen Gauklers moderiert Breuckmann die „Tonnelon Schwertkampfanalyse“, in der die Experten immer alles besser wissen als die Kämpfer. In der an die „Telekom Spieltaganalyse“ (Sport1) angelehnten Show mimt Briegel den Mann vom Fach – und analysiert für Zwei. Weil Sport-Moderator Arnd Zeigler kurzfristig einen Rückzieher gemacht hat, übernimmt der Pfälzer dessen Text gleich mit. Die Rolle vor der Kamera ist ihm aus unzähligen Interviews am Spielfeldrand vertraut, vergleichbar ist sie dennoch nicht: „Damals war ich frei in meinen Äußerungen, heute bin ich an ein Skript gebunden“.

Auf meinen großen Durchbruch warte ich immer noch.

Breuckmann, der sich mit Blick auf seine Heimatstadt im Ruhrgebiet feixend „Manfred von Datteln“ nennt, hat dagegen schon Filmerfahrung vorzuweisen. In der Komödie „Fußball ist unser Leben“ (1999) ist er an der Seite von Uwe Ochsenknecht zu sehen. „Auf meinen großen Durchbruch warte ich aber immer noch“, sagt er lachend.

Spieltaganalyse in mittelalterlichem Gewand

In einem mittelalterlich verfremdeten Fernsehstudio moderiert Breuckmann die Sendung für Schwertkampfliebhaber, mit Briegel als „Ritter Walz“ an seiner Seite. Parallelen zur Gegenwart sind unübersehbar: Duelle werden am „Tool“ analysiert, einem technischen Helferlein, es geht um umstrittene Entscheidungen und die Sprache erinnert verdächtig an heutige Fußball-Talkrunden. Moderator: „Wir sehen uns den Konter mal an. Ein perfekter Move, oder?“ Ritter Walz: „Ja, schon, perfekt getroffen.“

Arbeit am Drehbuch dauerte ein Jahr

Der Stoff der Komödie basiert auf einem gleichnamigen Theaterstück, das Ralf Gerber bereits 1995 geschrieben hatte. Sein erster Anlauf, es mit prominenten Darstellern zu verfilmen, scheiterte Anfang der 2000er noch an der Finanzierung.

"Manni" Breuckmann (links) und Hans-Peter Briegel.
„Manni“ Breuckmann (links) und Hans-Peter Briegel. | Foto: Dominic Körner

Den „Kindheitstraum“ von der großen Karriere als Regisseur konnte sich Gerber bislang nicht erfüllen. Und doch tut der 47-Jährige, neben seiner Tätigkeit als Lehrer, was ihn erfüllt: Er dreht. Bislang auf eigene Kosten: „Wann und wo der Film erscheint, steht noch nicht fest“, sagt Gerber. Ein Jahr saß er am 100 Seiten dicken Drehbuch, ähnlich lange dürften Dreh und Schnitt dauern. Dann ist der Film im Kasten.

Halber Drehtag in Kappelrodeck

Briegel und Breuckmann haben darin nur einen dreiminütigen Auftritt, für einen halben Drehtag waren sie gestern in Kappelrodeck. „Die Arbeit mit Laien ist aufwendiger“, erzählt Gerber, man müsse sie „ein bisschen an die Hand nehmen“. Breuckmann, den er über dessen Internetseite kontaktiert hatte, und Briegel seien „witzige Charaktere“.

Erinnerung an alte Zeiten

Und das vor oder hinter der Kamera, wie sich im Vaya Casa zeigt. Bei einer Kaffeepause plaudern die prominenten Darsteller über alte Zeiten, Briegels heißes Duell mit dem Argentinier Buruchaga bei der WM 1986 und Breuckmanns Schlagabtausch mit Franz Beckenbauer im Fußball-Talk „Doppelpass“: „Da hast du’s ihm gezeigt“, meint Briegel schmunzelnd in Richtung Breuckmann. „Klar, der sagt ja auch jeden Tag etwas anderes“, entgegnet der und schlürft genüsslich am Kaffee. Dann geht es wieder vor die Kamera. Nicht als Fußballer und Sportreporter, sondern als „Ritter Walz“ und „Manfred von Datteln“.

Kontakt
Für seine Filmproduktion sucht Ralf Gerber weiteres Personal, etwa in den Bereichen Maske, Kostüme und Bühnenbild. Interessierte erreichen ihn unter Telefon (01 60) 92 84 05 27. Weitere Infos auf http://www.saudietindischerklub.de/index.htm