Blumen und Kerzen sollen an die Unfallopfer erinnern.
An der Unfallstelle in der Gaggenauer Goethestraße legten Menschen Blumen nieder. | Foto: Haendle

Verdächtiger hatte getrunken

Sachverständiger soll Gaggenauer Unfall rekonstruieren

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Der schwere Verkehrsunfall in Gaggenau mit zwei Toten soll von einem Sachverständigen rekonstruiert werden. Weil der  Tatverdächtige eine Beteiligung bestreitet und sich keine Augenzeugen bei den Ermittlern meldeten, wollen diese den Unfall vom Freitagabend nun digital nachstellen und dabei klären, ob die Schäden an dem sichergestellten Auto mit den Verletzungen der Opfer übereinstimmen. Von diesem Montag an wird sich deshalb ein Dekra-Experte das mutmaßliche Unfallauto sowie den zerstörten Kinderwagen ansehen, berichtete die Verkehrspolizei, und die Daten per Computerprogramm auswerten. Bei dem Unfall waren eine 54-Jährige und ihr kleines Enkelkind von einem Auto angefahren und tödlich verletzt worden. Der Fahrer flüchtete.

Tatverdächtiger hatte am Abend getrunken

Am Abend des Unfalls hatte der verdächtige Autofahrer Alkohol getrunken. „Es wurde Atemalkohol nachgewiesen“, berichtete ein Sachbearbeiter der Verkehrspolizei. Unklar sei allerdings, wann der 47-Jährige getrunken habe – vor dem Unfall am Freitagabend oder erst danach in der kurzen Zeit bis zu seiner vorläufigen Festnahme. Zwischen dem Unfall und der Festnahme lagen nach Angaben des Ermittlers etwa zweieinhalb Stunden.

Aktion der Mitmenschlichkeit geplant

Unterdessen wollen Gaggenauer Bürger eine „Aktion der Menschlichkeit“ für die betroffene Familie ins Leben rufen. In der örtlichen Facebook-Gruppe mit rund 2500 Mitgliedern wurde ein entsprechender Aufruf veröffentlicht und stößt auf eine enorme Resonanz. Derweil untersuchen die Ermittler weiter das mutmaßliche Unfallauto. Auch die Spuren am Kinderwagen, in dem der sieben Monate alte Junge zum Unfallzeitpunkt gelegen haben soll, aber auch Fotos vom Unfallort im badischen Gaggenau seien wichtig, um den Fall zu klären. Der verdächtige Unfallfahrer streitet eine Beteiligung an dem Unglück bisher ab, obwohl sein Kennzeichen am Unfallort lag.

Immer mehr Blumen liegen an der Unfallstelle

An der Unfallstelle werden unterdessen immer mehr Blumen und Kerzen abgelegt, fast alle Auto- und Radfahrer passieren den Abschnitt auf Höhe des Daimler-Bildungszentrums im Schritttempo oder bleiben kurz stehen. In der Murgtal-Stadt herrschen nach dem schweren Verkehrsunfall Bestürzung und  Fassungslosigkeit. Viele Gespräche kreisen um das Leid der Angehörigen. In den sozialen Netzwerken sprechen viele Gaggenauer der betroffenen Familie ihr Beileid aus.

Bundesweite Betroffenheit

Staatsanwaltschaft und Polizei suchen derweil nach Zeugen. Der tragische Vorfall löst bundesweit große Betroffenheit aus. Viele Medien berichten über den Unfall im Murgtal. Mittlerweile kommen auch Filmteams an die Unfallstelle.

Unfall auf Höhe des Daimler-Werks

Bei dem Verkehrsunfall am Freitagabend waren in der Gaggenauer Goethestraße auf Höhe des Automobilwerks der sieben Monate alter Junge und seine Großmutter gestorben.

Mit Hubschrauber in Klinik geflogen

Die 54-Jährige war am Freitag gegen kurz vor 21 Uhr mit ihrem Enkel im Kinderwagen auf dem Gehweg in der Goethestraße unterwegs gewesen, als ein Autofahrer von der Straße abkam und unmittelbar vor dem Daimler-Ausbildungszentrum mit den beiden Personen kollidierte. Das schwer verletzte Kleinkind wurde mit einem Rettungshubschrauber abtransportiert, starb jedoch am Samstagmorgen im Krankenhaus. Die Großmutter erlag ihren Verletzungen noch auf dem Weg ins Krankenhaus.

Polizei: 47-Jähriger soll von Unfallstelle geflüchtet sein

Die Polizei konnte noch am Abend einen 47-jährigen Mann als Tatverdächtigen ermitteln. Nachdem vor Ort das Kennzeichen des mutmaßlichen Unfallfahrzeugs gefunden wurde, gelang es Beamten der Reviere Gaggenau und Rastatt, den Besitzer des Wagens und möglichen Fahrer gegen 23.30 Uhr ausfindig zu machen und vorläufig festzunehmen. Er bestreitet jedoch, an dem Unfall beteiligt gewesen zu sein.

Verdächtiger war bei Bekanntem

Der 47-Jährige wurde laut Polizei zusammen mit seinem schwer beschädigten Renault bei einem Bekannten im Raum Gaggenau angetroffen. Während der Verdächtige eine Beteiligung an dem Geschehen abstreitet, arbeiten Ermittler der Verkehrs- und Kriminalpolizei sowie ein Sachverständiger an der Rekonstruktion des Unfalls, der sich auf Höhe des Ausbildungszentrums von Daimler ereignete.

Verdächtiger soll Kontrolle über Fahrzeug verloren haben

Die bisherigen Ermittlungen lassen nach Angaben der Beamten vermuten, dass der Verdächtige die Kontrolle über seinen Wagen verloren hatte. Ob der 47-Jährige zum Unfallzeitpunkt unter dem Einfluss von Alkohol oder Drogen stand, sollen jetzt die Ergebnisse entnommener Blutproben zeigen. Der Verdächtige wurde nach Abschluss der polizeilichen Maßnahmen freigelassen. Das Fahrzeug wird derzeit kriminaltechnisch untersucht.

Polizei sucht Zeugen

Durch die bisherigen Ermittlungen können die Minuten nach dem tödlichen Unfall und die Flucht des mutmaßlichen Täters nur in Teilen nachvollzogen werden, berichten die Behörden. Auch zu den Sekunden vor dem tragischen Unglück fehlten den Ermittlern der Verkehrspolizeidirektion noch wichtige Details. Um zusätzliches Licht ins Dunkel bringen zu können, erhoffen sich die Beamten zu den folgenden Fragen dringend Antworten möglicher Zeugen:

1. Wer kann Angaben zum Unfallhergang machen?

2. Wem ist der mutmaßliche Verursacher mit seinem blauen Renault Mégane, Baujahr 2013, vor dem Unfall in Gaggenau oder den Ortsteilen sowie dem näheren Bereich der Goethestraße aufgefallen?

3. Wer hat den schwer beschädigten Renault nach 20.58 Uhr in Gaggenau gesehen?

Hinweise nimmt die Polizei unter der Telefonnummer: 07221 680-0 entgegen.