Offenherzig: 1988 löste der XJ-S als Vollcabrio den targa-artigen Vorgänger ab. JDHT/dpa-tmn | Foto: JDHT

H-Kennzeichen für Baujahr 1988

Ganz frische Oldtimer

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War es Fügung oder reiner Zufall? Ausgerechnet das Jahr 1988, in dem Enzo Ferrari 90-jährig in Modena starb, hielt eine Fülle an flotten neuen Autos bereit. VW kam mit dem Corrado um die Ecke, BMW renovierte den M5, Ford ließ ein neues Cosworth-Kapitel folgen. Als hätten die Hersteller dem Sportwagenpionier ihre Ehre erweisen wollen. 30 Jahre ist das her, und wer sich für Oldtimer interessiert, weiß sofort: Von diesem Alter an dürfen Autos ein steuervergünstigtes H-Kennzeichen tragen, das zudem die Fahrt in städtische Umweltzonen erlaubt, wie der ADAC erläutert.

Maßgeblich für die Erteilung sind nach Angaben des Bundesverbands für Clubs klassischer Fahrzeuge (Deuvet) das Datum der Erstzulassung sowie ein unverbastelter Zustand, der dem Original entspricht. Allenfalls zeitgenössische Umbauten sind erlaubt.

Modelle von 1988 sind jetzt Oldtimer

Die folgenden Modelle dürfen sich 2018 zulassungsrechtlich erstmals Oldtimer nennen und können mit H-Kennzeichen fahren. Darunter ist allerdings kein Ferrari, denn im Todesjahr des Firmengründers pausierte der Rennwagenhersteller mit Neuheiten. Die im Text genannten Richtpreise hat Classic Data für Autos mit Zustand 2 ermittelt, die mängelfrei sind und leichte Gebrauchsspuren zeigen.

VW Corrado G60

Ladung aus Osnabrück: VW ließ den VW Corrado G60 bei Karmann bauen. Der Motor des Coupés verfügte über einen mechanischen Spirallader (G-Lader).   Foto: Volkswagen

Als Nachfolger des Scirocco kam 1988 das beim Karosseriebauer Karmann in Osnabrück gefertigte Coupé auf den Markt, dessen Geheimnis im Kürzel G60 lag. Es bezeichnete einen mechanischen Spirallader (G-Lader), der die aus dem Golf GTI übernommene 1,8-Liter-Maschine zur Leistungssteigerung mit viel verdichteter Luft versorgte. Ergebnis: Der Corrado übertraf in Sachen Fahrleistungen den damaligen Konkurrenten Opel Kadett GSi. Richtpreis heute: 9500 Euro.

Jaguar XJ-S 5.3 Cabriolet

Wurzelholz fürs Interieur, ein Zwölfzylinder unter der langen Haube und ein elektrisches Verdeck – das war 1988 die neue Offenheit beim britischen Hersteller, der mit dem Cabrio dem ab 1981 gebauten Coupé ein so schnelles wie luxuriöses Fahrzeug folgen ließ. Das Cabrio trug maßgeblich zum Erfolg der Baureihe bei – anders als der targa-artige Vorgänger mit sehr breitem Überrollbügel. Die Leistungsdaten: 217 kW/295 PS aus einem 5,3 Liter großen V-Motor. Richtpreis: 24 200 Euro.

BMW M5

Klassischer Look mit Chromleisten und runden Scheinwerfern: So präsentierte sich der BMW M5 vor 30 Jahren mit 232 kW/315 PS.            Foto: BMW

Gekürzte Federn, stärkere Stabilisatoren und gebaut bei der BMW Motorsport GmbH, so rollte der Dampfhammer auf Basis des 535i der neu eingeführten Baureihengeneration an die Startlinie. Aus 3,5 Litern Hubraum seines Reihensechszylinders bezog er 232 kW/315 PS und konnte damit in gut sechs Sekunden auf Tempo 100 rasen. Mit seiner Spitze von 250 km/h lag er auf dem Niveau des Vorgängers. Wer die auf 340 PS aufgebohrte Version mit H-Kennzeichen möchte, muss bis 2022 warten. Richtpreis: 24 400 Euro.

Audi V8

Schlicht V8: So nannte Audi 1988 seine sportlich-luxuriöse Limousine. Ihr Achtzylinder leistete 250 PS aus 3,6 Liter Hubraum. Damit fuhr der V8 bis zu 244 Sachen.  Foto: Audi

Auch die Ingolstädter brachten ein Auto für ambitionierte Hobbysportler heraus, das sich allerdings auch als Luxuslimousine verstand. Der kurz V8 genannte Wagen trat im leicht umgeschneiderten – und selbstverständlich vollverzinkten – Gewand des Audi 200 auf. Er hatte aber einen Achtzylinder mit zwei oben liegenden Nockenwellen und 184 kW/250 PS aus 3,6 Liter Hubraum eingebaut bekommen. Der sorgte für bis zu 244 km/h. Allradantrieb setzte die Kraft gut um: In bestenfalls 7,9 Sekunden knackte der V8 die Tempo-100-Marke. Auch hier folgte 1992 eine stärkere Version. Richtpreis: 9500 Euro.

Mercedes 190 E 2.5-16V

Kraftnahrung fürs Baby: Die auch «Baby-Benz» genannte Autos der Baureihe W 201 erstarkten 1988 als 190 E 2.5-16 auf 194 PS.   Foto: Daimler

Die Krönung des Baby-Benz! Als habe es die oft verspottete kleine Baureihe W 201 des bis dahin nur mit größeren Limousinen befassten Herstellers nötig gehabt, bekam sie eine Sportverkleidung mit Schwellern und Spoilern – zunächst in einer 2,3-Liter-Version, ab 1988 dann auch mit 2,5 Litern Brennkammervolumen und 16 Ventilen. Heute ist der auf 143 kW/194 PS erstarkte 190er ein gesuchter Klassiker, dessen Wert steigt. Richtpreis: 22 700 Euro.

Ford Sierra Cosworth

Nachschlag: Vom Facelift des Vorjahres lieferte Ford 1988 die sportliche Cosworth-Variante mit 204 PS nach.              Foto: Ford

1987 wurde das Basismodell des Sierra geliftet, im Frühjahr des Folgejahres reichten die Kölner die Cosworth-Variante nach – 150 kW/204 PS stark, generiert aus einem zwei Liter großen Vierzylinder-Turbomotor. Über fünf handgeschaltete Gänge bretterte die viertürige Limousine per Heckantrieb in 6,4 Sekunden auf Tempo 100, das Maximaltempo lag bei 242 km/h. Richtpreis: 19 600 Euro.

Opel Vectra A

Ascona-Nachfolger: Vor 30 Jahren brachten die Rüsselsheimer den besonders windschlüpfrig gezeichneten Opel Vectra auf den Markt.  Foto: Opel

Als neuer VW-Passat-Gegner eilte dem Nachfolger des Ascona ein guter Ruf voraus. Der Hersteller zählte 50 000 Vorbestellungen, bevor das neue Auto bei den Händlern eintraf. Als Stufen- und als Schrägheck (ab 1989) kam die Rüsselsheimer Mittelklasse zu den Kunden. Ihr Cw-Wert von 0,29 war damals eine Ansage. Es gab Vergasermotoren, Direkteinspritzer und einen ersten Diesel mit Turboaufladung. Ohne Beatmung kam der 1.7 D aber auf nur 42 kW/57 PS. Für den 2.0i als viertürige Limousine mit 85 kW/115 PS gilt ein Richtpreis von 2500 Euro.

VW Passat

Nummer drei nach 1973: Der neue VW Passat (B3) kam als Stufenheck und als Kombi Variant auf den Markt.                                  Foto: Volkswagen AG

15 Jahre nach dem Ur-Passat von 1973 rollte der B3 heran – als Stufenheck sowie als weitaus populärerer Kombi Variant. Im Vergleich zum Vorgänger handelte es sich um eine völlige Neuentwicklung, die als Raumwunder gepriesen wurde, was sich beim Variant in einem Kofferraumvolumen von 521 Litern bemaß. Topmodell war der Sechzehnventiler mit 100 kW/136 PS. Richtpreis für den Vierventiler 1.8 Variant mit 79 kW/107 PS: 2900 Euro.

Renault R 19

Französischer Golf-Gegner: Den kompakten R 19 baute Renault ab 1988, entworfen hatte ihn der italienische Star-Designer Giugiaro.   Foto: Renault/dpa-tmn

Der Golf-Konkurrent, der auch Fiat Tipo oder Toyota Corolla Marktanteile abjagen sollte, war eine Neuentwicklung – und dazu ein Designstück. Für die Karosseriegestaltung zeichnete der italienische Star-Designer Giugiaro verantwortlich. Mit fast 400 Litern Kofferraumvolumen und der umlegbaren Rückbank war der Franzose der Konkurrenz voraus. Das Stufenheck Chamade und die Cabrioletversion folgten 1989 und 1991. Die Oldie-Interessenten müssen sich bei ihnen also noch gedulden, während der Dreitürer zum Beispiel mit 54 kW/73 PS schon „H“-würdig ist. Richtpreis: 1800 Euro.                              Stefan Weißenborn

 

Neustart nach langem Stillstand                                                                                                                                                Wenn ein Auto für sehr lange Zeit nicht gelaufen ist, sollten Besitzer den Motor vor einem Neustart gründlich in einer Werkstatt untersuchen lassen. Das gilt auch dann, wenn es sich zum Beispiel um einen Oldtimer handelt, der vor der Stilllegung konserviert wurde, empfiehlt die Zeitschrift „Auto Bild Klassik“. Nach mehreren Jahren des Stillstandes müssen zum Beispiel die Zahnriemen gewechselt werden – sie könnten sonst reißen und einen Motorschaden verursachen. Auch poröse Benzinschläuche, Zündkerzen und Filter müssen möglicherweise ersetzt werden.                                           sth