Richard Gere stellt bei der Berlinale das Drama "The Dinner" vor. Er spielt einen Politiker, der mit einem Fehltritt seines Sohnes konfrontiert wird. | Foto: dpa

Auftaktfilme bei der Berlinale

Geschichten vom Ende der Zukunft

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Der Moment ist alles, die Zukunft zählt nichts – von dieser jugendlichen Weltsicht erzählen viele Filme. Einer der krassesten ist der schottische Drogentrip “Trainspotting”, der vor zwei Jahrzehnten die Filmlandschaft aufmischte. Die irrwitzige Tragikomödie über lauter Verlierer machte alle Beteiligten zu großen Gewinnern. Am weitesten führten die Karrieren von Regisseur Danny Boyle (Oscar für “Slumdog Millionär”) und Hauptdarsteller Ewan MacGregor (“Star Wars I-III”). Bei der Berlinale wird nun die Fortsetzung „T2“ präsentiert. Hier kehrt der von MacGregor gespielte Ex-Junkie Mark Renton zurück nach Edinburgh – 20 Jahre, nachdem er untergetaucht ist, weil er seine Kumpels um ihren Anteil aus einem Drogendeal betrogen hat. Und 20 Jahre, nachdem er eine Zukunft vor sich zu haben schien. Was daraus geworden ist, ist schon bald nach der Berlinale-Premiere, nämlich ab dem 16. Februar, in den deutschen Kinos sehen.

Danny Boyle stellt mit "T2" die Fortsetzung seines Erfolgsfilms "Trainspotting" vor.
Danny Boyle bringt mit „T2“ die Fortsetzung seines Erfolgsfilms „Trainspotting“ ins Kino. | Foto: dpa

Bitteres „Dinner“ mit Richard Gere

Wie schnell eine hoffnungsvolle Zukunft zerstört werden kann, darum geht es in dem US-Wettbewerbsbeitrag “The Dinner”: Die halbwüchsigen Söhne eines ambitionierten Politikers (Richard Gere) und seines verbitterten Bruders (Steve Coogan) sind auf dem Heimweg von einer Party zufällig auf eine Obdachlose gestoßen – und die Situation ist fürchterlich eskaliert. Falls dies herauskommt (es existiert ein belastendes Handyvideo), ist die Zukunft beider Familien betroffen. Das Dinner soll klären, ob es eine Lösung gibt. Doch auch hier droht permanent eine Eskalation, weil jeder der Erwachsenen die anderen als potenzielle Gegner sieht. Mit all ihrem Geld können sie sich zwar das titelgebende Dinner in einem exklusiven Restaurant kaufen, nicht aber eine neue Zukunft.

Wie die Zukunft früher war

Dass die Zukunft freilich auch früher nicht immer so leuchtend war, wie man sie gern hätte, zeigt die diesjährige Berlinale-Retrospektive: Unter dem Titel “Future Imperfect” laufen 27 Science-Fiction-Filme, vom dänischen Stummfilm “Das Himmelsschiff” (1918) über die erste “1984”-Verfilmung (aus dem Jahr 1956) bis zum Klassiker “Blade Runner”. Dessen Macher haben sich für eine Fortsetzung übrigens noch mehr Zeit gelassen als das “Trainspotting”-Team, nämlich 35 Jahre: “Blade Runner 2049” soll im kommenden Oktober anlaufen. Und der bereits kursierende Trailer lässt ahnen, dass der von Harrison Ford gespielte Protagonist Deckard auch nicht die Zukunft hinter sich hat, in die er am Ende des ersten Films aufzubrechen hoffte.