Wer würde sich nicht freuen, wenn er plötzlich ein paar Scheinchen unter seiner Fußmatte finden würde? | Foto: dpa

Anonyme Geldspenden

Das Wunder von Braunschweig

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Während das „Wunder von Bern“ wohl fast jedem noch geläufig sein dürfte, ist das „Wunder von Braunschweig“ weniger bekannt – zumindest außerhalb von Braunschweig. Das ist eigentlich schade, denn beim „Wunder von Braunschweig“ handelt es sich um eine wahrlich wunderschöne Geschichte, die im November 2011 begann und hoffentlich noch lange nicht beendet ist.

Das Wunder von Braunschweig

Seit nunmehr fünfeinhalb Jahren verschenkt ein anonymer Spender in der zweitgrößten Stadt Niedersachsens regelmäßig größere Geldbeträge – bislang kamen rund 260 000 Euro zusammen. Die Spenden, meist jeweils 10 000 Euro in 500-Euro-Scheinen, gehen mal an eine Suppenküche, mal an ein Hospiz, dann wieder an eine Tagesstätte oder ein Museum. Auch Einzelpersonen finden hin und wieder einen Umschlag unter der Fußmatte – so beispielsweise eine alte Frau, die Opfer von Trickdieben wurde oder ein Junge, der seit einem Schwimmunfall schwerbehindert ist. Wer hinter den Spenden steckt, ist nach wie vor ein großes Geheimnis. Und: Selbstverständlich gibt es neben den vielen Menschen, die sich über den Geldregen freuen, auch viele Nörgler, die behaupten, sie würden solches Geld niemals annehmen, denn man wisse ja nicht, woher es stamme.

Unerwarteter Geldsegen

Anonyme Spenden sind übrigens gar nicht so selten, wie man vielleicht glauben könnte. In Konstanz steckte ein Unbekannter vor wenigen Tagen 20- und 50-Euro-Geldscheine hinter Scheibenwischer, in Kaiserslautern war etwa zeitgleich ein „älterer, elegant gekleideter Herr“ im Innenstadtgebiet unterwegs, der 50-Euro-Scheine an Passanten verschenkte und auch im ostwestfälischen Bünde verteilte ein Unbekannter Anfang 2016 Geld: In einem Supermarkt fanden Kunden und Angestellte Umschläge, die eine Grußkarte mit einem Bibelvers und einen 50-Euro-Schein enthielten.

Wie damals Robin Hood

Doch warum tun die Spender das? Nach Meinung des Politikwissenschaftlers und Historikers Rupert Graf Strachwitz steckt der Impuls zum Schenken in vielen Menschen. Die mannigfaltigen Legenden über Robin Hood, der von den Reichen nahm, um es den Armen zu geben, zeigen zudem, dass mysteriöse Schenker schon immer zu Spekulationen Anlass gaben. Und „elegant gekleidet“ war Robin Hood ja auch, schenkt man den vielen Dramen, Büchern und Filmen über ihn Glauben. Ob er aber zusätzlich auch noch Bibelverse auf Krämermärkten verteilte, ist leider nicht überliefert.

 

 

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