Buskontrolle
Linienbusse und ihre Passagiere überprüften Polizei und Zoll bei einer Großaktion an der Autobahn bei Durlach. | Foto: jodo

Karlsruhe statt Amsterdam

Großkontrolle für Reisebusse an der A 5

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Lenkzeiten, Verkehrstüchtigkeit, Papiere, Schmuggel: Fern- und Transit-Reisebusse waren am Sonntag im Visier von Polizei und Zoll an der A 5 bei Durlach. Im Zuge einer Sicherheitskooperation Baden-Württembergs mit Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen waren Spezialisten aus ganz Süddeutschland beteiligt. Turnusmäßig stand die jährliche Großkontrolle im Ländle an.

Kein Zweifel am Erfolg

9 Uhr morgens: Im Nebel, der noch über dem Rheintal liegt, treffen immer mehr Polizei- und Zollfahrzeuge bei der Durlacher Autobahnmeisterei ein. Absperrbänder werden gespannt, Schilder aufgestellt, Technik aufgebaut. Johanniter und ASB schenken Kaffee aus, die 67 Einsatzkräfte treffen letzte Absprachen. Dass sie in den nächsten sechs Stunden fündig werden, zweifelt keiner an. „Wo gespart wird, bliebt vieles auf der Strecke“, weiß Einsatzleiter Rüdiger Heiler. Er ist beim Polizeipräsidium Karlsruhe für den Bereich gewerblicher Güter- und Personenverkehr verantwortlich. Und hat schon viel gesehen: Vor zwei Jahren traf man bei der Aktion zwei Dutzend illegale Einwanderer in einem Fahrzeug an. Bei den Verstößen gegen das Personenbeförderungsgesetz ist der Klassiker ein dritter Busfahrer, schildert Heiler. Der sei von Anfang an an Bord, statt nach neun Stunden Ruhezeit außerhalb des Busses das Steuer wieder zu übernehmen.

 

Motorradfahrer halten Ausschau

9.45 Uhr. Die fünf Motorradfahrer, die an der A 5 sowie der A 8 Ausschau nach Bussen halten werden, fahren vom Hof. Im Visier haben sie Billiganbieter, Busse, die auf der Balkan-Route unterwegs sind und Fahrzeuge mit offensichtlichen Mängeln. Sie werden schnell fündig. „Bitte folgen“, leuchtet den Busfahren dann vom Motorrad entgegen.

Im Zehn-Minuten-Takt

10.10 Uhr. Ein Bus aus Mazedonien ist der erste, der in eine der sieben Kontrollboxen gelotst wird. Reifen werden kontrolliert, die Dokumente des Fahrers gecheckt, die Box mit den Ausweisen der Passagiere erbeten. Im Zehn-Minuten-Takt folgen ein Doppelstöcker, der in Frankfurt Richtung Bukarest gestartet ist, ein Reisebus mit italienischem Kennzeichen, ein bulgarischer Bus, der aus Varna kommt. Fahrer und Passagiere sind mäßig begeistert über den unfreiwilligen Stopp. Zumindest hat sich die Sonne jetzt gegen den Nebel durchgesetzt. Zigaretten werden angezündet, Selfies vor dem Bus geschossen.

Gleich ein Volltreffer

10.40 Uhr. Der Bus aus Mazedonien wird ausgeladen, Koffer, Taschen, Kisten, Plastiktüten, Rucksäcke stehen im Sand. Manches Gepäckstück ist so schwer, dass gleich zwei Beamte anpacken. Schon jetzt steht fest, dass schon der erste Bus ein Volltreffer ist. „Gleich vier Fahrer, das hatten wir noch nie“, konstatiert Heiler. Vor 25 Stunden begann die Tour in Mazedonien – seitdem sind Fahrer und Fahrzeug nahezu nonstop unterwegs.

Gepäck wird gescannt

10.45 Uhr: Bei dem Kollegen vom Zoll geht das Gepäck, wie am Flughafen, durch den mobilen Scanner. „Zigaretten“, ruft der Kollege, der mit geübtem Auge die je nach Material unterschiedlich eingefärbten Gegenstände entschlüsselt. Mehr als die zulässige Stange Zigaretten haben am Ende des Tages 13 Passagiere dabei. Zehn dürfen mit Aufschlag nachversteuern, bei dreien ist die 250 Euro-Grenze überschritten, so dass es zur Anzeige kommt.

Quietschend um die Kurve

10.49 Uhr: Ein Bus aus Budapest mit Ziel Amsterdam wird auf den Hof geleitet – und quietscht bedenklich um die Kurve. Die Passagiere des italienischen Busses stehen nebenan ziemlich ratlos vor ihrem Fahrzeug. Es ist eine Reisegruppe aus Thailand auf achttägiger Europatour: Mailand, mehrere Stationen in der Schweiz, Straßburg, wo sie heute morgen auch gestartet sind. Das Programm ist dicht, die Zeit knapp, der Stopp daher ärgerlich. Das Heidelberger Schloss wartet.

Drogenverdacht

11 Uhr: Bundespolizisten checken die Ausweise des Busses aus Budapest. Es gibt einen Drogenverdacht, ein Drogenspürhund schnüffelt das Gepäck und die sechs Passagiere ab. Ohne Erfolg. Die technische Kontrolle aber erhellt Erschreckendes: Seit Ulm ist die Lichtmaschine kaputt, das digitale Kontrollgerät daher auch außer Betrieb. Ein TÜV-Mitarbeiter nimmt den Bus, der für ein Unternehmen aus der Region fährt, auf den Prüfstand. Schon jetzt steht fest, dass er nicht weiterfahren darf. Michael, der von Budapest nach Amsterdam will, fragt nach, wo er nun eigentlich gestrandet ist. Um 20 Uhr wollte der Niederländer zu Hause sein, nun ist klar, dass seine Reise mindestens drei Stunden länger dauert.

Alle Plätze belegt

11.47 Uhr sind alle sieben Kontrollplätze belegt, zwei weitere Busse stehen in der Warteschleife. Ein Kleinbus mit Anhänger – herausgewunken unter dem Verdacht, dass es sich um ein illegales Linienfahrzeug handeln könnte – kommt als nächstes auf den Prüfstand. Der Anhänger ist voll mit teuren Lkw-Reifen und -Felgen unklarer Herkunft. Die Erklärung der Busbesatzung überzeugt die Ermittler nicht.

 

Heidelberg wartet

11.58 Uhr: Für die Thailänder geht es mit anderthalb Stunden Verspätung nach Heidelberg, der Niederländer Michael wartet noch auf den Ersatzbus. Es soll noch eine halbe Stunde dauern.

Aus für Kleinbus

13 Uhr: Es steht fest, dass der Kleinbus technische Mängel hat und der Anhänger komplett überladen ist – die Fahrt endet also. Was den Ermittlern auch mehr Zeit gibt, sich mit der Herkunft der Reifen zu beschäftigen.

Viele Mängel

15 Uhr: Einsatzleiter Heiler zieht Bilanz: Von 18 kontrollierten Fahrzeugen gab es nur an vier keine Beanstandungen. Die Liste der Verstöße ist lang: Fahren ohne Fahrerlaubnis, missbräuch-
liche Verwendung einer fremden Fahrerkarte, zweimal Lenkzeit- und sechsmal Ruhezeit-Überschreitungen, eine Überladung und ein fehlendes Kontrollgerät, zählt Heiler auf. Hinzu kämen technische Mängel an den Fahrzeugen. Als Konsequenz wurden vier von ihnen stillgelegt – darunter auch der erste kontrollierte Bus aus Mazedonien. Denn für die vier Busfahrer hieß es unmissverständlich: Schlafengehen!

„Es wird immer schlimmer“

Für sie und ihr Unternehmen gibt es zudem eine Geldstrafe. Nicht die einzige an diesem Tag: Rund 10 000 Euro werden insgesamt im Zuge der Großkontrolle erhoben, berichtet Heiler. Für den Einsatzleiter bleiben zwei Erkenntnisse: „Die Kontrollen sind notwendig, das zeigt die Beanstandungsquote von rund 80 Prozent“, sagt er. Und: „Die Situation wird immer schlimmer. „Wer nicht mitspielt beim Umgehen der Vorschriften, hat offenbar keine Chance.“