Beim Redaktionsgespräch mit den BNN stellte Landes-Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut im Gespräch mit Redakteur Bernd Kamleitner die Schwerpunkte ihrer Arbeit vor. | Foto: Hora

Wirtschaftsministerin

Gründungs-Offensive

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Mit einer neuen Gründungsoffensive will Baden-Württemberg sein Profil als Innovationsstandort weiter schärfen. Anlässlich eines Redaktionsbesuchs bei den BNN kündigte Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) an, die Start-up-Aktivitäten im Land besser zu bündeln und zu vermarkten.

Mit einem umfassenden Konzept für den Südwesten solle die Gründungskultur profiliert und gestärkt werden. Das Land werde die Strahlkraft des Gründer-Standorts bundes- und weltweit steigern. Dazu ist im Juli ein groß angelegter Start-up-Gipfel in Stuttgart mit Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) geplant.

Bereits im kommenden Monat will Wirtschaftsministerin Hoffmeister-Kraut ein neues Konzept zur Finanzierung mit Mikrokrediten bis zu einer Grenze von 10 000 Euro vorstellen. Lobende Worte fand die Ministerin für das Engagement des Karlsruher Cyber-Forums, des KIT und anderer regionaler Akteure bei der Unterstützung von Start-ups und Unternehmensgründern. Die Technologieregion sei durchweg zukunftsträchtig aufgestellt. Nicole Hoffmeister-Kraut amtiert seit rund einem Jahr als Wirtschaftsministerin. Staatssekretärin im Wirtschaftsressort ist die Karlsruher Christdemokratin Katrin Schütz.

Newcomerin war weitgehend unbekannt

Sie war der Joker von CDU-Landeschef Thomas Strobl. Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) hatte niemand auf der Rechnung, als es nach der Landtagswahl vor rund einem Jahr darum ging, das Wirtschaftsressort neu zu besetzen. Die 43 Jahre alte promovierte Kauffrau hatte gerade ihr erstes Landtagsmandat für den heimischen Wahlkreis Balingen errungen; dort war die dreifache Mutter seit 2009 kommunalpolitisch tätig.
Und plötzlich wurde sie der Shooting Star im Kabinett. Ein Einschnitt für die Schwäbin, die sich immer gern ehrenamtlich engagiert hatte: im Elternbeirat der Schule, in der evangelischen Kirchengemeinde, in der Psychiatriestiftung. Für ihre Leidenschaft aus Jugendzeiten, das Dressurreiten, war mit einem Mal kaum noch Zeit. Immerhin hatte es Nicole Hoffmeister-Kraut darin bis in den Landes- und Bundeskader gebracht. Mit eisernem Training Tag für Tag. Ihr damals entwickeltes Credo hält sie auch an der Spitze des Wirtschaftsministeriums hoch: „Ich will durch Leistung überzeugen.“

Erfahrung aus Familienunternehmen

Jetzt versteht sich die pragmatische Ministerin als Interessenvertreterin für die heimische Wirtschaft. Anders als ihre Vorgänger im Amt kann sie dabei auf eigene Erfahrungen als Unternehmerin zurückgreifen: Als Tochter der Balinger Familie Kraut, Eigentümerin des auf Hightech-Systeme zum Wiegen, Schneiden und Etikettieren spezialisierten Unternehmens Bizerba, weiß die Wirtschaftsministerin sehr genau, welche Erwartungen der Mittelstand an die Politik hat. Zum Beispiel die, dass den Unternehmen nicht durch Verkehrseinschränkungen das Leben schwer gemacht wird. Als das grün-schwarze Landeskabinett das Thema der Stuttgarter Feinstaubbelastung erörterte, kämpfte die Wirtschaftsministerin nach eigenem Bekunden sehr dafür, „dass es nur an Feinstaubtagen Einschränkungen gibt und die Wirtschaftsverkehre Ausnahmeregelungen bekommen.“

Zupackende Art

Langjährige Beamte im Wirtschaftsministerium rühmen die unprätentiöse und zupackende Art der Ministerin, die sich zügig in neue Themen einarbeitet und auch unter Belastung ausgeglichen bleibt. Für solche Belastungen sorgt seit geraumer Zeit der anstehende Wechsel der Auto-Antriebe vom Verbrennungs- hin zum Elektromotor. Auch das Wirtschaftsressort muss hier moderieren, und die Ministerin ist dabei um ausgewogene Positionen bemüht. Von einer Verteufelung des Dieselmotors hält sie nichts, denn der Selbstzünder habe positive Auswirkungen auf den für das Klima wichtigen CO2-Ausstoß gebracht. Und moderne, nach Euro6 zertifizierte Diesel seien sauber, betont die Ministerin.

Lob für KIT und FZI

Ein weiteres für die heimische Ökonomie entscheidendes Thema ist derzeit und für die kommenden Jahre die Digitalisierung. Obschon der Ministerpräsident sie zur Chefsache erklärt hat und Fragen rund um die Breitbandversorgung im Innenministerium angesiedelt sind, hat Hoffmeister-Kraut bei Fragen der Digitalisierung für die Wirtschaft und der Industrie 4.0 den Hut auf. „Hier hat mein Haus die Kernkompetenz“, betont sie und verweist auf ihr Budget von 8,2 Millionen Euro für diesen Bereich.
Am Wochenende startet die Wirtschaftsministerin zu einer Delegationsreise nach Israel, gerade hat sie sich auf der Cebit in Hannover über den Leistungsstand baden-württembergischer Unternehmen ins Bild gesetzt. Besonders lobende Worte findet sie bei der BNN-Redaktionskonferenz für den Auftritt des KIT sowie des Forschungszentrums Informatik (FZI) und anderer Teilnehmer. Die Region, sagt die Ministerin, könne stolz sein auf die große und weltweit ausstrahlende Expertise.