der Eagle Club in Gstaad
Diskretion ist alles: Im elitären Eagle Club in Gstaad scheint der gesamte europäische Hochadel und halb Hollywood vertreten zu sein. | Foto: wit

Nobelort in der Schweiz

Gstaad: Elitäres Versteck für Promis

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Wer in Gstaad, dem Promi-Kurort im Berner Oberland, zu spät aus den Bettfedern kommt, ist selber schuld. Der Bergfex hätte angesichts der verschneiten Bergspitzen den Gang zum üppigen Frühstücksbüfett mit Rösti, Bircher Müsli und Emmentaler Käse abkürzen müssen. Doch wer konnte schon ahnen, dass Aelos so mächtig seine Backen aufbläst? „Nichts geht mehr, Wind“, sagt der freundliche junge Mann am Col du Pillon und zuckt entschuldigend mit den Schultern. Kein Ausflug ins ewige Eis des Glacier 3000; kein Blick auf 24 Viertausender, darunter Mont Blanc und Matterhorn; kein Nervenkitzel auf dem 100 Meter langen Peak Walk, einer handtuchbreiten Hängebrücke, die über schwindelerregendem Abgrund die beiden Spitzen des 2 971 Meter hohen Scex Rouge miteinander verbindet. Und – was den Skifan besonders schmerzt: kein heißer Ritt auf der tiefschwarzen Oldenpiste über 1 700 Höhenmeter.

Promifaktor am Wasserngrat

Was für ein Glück, dass es an der Grenze zwischen den Kantonen Waadt und Bern noch andere spektakuläre Aussichtsberge zu erklimmen gibt. Hier präsentiert sich der Zackenkranz der Zwei- und Dreitausender im rechten Licht. Einige haben sogar einen eingebauten Promifaktor wie der Wasserngrat oberhalb von Gstaad. Der Bursche bringt es zwar nur auf bescheidene 1 920 Meter, und der Sessellift ist auch ein wenig älter: doch dafür punktet der Wasserngrat mit dem „Tiger Run“, der steilsten Piste weit und breit. Zudem verfügt er über das beste Bergrestaurant der Gegend, wo einem all die schönen Orte des Saanenlandes zu Füßen liegen.

Hauptstraße von Gstaad
In der Hauptstraße von Gstaad dominiert viel Holz. | Foto: wit

So einzigartig ist dieser Berg-Solitär, dass sich hier einer der elitärsten Clubs der Welt eingerichtet hat. Beim Eagle Club, der 1957 von Jetsettern gegründet wurde und in dessen Reihen der gesamte europäische Hochadel und halb Hollywood vertreten zu sein scheint, sind Name und Blutsbande wichtiger als das Bankkonto. Das Clubhaus in Form eines pompösen Chalets wirkt von außen wie das Hauptquartier eines Bond-Bösewichts.  Und auch die Sicherheitsvorkehrungen gegen unerwünschte Besucher sind vergleichbar. Schließlich wollen Schauspielerlegenden wie David Niven oder ein echter Romanow, immerhin Nachfahre des letzten russischen Zaren, unter sich sein.

Gstaad ist diskret

Das ist es wohl, was die Reichen und Schönen an dem Promi-Kurort im Berner Oberland schätzen, der in einer Liga mit St. Tropez oder St. Moritz agiert. Doch während die Engadiner Nobeladresse die Hautevolee hofiert, die gesehen werden will, spielt sich die Welt der Reichen und Superreichen in Gstaad hinter zugezogenen Vorhängen ab: in den Suiten der Fünf-Sterne-Herbergen, von denen es hier nur so wimmelt, und in den privaten Chalets, die nur auf den ersten Eindruck schlicht wirken, weil Indoor-Olympiapool und eigener Kinosaal einfach dort gebaut werden, wo es sogar für Murmeltiere zu tief ist.

 Brunnen beim Posthotel Rössli in Gstaad, gestiftet von Elisabeth Taylor
Dieser Brunnen beim Posthotel Rössli in Gstaad wurde von Elisabeth Taylor gestiftet. | Foto: wit

Nicht höher als drei Stockwerke dürfen die Chalets von Gstaad sein, weshalb das 1 050 Meter hoch gelegene Bergdorf ein behagliches Heile-Welt-Gefühl verströmt. Selbst auf dem Bonzenhügel Oberbort, wo ein feudales Urlaubsdomizil schon mal einen zweistelligen Millionenbetrag kosten kann, wird keine Ausnahme gemacht. Keine Bausünde ist zu erblicken, weder im autofreien Dorfkern, noch an den steileren Hängen. Nur das legendäre „Palace“, ein vielstöckiger Protzbau, der seinen Teil zu Gstaads exklusivem Ruf beigetragen hat, will mit seinen markanten Türmchen nicht so recht ins ebenmäßige Konglomerat der stilvollen Chalets passen.

Gstaad ist heile Welt

Wer vom Thunersee das Simmental hochfährt, taucht ein in eine idyllische Welt mit viel Holz und noch mehr Fleckvieh. Das trottet schon mal die Hauptstraße zwischen Gstaad und dem nicht weniger heimeligen Schönried entlang. Im Vergleich zu Zermatt, wo sich rechts und links schroffe Bergriesen auftürmen, haben sich die Dorfschönheiten des Saanentals ein Amphitheater der Natur ausgesucht. Der Blick reicht weit, streift zärtlich über sanfte Hänge, die sich im Winter in schmucke Skipisten verwandeln, um schließlich – in einiger Entfernung – an Giferspitz, Wildhorn und Gummfluh hängen zu bleiben. Vielleicht war es diese liebliche Landschaft, mit bewaldeten Hügeln und bukolischem Landleben, in die sich die vornehmen Herrschaften des Elite-Internats Le Rosey verliebten.

Zwei- und Dreitausender rund um Gstaad im Berner Oberland
Zwei- und Dreitausender umgeben Gstaad im Berner Oberland | Foto: wit

1916 verlegte die für Härte und Drill bekannte, exklusive Einrichtung ihren Wintercampus nach Gstaad. Mit den Zöglingen von Adel und Geldadel kamen die Eltern; mit den Eltern der internationale Jetset, angeführt von Richard Burton und Elisabeth Taylor. Die Schauspielerin mit den berühmten lilafarbenen Augen verbrachte nicht nur so manches Weihnachtsfest in ihrem Chalet Ariel; der schweizerische Nobelort verdankt der Dame auch eine Bronzeskulptur: ein herziges Kälbchen namens „Rosie“, das am Brunnen beim Posthotel Rössli steht.

Jets landen auf winzigem Flugfeld

Man sieht sie praktisch nie, die Beckhams, die Grimaldis oder Mr. Ecclestone, der vor einigen Jahren das Hotel Olden erworben hat. Sie kommen wie der Automobilsport-Funktionär mit dem eigenen Jet, landen auf dem winzigen Flugfeld in Saanen und verschwinden in ihrem Chalet. Ski gefahren wird in Gstaad allenfalls am späten Vormittag, was sportliche Naturen freut, weil sie morgens häufig ziemlich leere Pisten vorfinden.
Ikonische Zacken wie in Zermatt oder Grindelwald hat der Nobelort allerdings nicht zu bieten. Stattdessen hören die steinernen Wolkenkratzer auf so niedliche Namen wie Wispile, Eggli oder Rellerli. Für Flachländer, die einen Berg nicht von einem Hügel unterscheiden können, sind die drei Landmarken zweifelsohne hübsche Pistenreviere.

Das Wappen von Gstaad
Ein Edelweiß – wie könnte es für einen Schweizer Nobelort auch anders sein. | Foto: wit

Für Geländewagenbesitzer und Stretchlimousinennutzer, die jeglicher sportlicher Betätigung abhold sind, gibt es ja auch genügend Ablenkung jenseits der Piste in Gstaad. Die Hautevolee trifft sich zum Shopping in den exklusiven Boutiquen, speist in einem der noblen Restaurants, die es im Restaurantführer von Gault Millau auf unglaubliche 270 Punkte bringen, oder schlürft Schampus im Jacht-Club. Der Schweizer Nobelort hat zwar nur einen kleinen See zu bieten, doch das kümmert die segelvernarrten Mitglieder – darunter Konstantin von Griechenland und Juan Carlos von Spanien – wenig: Schon gar nicht im Februar, wenn die potenten Jachtbesitzer ferngesteuerte Bootsmodelle durchs örtliche Hallenbad von Gstaad tuckern lassen.

Das Hotel „Ermitage“ in Gstaad- Schönried
Gut für Leib und Seele: Das „Ermitage“ in Gstaad-Schönried gilt als eine der besten Wellness-Adressen der Schweiz. | Foto: wit

Wasser spielt auch eine der Hauptrollen im Fünf-Sterne-Hotel Ermitage in Schönried, wo eine Walliserin und ein gebürtiger Tessiner das Regiment führen. Jahrelang leiteten Katja Gridling und Gregorio van Kuyk das Hotel Victoria-Lauberhorn in Wengen, bis sie ins Ermitage wechselten, das zu den besten Wellness-Adressen der Schweiz zählt. Was ursprünglich das Clubhaus des benachbarten Golfplatzes war, hat sich längst dem Thema Wellness in all seinen Facetten verschrieben. Seine mehrere Jahrzehnte dauernde Erfolgsgeschichte hat das 180-Betten-Haus zu guten Teilen seinem Solebad zu verdanken, dem ersten der Alpen überhaupt. Selbst wenn es draußen bitterkalt ist, ziehen die ersten Gäste schon vor dem Frühstück ihre Runden in den Freiluft-Swimmingpools, von denen aus man einen herrlichen Blick auf die Skipisten am Horneggli hat. Abends lässt kaum ein Gast einen Absacker an der Swarowski-Bar aus, denn im funkelnden Schein von einer Million der geschliffenen Kristalle fühlt sich selbst ein Normalsterblicher wie die Promis von Gstaad.

Pistencheck

Echt steil: Der Wasserngrat, einer von Gstaads Hausbergen, hat zwar nur drei Pisten vorzuweisen, doch die schwarze hat es in sich. Der Anfang wird geübte Fahrer vor keine Schwierigkeiten stellen, doch dann kommt der „Tiger Run“, die steilste Piste des Saanenlandes. Und weil es sich um einen Nordhang handelt, ist der Schnee oft pickelhart.

Echt kräftezehrend: Von knapp 3 000 Metern hinunter auf 1 350 Meter – am Glacier 3000 beginnt eine der längsten Abfahrten des Reviers, die schwarze Piste Nr. 102. Rekordverdächtig ist auch die zehn Kilometer lange Abfahrt der Bergstation La Videmanette hinunter bis nach Rougemont.

Echt durchgeknallt: Warum Skifahren, wenn die Pisten auch mit dicken Reifen zu bewältigen sind? Beim alljährlichen Snow Bike Festival müssen sich die Fatbike Rider auf insgesamt drei Etappen bewähren und zwischen 500 und 1 000 Höhenmeter erklimmen. Zur Belohnung gibt’s – Abfahrten auf Skipisten.

Informationen

Gstaad und seine Nachbarorte bieten zwar 220 Kilometer Pisten, allerdings verteilen die sich auf vier Skigebiete, von denen nur der Gletscher über 2 000 Metern liegt. Die meisten Abfahrten sind leicht bis mittelschwer. Freerider handeln die Ferienregion als Geheimtipp. Zudem gibt es rund 170 Kilometer Loipen – einige davon auch im Gletschergebiet – und über 200 Kilometer Winterwanderwege.

Skipass: Die Top Card gilt für alle vier Skigebiete und kostet für sechs Tage 327 Schweizer Franken. Senioren zahlen 295 Schweizer Franken, Jugendliche (16 bis 19 Jahre) 262 Schweizer Franken, Kinder (sechs bis 15 Jahre) 180 Schweizer Franken. Zudem gibt es Tagespässe für die einzelnen Gebiete, wie das Pistenrevier oberhalb von Schönried. Der Tagespass kostet 63 Schweizer Franken.

Übernachten: Gstaad verfügt über 40 Hotels. Hinzu kommen Pensionen, Ferienwohnungen und eine Jugendherberge. Das Ermitage in Schönried (Dorfstrasse 46, 3778 Schönried ob Gstaad, Telefon (00 41) 33 748 04 30) gehört zu den besten Wellness-Hotels der Schweiz, mit beheiztem Außen- Sportpool, einem Hallen-Solebad und zehn verschiedenen Saunen und Dampfbädern. Im Übernachtungspreis ist das umfassende „Wellness-Basispaket“, die Drei-Viertel-Genießer-Pension sowie die Gästebetreuung miteingeschlossen. Dazu zählen beispielsweise Schneeschuhwanderungen, Skiguiding aber auch Biketouren.

Pauschalen: Die „Alpienne-Wellness-Tage umfassen vier oder sechs Übernachtungen, drei Wellnessanwendungen sowie die ¾-Genießer-Pension. Das Paket kann ab 860 Schweizer Franken pro Person gebucht werden.

Auskünfte: Gstaad Saanenland Tourismus, Promenade 41, 3780 Gstaad, Telefon (00 41) 33 748 81 81.