Ein digitaler Tausendsassa ist Gunnar Lott, der unter anderem in Karlsruhe die Agentur Visibility betreibt. | Foto: jodo

Digitale Köpfe in der Region

Gunnar Lott sucht ständig nach Neuem

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Das Erfolgsgeheimnis hat Gunnar Lott selbst noch nicht gelüftet: „Auf jeden Fall gibt es scheinbar viele Leute, die hören wollen, wie zwei ältere Herren miteinander reden“, sagt Lott und lacht. Worüber die Männer reden? Alte Computerspiele. Darum geht es im Podcast „Stay Forever“, den der Wahl-Karlsruher Lott gemeinsam mit Christian Schmidt betreibt. Zehntausende verfolgen in regelmäßigen Abständen, was Lott und Schmidt über Spiele zu sagen haben, die eigentlich schon ausgestorben sind. Es reicht, um Geld damit zu verdienen.

Digitaler Tausendsassa

Der Podcast ist jedoch nur eines der Projekte des digitalen Tausendsassas Lott. Erst vor wenigen Jahren gründete er die Agentur Visibility, die Spiele-Firmen und andere Start-ups unter anderem bei der Öffentlichkeitsarbeit berät. Ein Fußballblog geht ebenso auf das Konto des 48-Jährigen wie ein Buch über Elterngeheimnisse. „Ja, ja, ich mache ständig etwas Neues“, sagt Lott und wirkt dabei fast ein wenig genervt von sich selbst. Schon im Studium sei „alles wild durcheinander“ gegangen. Kontinuität bewies der gebürtige Niedersachse, der auch längere Zeit in München lebte, nur bei einer Sache: seinem Faible für Computerspiele.

Lott wächst in „einem Dorf in der Nähe von Göttingen“ auf. Dort habe er in einem Quelle-Shop für Computerspiele „schon als Kind kräftig gezockt“. Nach der bereits erwähnten turbulenten Studienzeit beginnt er konsequenterweise ein Volontariat bei einer Fachzeitschrift für Computerspiele. „Da war ich 28 und habe schon einen heftigen Ehrgeiz entwickelt“, sagt Lott rückblickend. Binnen vier Jahren steigt er zum Chefredakteur auf, die Auflage klettert „und wir haben damals kräftig Geld verdient“. Selbstkritisch gesteht Lott: „Ich habe im Zuge dessen aber angefangen, überzuschnappen.“ Auf Messen wird er empfangen wie ein Popstar. „Die Leser des Magazins kennen die Schreiber, wollen dann Autogramme. Ich habe es da nicht geschafft, auf dem Boden zu bleiben“, so Lott. Er entwickelt Starallüren, die auch im Familien- und Freundeskreis nicht gut ankommen. Hinzu gesellt sich der Umstand, dass die Verkaufszahlen der Zeitschrift wegen der zunehmenden Popularität des Internets zurückgehen.

„Ich arbeite eigentlich immer“

Lott fällt damals eine radikale Entscheidung: Er gibt alle Ämter ab und kümmert sich nur noch um den Online-Auftritt des Magazins. „Mit Mitte 30 war der Zeitpunkt für einen Dämpfer gekommen.“ Die Internetseite floriert, Lott wird mit diversen Preisen überhäuft, ihn zieht es aber dennoch in eine andere Richtung. Der Wahl-Karlsruher wechselt in die PR-Abteilung des Spieleherstellers Gameforge und kümmert sich später um die Öffentlichkeitsarbeit bei flaregames, der Spiele-Firma, die quasi in Karlsruhe aus Gameforge hervor ging. „Aber auch da habe ich mich irgendwann gelangweilt“, erzählt Lott.

Die Beratungsagentur Visibility, die Lott 2013 gründet, bildet nun mehr oder weniger sein tägliches Berufsumfeld. Er wandelt ein wenig zwischen dem Firmensitz Berlin, wo sich zig Start-ups tummeln, und Karlsruhe – „und ich arbeite eigentlich immer“. Die nächsten Projekte? „Werden sicher kommen“, auch wenn aktuell noch nichts spruchreif sei, sagt der Fan von Hannover 96. Um den Verein dreht sich auch der Fußballblog, an dem Lott beteiligt ist. „Den Verein kann man sich nicht aussuchen“, sagt er beim Gespräch in Karlsruhe fast ein wenig entschuldigend. Als gebürtiger Niedersachse scheint der Aufsteiger in die Erste Liga aber keine ungewöhnliche Wahl.

Bei all den Tätigkeiten bleibt dem verheirateten Vater eines Kindes sogar noch genug Zeit für die eigentliche Leidenschaft: das Daddeln. „Ich spiele schon noch viel.“ Sein Lieblingsspiel heißt Darkest Dungeons. Ein Titel, der nicht ganz passt. Denn in einem dunklen Verlies kann man sich Lott nicht vorstellen – es wäre ihm definitiv zu langweilig und zu wenig turbulent.