In der WM-Kolumne "Privet Rossija!" (Hallo Russland!) stellt der gebürtige Russe Alexei Makartsev sein früheres Heimatland, dessen Kultur, Bräuche und Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln vor – mal ernst, mal augenzwinkernd.
In der WM-Kolumne "Privet Rossija!" (Hallo Russland!) stellt der gebürtige Russe Alexei Makartsev sein früheres Heimatland, dessen Kultur, Bräuche und Menschen aus verschiedenen Blickwinkeln vor – mal ernst, mal augenzwinkernd. | Foto: Bodamer/Zemlianichenko/dpa/Montage: BNN

Privet Rossija!

„Guten Tag, ich heiße Traktor“

Nun werden sie wohl Lenin im Glaskasten liegen lassen. Die sterblichen Überreste des Revolutionsführers im Mausoleum am Roten Platz locken Tausende WM-Besucher an, die den einbalsamierten Leichnam bestaunen. Lenin ist ein Top-Tourismusmagnet, damit dürfte der alte Streit – „begraben oder nicht“ – für eine Weile obsolet geworden sein.

Angeblich will sich auch Putin von dem 1924 verstorbenen Staatsgründer, eingelegt in Glyzerin und Essigsäure, partout nicht trennen.

Sprechende Namen

Es gibt noch etwas, was die Russen heute mit der Revolutionszeit verbindet: ihre Namen. Etwa Welior (abgekürzt für „großer Lenin und Oktoberrevolution“) oder Marlen (Marx und Lenin). Nach der Machtergreifung durch die Bolschewiken 1917 hatten viele jungen Eltern keine bessere Idee, als den kommunistischen Triumph in ihren Kindern zu verewigen. Statt Andrejs und Olgas lagen in den Wiegen Ninels (Lenin umgedreht) und Swobodas (Freiheit). Neugeborene wurden auf Versammlungen per Abstimmung getauft. So kamen die Erlenas (Ära Lenins) auf die Welt, später die Luigis (Lenin ist tot, aber sein Werk lebt weiter), die von Staltoren (Stalin triumphiert) abgelöst wurden.

Traktor und Elektrostahl

Als das Land modernisiert wurde, nannten die Eltern ihre Jungen Traktor und ihre Mädchen Elektrostahl. Oder Gertruda populär – eine Abkürzung für „geroj truda“, Held der Arbeit. Zurzeit ist in Russland der alte Name Wladimir beliebt. Schafft es der Kremlchef, sein Land wieder in eine Weltmacht zu verwandeln, könnte es irgendwann einmal kleine Wladiputs oder Putimols (Prachtkerl Putin) geben.