Himmlisch geht es mitunter auf den Bildern von Hans Thoma zu - so wie auf dieser "Engelswolke" aus dem Jahr 1876. Das Ölgemälde ist eine Dauerleihgabe der Bundesrepublik Deutschland an das Hans-Thoma-Kunstmuseum in Bernau.

Ausstellung in Baden-Baden

Hans Thoma war mehr als nur ein Maler von Idyllen

Ein alter Herr mit weißem Wallebart empfängt das Publikum der jüngsten Ausstellung im Baden-Badener Museum LA 8. Mild und gütig blickt er drein, doch es scheiden sich an ihm aufs heftigste die Geister. Hans Thoma (1839 bis 1924), dessen Selbstporträts den Besuchern mehrfach begegnen, hat unter Kunsthistorikern manche Kontroverse ausgelöst. Steht er doch in dem Ruf, ein verknöcherter, rückwärtsgewandter Heimatnostalgiker gewesen zu sein, ein Hemmschuh auf Badens Weg in die Moderne. Und berief sich nicht sein Schüler Hans Adolf Bühler (1877 bis 1951) auf ihn – ebenjener Bühler, der eine der ersten nationalsozialistischen Hetzjagden auf die als „entartet“ diffamierte neue Kunst inszenierte? Andererseits, und das wird viel zu oft übersehen, war Thoma selbst ein Neuerer, einer der sich nicht einfach dem Zeitgeschmack anpasste.

Gegen politisch verengtes Image

Thoma von dem völkischen Mehltau zu befreien, der sich durch die Interpretationen des lange in Heidelberg lehrenden Kunstgeschichtlers Henry Thode (1857 bis 1920) auf das Werk des Künstlers gelegt hat – das ist in etwa das Anliegen der sehenswerten Baden-Badener Ausstellung. Sie wendet sich „gegen die politisch verengte Vorstellung vom Idyllenmaler“, wie Matthias Wintzen, der Direktor des LA 8, gestern erklärte. Er und sein Kurator Philipp Kuhn wollen vor allem eins: die Werke für sich sprechen lassen.

Nähe zur Natur

Die  Nähe zur Natur war Thoma besonders wichtig, doch berücksichtigt die Baden-Badener Auswahl  auch andere Aspekte im Schaffen des Künstlers – etwa sein Engagement für die Karlsruher Majolika, das mit sehr schönen Beispielen belegt wird, oder seine Entwürfe für die sogenannten Brettstühle, mit deren Produktion die Großherzogliche Badische Regierung dem Niedergang des heimischen Handwerks entgegenwirken wollte. Da springen die Hasen im Dreieck, sagen sich Fuchs und Has’ herzlich Gute Nacht, und manches, was Thoma hier oder auf dem von ihm ausgiebig bedienten Gebiet der Druckgrafik hervorgebracht hat, kommt nun doch als Idylle daher. Aber Vorsicht: Wie oft ist da ein Moment des Unheimlichen, wie oft sind die Landschaften karg, die Gesichter der Portraitierten voller Ernst.

Lange Laufzeit

Die Ausstellung ist vom 23. September bis zum 4. März im Baden-Badener Museum LA 8, Lichtentaler Allee 8 zu sehen. Geöffnet: Dienstag bis Sonntag 11 bis 18 Uhr. – www.museum-la8.de