SHOWER-POWER: 55 Liter Wasser prasseln aus der Kopfbrause „Shower Heaven“ – pro Minute. Sie benötigt eine spezielle Wasserzufuhr und einen größeren Ablauf. | Foto: Huber

„Einmalige Aquademie“

Himmlisches (Probe-)Duschen bei Hansgrohe

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Saukalt ist es in Schiltach im Schwarzwald. Bei minus 7 Grad Celsius ist man gerne mal ein Warmduscher. Roman Passarge, Leiter der Hansgrohe-Aquademie, steht wie sein BNN-Besucher in Badeshorts da und dreht an den Wasserhähnen. „Unser Shower Heaven!“, sagt er stolz. „Dusch-Himmel“ – das passt. 55 Liter Wasser prasseln pro Minute allein von der knapp einen Quadratmeter großen Brause, die in die Decke integriert ist, herab. Zum Vergleich: In eine übliche Badewanne passen 140 Liter. Und dazu kommen noch die seitlichen Brausestrahlen. „Das findet sich in der Fünf-Sterne-Hotellerie, vor allem in Arabien und Asien“, erklärt Passarge. Der BNN-Redakteur steht drunter – und japst bei dieser Wasser-Dröhnung erst mal nach Luft. Doch schnell kommt der Genuss. Die Schultermuskeln lockern sich. „Sorry ihr Schiltacher, die ihr draußen jetzt Schnee schippt“, denkt er sich schnippisch. Für diese Dusche, die so groß ist wie ein kleines Bad, müssen spezielle Wasserleitungen verlegt werden. Nix mit Standard.

Besucher aus aller Welt in der Aquademie von Hansgrohe

70 000 Besucher kommen nach Passarges Worten pro Jahr nach Schiltach in die Aquademie samt Ausstellung und Museum, die in dieser Art in der Bundesrepublik einmalig sei. Zur Hälfte sind es Fachbesucher, von Australien bis Amerika. Die andere Hälfte sind Endverbraucher aus Baden-Württemberg. „8 500 der Besucher duschen auch bei uns.“ Das ist gratis für eine Stunde, nach Anmeldung. Nur Badehose und Bikini müssen die Besucher mitbringen. Bademantel, Badelatschen, Shampoo und Handtücher stellt Hansgrohe bereit. 40 verschiedene Duscherlebnisse verspricht Passarge im wohl größten Badezimmer Deutschlands.

Soundtechnik für Brausen

Vom „Shower Heaven“ führt der Shower-Man unter die „Lamp Shower“. Kein Witz: Eine Leuchte ist Teil dieser Dusche, die wie ein Lampenschirm aussieht. Die Wasserstrahlen schießen seitlich heraus und vereinen sich über dem Kopf. Das wäre schon klasse für zu Hause, wäre da nicht ein Problemchen: Dann kämen die Kinder gar nicht mehr aus der Dusche heraus …
Und weiter heißt es: Wasser marsch! Es fließt, strömt, flutet, plätschert, prasselt und perlt. Mit viel Luft drin, mit wenig, als Schwallbrause wie im Thermalbad oder ganz soft, fast wie eine Streichelmassage. Mono, Whirl, Air, Rain und Schwall heißen die Strahlarten. Bis zu fünf verschiedene bietet eine Kopf-Handbrausen-Kombi. Und die Geräusche erst, so unterschiedlich, wie sie sind. „Jetzt fängt man in der Tat an, die Brausen soundtechnisch zu bearbeiten“, bestätigt Fachmann Passarge. Von den Autobauern kennt man das ja. Fehlt bloß noch ein Duftmarketing – feine Gerüche, die aus der Dusche kommen.
Manche Brausen sind höhenverstellbar, eine sieht aus wie ein umgedrehter Trichter. „Sie spricht mit ihrem Retro-Industrie-Design vor allem Frauen an“, sagt Passarge. Teils prasselt das Wasser bequem per Knopfdruck.

Museum zeigt Bäder aus verschiedenen Epochen

Passarge redet von Sportduschern oder Genussduschern – und was ist er? „Das hängt von meiner Tagesform ab“, meint er und steht unter eine wahrhaft königliche Dusche. 350 Zentimeter Durchmesser hat das Teil an der Decke. Das Wörtchen „Royal-Dusche“ kommt nicht von ungefähr. Schließlich stattet der Schiltacher Sanitär-Spezialist auch stattliche Königshäuser aus.
Nach einer Stunde ist Passarge wieder abgetrocknet und steht im Sakko da. Teil der Aquademie ist auch das „Museum zur Geschichte des privaten Bades“. Bevor die Deutschen neudeutsch von Wellness und Shower sprachen, gab’s wenig Luxus. Der Besucher kann ein nachgebautes Bad aus den 1920er Jahren betreten. Mit Schwengelpumpe, Zinkbadewanne, in der auch geschlachtet wurde, und kleinem Heizkessel. Sogar ein Stück Kernseife liegt auf dem Reibebrett. Da fehlt jeglicher Luxus. Selbst die Deckenhöhe – unter 1,90 Meter – ist aus dieser Zeit.

Ein schrilles Bad aus „Miami Vice“-Zeiten

Dann weiter in ein Bad aus den 60er Jahren mit schwarzen Fliesen und blauer Keramik. Oder die 70er. Orangene Fliesen mit Blumenmuster. Flower-Power. Glasbausteine. Herrlich wie die Duschkabine beim Zuschieben ratscht.
Knallig rot ist das Bad aus den 80ern, was im Halogenlicht noch mehr auffällt. Es war die Zeit der Kultserie „Miami Vice“, auch mit irre schrillen Farben. In den 90ern ließen sich die Bad-Designer von der Natur inspirieren: Holzfußboden, gekalkte Wände.
Déjà-vu für Erwachsene und Aha-Erlebnisse für Kinder zeigt auch die Ausstellung „Meilensteine“. Alte Telefone, Atari-Computer, Pustefix und Agfa-Musikkassetten sind zu Sanitärzubehör aus der jeweiligen Zeit ausgestellt – wie die Brausestange, die Hans Grohe 1953 erfunden hat, oder die erste Brause mit verstellbarem Brausestrahl von Klaus Grohe aus dem Jahr 1968. Das war damals Luxus, so wie heute der „Shower Heaven“.

Die 2 000 Quadratmeter große Hansgrohe-Aquademie in der Auestraße 9 in Schiltach ist montags bis freitags von 7.30 bis 19 Uhr geöffnet, am Wochenende von 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist frei, ebenso für die „Shower World“, für die man sich im Voraus anmelden muss. Telefon (0 78 36) 51 32 72. Sport-Vereine etwa können alternativ auch anfragen, ob einer der Dusch-Trucks mit jeweils 20 Duschplätzen bei ihnen vorbei schaut. Auch in ihnen ist Testduschen möglich.