Ungewisse Zukunft: Das Landratsamt beanstandet die Wasserqualität aus dem Brunnen des Clubhauses der Hundefreunde. Sollte der Verein keine Filter einbauen, droht die Schließung.

Hundefreunde Freistett besorgt

Hohe Eisen- und Manganwerte im Trinkwasser

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Stehen die Hundefreunde Freistett vor dem Aus? Wegen einer Neufassung der Trinkwasserverordnung im Jahr 2013 sind die Grenzwerte für Eisen und Mangan im Wasser aus dem Brunnen des Vereinsheims zu hoch (siehe Hintergrund). Die Auflage des Amts für Wasserwirtschaft: die Installation einer Wasseraufbereitungsanlage bis zum 18. November. Sonst werden die Leitungen verplombt. Die Konsequenz: weder Trinkwasser für die Vierbeiner, noch Wasser für Toilette und Küche. Die Hundefreunde sind verpflichtet, als Inhaber eines dezentralen Wasserwerks in ihrem der Öffentlichkeit zugänglichen Vereinsheim jederzeit Trinkwasser anzubieten. Das Gelände befindet sich außerhalb des Wassernetzes der Stadtwerke. „Ohne Spenden können wir keine Filteranlage installieren“, erklärt Vereinsvorsitzender Daniel Sauer auf ABB-Anfrage. Insgesamt 13.700 Euro kostet eine Aufbereitungsanlage. Die Stadt Rheinau wird nach einem Beschluss des Gemeinderats 4.300 Euro beisteuern (der ABB berichtete).

 

Das kleine Wasserwerk im Vereinsheim der Hundefreunde Freistett. | Foto: red

Neben einer Trinkwasseraufbereitung wären für den Verein weitere Optionen theoretisch möglich, so Sauer. In der Praxis seien sie indes zu teuer. Bei einem Anschluss an das kommunale Wasserwerk müssten zunächst mehrere Kilometer lange Rohre vergraben werden. Zusätzliche Kosten würden durch eine obligatorische Rückspülautomatik entstehen. Sie soll verhindern, dass sich in den langen Rohren Bakterien durch stehendes Wasser bilden. Die Anlieferung mit Wasser in Tanks wäre wegen langer Anfahrtswege vom Baden Airpark ebenfalls problematisch. Eine gemeinsame Filteranlage mit benachbarten Landwirtschaftsbetrieben, wie mit der Silber-Ranch, wäre für die Hundefreunde ebenfalls zu teuer und aufwendig. „Wir müssten zunächst eine Leitung unter der Landesstraße verlegen lassen“, erklärt Sauer.
Ein tieferer Brunnen? „Mehr als 21 Meter sind nicht möglich, da sich unter dem Gelände der Hundefreunde eine Pipeline befindet“, sagt Sauer. Er schlägt Alarm: Wenn die Spenden nicht ausreichten, sei der Fortbestand des Vereins gefährdet. „Einen Plan B haben wir noch nicht“, räumt Sauer ein. Er hoffe, dass sein 84 Mitglieder umfassender Verein insgesamt 9 400 Euro rechtzeitig aufbringen werde. Die Hundefreunde haben keine Rücklagen, da sie ihre Vereinsstätte 2009 neu bauten.

Auch Angelverein Linx war betroffen

Zugleich sei es laut Sauer schon immer bekannt gewesen, dass das Grundwasser um Freistett hohe Eisen- und Manganwerte aufweist. „Bis 2013 war dies kein Problem“, meint Sauer. „Und bei der Renovierungsaktion war noch nicht klar, dass die Grenzwerte zwei Jahre später verschärft werden.“
Auch das Heim des Angelvereins Linx ist von hohen Eisen- und Manganwerten im Trinkwasser betroffen. Mit einem benachbarten Landwirt betreiben die Angler deshalb eine gemeinsame Filteranlage.
Die Anwohner der Hinterwaldsiedlung sind seit vier Jahren am Wassernetz von Wagshurst angeschlossen. „Auf die Änderung der Trinkwasserverordnung hatten wir damals sofort reagiert und in Eigenarbeit Wasserleitungen verlegt“, so Landwirt Rolf Beik.

Hoher Eisen- und Mangangehalt im Boden ist  ein generelles Problem

Die Stadtwerke Rheinau haben ihre beiden Wasserwerke „Korkerwald“ und „Hanauerland“ mit Filteranlagen ausgestattet. „Ein hoher Eisen- und Mangangehalt im Boden ist in der Oberrheinebene ein generelles Problem“, erklärt Manfred Kreß, Wassermeister der Stadtwerke Rheinau. Nitrat durch landwirtschaftliche Gülle sei indes „kein großes Thema“. In dem von landwirtschaftlicher Nutzfläche abgelegenen Wasserwerk „Korkerwald“ befinden sich nach Angaben von Kreß 0,2 Milligramm pro Liter im Trinkwasser, im Werk „Hanauerland“ sind es 15 Milligramm. Der aktuelle Grenzwert liegt bei 50 Milligramm pro Liter.

Wer die Hundefreunde unterstützen will, kann auf folgendes Konto Geld überweisen: Hundefreunde Freistett, IBAN: DE 84 6645 1862 0006 2755 82, Stichwort „Wasser“.

Eisen und Mangan sind zwei Rohstoffe, die fest oder gelöst in verschiedenen Bodenschichten enthalten sind. Sie lagern sich in das Grundwasser ab. Eisen entsteht auch, wenn Rohre rosten. Normal dosiert sind die Spurenelemente nach Angaben des Landratsamts nicht gesundheitsgefährdend für Menschen. Der aktuelle Grenzwert der Trinkwasserverordnung liegt bei 0,2 Milligramm pro Liter und bei Mangan 0,05 Milligramm je Liter. In der Vereinsheimküche der Hundefreunde hat die Firma Schwarzwaldwasser-Labor am 29. Mai 2015 3,7 Milligram Eisen je Liter gemessen und 0,30 Milligramm Mangan pro Liter. chs