Sie leitete bis 1993 die Städtische Galerie Karlsruhe. Die Kunsthistorikerin Helga Walter-Dressler. Immer noch ist die 90-jährige sehr informiert über das Kulturgeschehen. Sie töpfert und reist gern - und blickt humorvoll auf ihre Arbeit zurück. | Foto: lie

Helga Walter-Dressler (90)

Humorvoll optimistisch

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Sie hat die „Lissy“ nach Karlsruhe geholt. Jene verrucht blickende, blonde Frau im Pelz, gemalt von Karl Hubbuch um 1930. Das Bild „Lissy im Café“ ist eine Ikone der Städtischen Galerie, vielfach verwendet in Ausstellungsplakaten. Helga Walter-Dressler entdeckte das Meisterwerk bei einem Kunsthändler in Köln. „Ich konnte es nicht gleich selbst kaufen bei der Summe. Reservieren wolle es der Händler nicht“, erinnert sich die frühere Direktorin der Städtischen Galerie. „Als dann auch der Bürgermeister überzeugt war, dass wir das haben müssen, bin ich sehr, sehr froh gewesen, dass es noch hing in Köln.“

Humorvolle Erinnerungen

90 Jahre alt ist Frau Walter-Dressler im August geworden. Wenn sie in ihrer Wohnung im Wohnstift Rüppurr die Lissy-Geschichte erzählt, von ihrer Doktorarbeit über den Renaissance-Bildhauer Collin oder über einige von 50 Ausstellungen im Prinz-Max-Palais 1981 bis 1993 – dann meint man, sie sei gerade mitten dabei, Projekte zu verwirklichen. Präzise, anschaulich, humorvoll blickt die seit 2002 verwitwete Seniorin aufs Berufsleben zurück. Spät fand sie zur Leidenschaft Kunstgeschichte, weil die Währungsreform 1948 ihre Familie um alle Ersparnisse brachte und sie eine Arbeit bei G. Braun aufnehmen musste. Sie brachte es weit im Verlag und konnte doch noch in München und Freiburg studieren.

Mit den Kunstsammlungen ins Prinz Max Palais

Die Kunsthistorikerin erhielt eine Stelle bei den Kunstsammlungen Karlsruhe, wurde deren Leiterin und schließlich Direktorin der neuen Galerie. „Die Holomedia 1986 mit Lichtobjekten und Computergrafik hatte 70 000 Besucher“, ist Walter-Dressler stolz auf eine Schau, die wie eine Vorausdeutung auf ZKM-Programme anmutet. Der Umzug der „Städtischen“ in ihr heutiges Domizil neben das ZKM fiel mit Walter-Dresslers Ruhestand zusammen. Sie wohnte mit ihrem Mann weiter in Grötzingen.

Sie töpfert und reist gern

Als er starb, zog sie ins Wohnstift. Auf ihrer Fensterbank stehen neue Werke des Lebens mit viel Kunst – kleine, fein gestaltete Keramik-Köpfe. „Nach meinen Zeichnungen selbst geformt im Atelier von Künstlerin Sabine Classen in Grötzingen“. Eine Freundin sorgt für die wöchentliche Fahrt dorthin. Einmal im Jahr steigt Walter-Dressler noch in einen Flieger, nimmt ihren Rollator mit und besucht ihre Schwester in Edinburgh in Schottland. Gemeinsam genießen sie dort ein großes Kulturfestival.
An Sonntagen gehört ein evangelischer Gottesdienst ebenso zum Programm wie der „Presseclub“ in der ARD – „wenn Jörg Schönenborn moderiert, nur er stellt die richtigen Fragen.“ Apropos: Eine wichtige Frage ist zu klären. Wie bleibt man mit 90 so fit?: „Viel Umgang mit jüngeren Menschen, optimistisch sein und einen Schutzengel in heiklen Situationen haben.“

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Geboren wurde Helga Walter-Dressler 1928 in Karlsruhe. Sie wuchs in Berlin auf, wurde aber im Zweiten Weltkrieg evakuiert. In Durlach legte sie 1948 das Abitur ab. Die Währungsreform führte dazu, dass die Ersparnisse der Familie weg waren und sie nicht wie gewünscht Geschichte und Germanistik studieren konnte. Sie arbeitete elf Jahre im G. Braun-Verlag und  konnte dann ein Studium von Archäologie und Kunstgeschichte aufnehmen. Nach Abschluss mit dem Doktortitel kam sie zum Kulturamt Karlsruhe und war von 1971 bis 1993 Leiterin der Städtischen Kunstsammlungen und der Galerie, die 1981 ins Prinz-Max-Palais einziehen konnte.   Sie war mit dem Ingenieur Helmut Walter verheiratet, der 2002 verstarb. Heute ist ihr Zuhause im Wohnstift Rüppurr.