Noch bis zum 14. Mai 2017 in Karlsruhe: der Circus Flic Flac. Vor dem Gastspiel im August 2015 durchbrach eine junge Frau mit einem Auto den Flic-Flc-Zaun und krachte in den Wohnwagen des damaligen Betriebsleiters. | Foto: Bernd Kamleitner

Erinnerung an Unfall

„Ich wusste nicht, ob ich oben oder unten bin“

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Zirkusmann wurde aus dem Bett katapultiert

Den Tag wird Uwe Struck wohl nie mehr vergessen: Sonntag, 9. August 2015, gegen 3.20 Uhr in Karlsruhe. Der damals 34-Jährige wird regelrecht aus seinem Bett katapultiert. Nach einem ohrenbetäubenden Knall weiß er zunächst nicht mehr, „ob ich oben oder unten bin“. So erinnert er sich an besagte Nacht in seinem Wohnwagen, der seinerzeit auf dem Messplatz an der Durlacher Allee stand. Struck hat Glück im Unglück: Eine Platzwunde und Prellungen werden im Krankenhaus behandelt.

Junge Frau krachte mit Auto in den Wohnwagen

Was war geschehen? Bei einem nächtlichen Fahrmanöver in Begleitung eines angetrunkenen Mannes aus Ettlingen war eine 21-Jährige aus Karlsruhe mit einem Audi A3 durch Absperrgitter des Circus Flic Flac gerast und frontal gegen den Wohnwagen des damaligen Zirkusbetriebsleiter gekracht. Die junge Frau – wie ihr Beifahrer nicht im Besitz eines Führerscheins – hatte das Gaspedal mit der Bremse verwechselt, wie die Karlsruher Polizei damals mitteilte. Die Meldung der Ordnungshüter zu dem spektakulären Unfall in der Fächerstadt machte bundesweit Schlagzeilen.

Den 9. August 2015 in Karlsruhe wird Flic-Flac-Geschäftsführer Uwe Struck wohl nie vergessen. An diesem Tag krachte eine junge Frau mit ihrem Wagen in Karlsruhe in seinen Wohnwagen. | Foto: Andrea Fabry

Insgesamt wurden durch die Wucht des Aufpralls drei Zirkus-Campingwagen aufeinander geschoben. Schaden: über 100 000 Euro. Weil Gas aus Campinggasflaschen strömte, war die Feuerwehr im Einsatz. Auch die Stadtwerke mussten anrücken: Ein Stromverteilerkasten wurde ebenfalls beschädigt.

Ich habe noch immer das Gefühl, es könnte jemand in meinen Wohnwagen fahren

Mai 2017: Uwe Struck ist mit dem Circus Flic Flac bis zum 14. Mai zurück in Karlsruhe. Die Schmerzen wegen eines ausgerenkten Kiefers infolge des Unfalls im August 2015 plagten ihn noch einige Wochen danach, die Erinnerung an den Crash ist aber noch so frisch wie ein Brötchen vom Bäcker. „Ich habe noch immer das Gefühl, es könnte jemand in meinen Wohnwagen fahren“, erzählt Struck.

Der damalige Flic-Flac-Betriebsleiter ist inzwischen Geschäftsführer des Unterhaltungsunternehmens. In dieser Funktion ist er stets als Erster am nächsten Gastspielort des Zirkusses, der generell mit spektakulären Darbietungen wirbt – allerdings werden diese ansonsten nur im schwarz-gelben Zelt von den Artisten geboten.

Spektakuläre Nummer im Regen: Jenny und Daniil bestreiten das Finale beim „Best of“-Programm von Flic Flac. | Foto: andrea Fabry

Auch in der letzten Aprilwoche, als der Flic-Flac-Tross vom Zirkusheimatort Borken im Münsterland ins rund 430 Kilometer entfernte Karlsruhe umzog, war Struck der erste Flic-Flac-Mann in der Fächerstadt. Er ist vor allem für den Transport des Zirkus-Equipments auf 67 Lastern, den Aufbau der Zirkusstadt und als Zeltmeister für das Zirkuszelt sowie für Strom- und Wasseranschlüsse verantwortlich. 14-mal pro Jahr wiederholt sich das Auf- und Abbauritual.

 

Einer der Höhepunkte im schwarz-gelben Flic-Flac-Zelt: die dreifache Pyramide auf dem Drahtseil. | Foto: Andrea Fabry

In Karlsruhe parkte Struck seinen Wohnwagen auf dem Messplatz vorsorglich in der Nachbarschaft einer Holzkonstruktion, die einen gewissen Schutz vor ungebetenen Gästen auf Rädern verspricht. Die erste Nacht am neuen Ort schlafe er aber noch immer schlecht. Und: „Sobald ich nachts im Wohnwagen Autogeräusche höre, bin ich hellwach“, erzählt der gelernte Maler und Lackierer, der sich einst in der evangelischen Jugendarbeit engagierte und dort erste Erfahrungen mit der Organisation von Veranstaltungen sammelte.

Über eine Zirkus- und Eventagentur kam der ehemalige Küster vor viereinhalb Jahren zu Flic Flac – zunächst als Produktionsleiter für zwei Weihnachtszirkusse. Dann wurde er Betriebsleiter, jetzt ist er Geschäftsführer. An ein Artistendasein hat Struck aber nie gedacht. „Meins ist das Organisieren“, sagt der Mann, der lieber im Hintergrund wirkt.

Struck drückt dem MSV Duisburg die Daumen

Als Fan und Dauerkarteninhaber des derzeitigen Fußball-Drittligisten MSV Duisburg war Struck in der Vergangenheit übrigens schon mehrfach im Wildparkstadion in Karlsruhe. Eine Begegnung seiner Zebras gegen die Blau-Weißen ist aber derzeit nicht in Sicht: Duisburg ist als Tabellenführer der Dritten Liga auf dem Weg zurück in die Zweite Liga – die muss der KSC nach einer miserablen Saison bekanntlich verlassen.

Wie man als Fußballfan in einer solchen Situation leidet, das kann Struck mitfühlen. Bei Karlsruhe denkt er aber seit fast zwei Jahren nicht mehr vorrangig an den KSC …