Kinderkram
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Neues aus dem Elternleben

Im ideologischen Strudel

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Demokratie, sagt man, ist die Beste aller Staatsformen. Aber stimmt das? Und wie fühlen sich andere Formen der Herrschaft an? Wer schon immer die Bandbreite der politischen Möglichkeiten am eigenen Leib erleben wollte, dem sei eine Familiengründung ans Herz gelegt. Denn kommt ein Kind ins Spiel, werden die Machtverhältnisse häufig und radikal geändert. Ein ideologischer Strudel, auf den niemand einen vorbereiten kann.

Radikaler Wandel

Es geht schon bei der Geburt los. Kaum ist diese vorüber, werden zwei Menschen, die zuvor (idealerweise) in einer utopischen Form der reinsten Demokratie gelebt haben, in völlige Anarchie gestürzt. Ob Tag- und Nachtzeiten oder Frequenz von Hygienehandlungen wie Duschen – nichts ist mehr garantiert, wenn es keine Herrscher mehr gibt. Der Chaoszustand hält nur sehr kurz an.

Spätestens nach sieben Tagen fällt auch dem letzten Utopisten auf: Ich lebe jetzt in einer Diktatur. Ein kleines und absurderweise völlig hilfloses Wesen ist nun der alleinige Herrscher über die Familie. Seine Macht lebt es autoritär durch Gebrüll aus. Sind die Eltern zu müde oder nervlich nicht in der Lage, dem entgegenzuwirken, kann die Machtausübung ins Totalitäre übergreifen, und aus zwei selbstbestimmten Menschen zwei leere, gleichgeschaltete Hüllen machen.

Phase der Despotie

Ist das Babyalter vorbei, folgt eine Phase der Despotie. Ein paar Monate lang herrscht der kleine Mensch mittels wohlplatzierter Wutanfälle und Verweigerungsmaßnahmen durch Tyrannei und Willkür.

Dies endet erst, wenn die Eltern den Despoten in einem schwachen Moment übertrumpfen und sich selbst zum König und Königin der Familie krönen. Unter der Haube der Monarchie geht es dann einige Zeit weiter – immer wieder unterbrochen von subversiven, aber erfolglosen Revolutionsbestrebungen von Seiten des Nachwuchses.

Hat man mehrere Kinder, schleicht sich nach einigen Jahren mehr oder weniger stabiler Herrschaft der Kommunismus ein. Diese Phase ist daran erkennbar, dass man mindestens ein Mal täglich Grundsatzdiskussionen über Gerechtigkeit führen muss und Gummibärchen genau abzählt, damit jedes Kind die exakt selbe Anzahl bekommt. Eltern, die dem Kommunismus entkommen, schlagen sich derweil mit kleinen Oligarchen, Kleptokraten und Plutokraten herum.

So manche Mütter und Väter sehnen sich in diesen Zeiten nach der einstigen Demokratie. Doch eigentlich wissen alle: Wo jeder herrschen will, ist Demokratie zum Scheitern verurteilt.