Die Auswahl an Ratgebern zur Wahlentscheidung hat deutlich zugenommen. | Foto: Weiss

Hilfe für Unentschlossene

Im Netz gibt es ein großes Angebot zur Meinungsbildung

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Es gibt sie, die fest Entschlossenen, die Stammwähler – die genau wissen, wem sie bei der Bundestagswahl ihre Gunst erweisen. Dennoch: Zur Zeit geben laut ZDF-Politbarometer lediglich 63 Prozent aller Wahlberechtigten an, sicher zu sein, wen sie wählen wollen. Für alle noch unentschlossenen Wähler – und diejenigen, die ihre Meinung noch einmal überprüfen möchten – gibt es inzwischen zahlreiche Entscheidungshilfen im Netz. Die BNN stellen eine Auswahl der Ratgeber vor.

Der Klassiker

Der Wahl-O-Mat ist der Klassiker unter den Entscheidungshilfen. Das Frage-und-Antwort-Tool der Bundeszentrale für Politische Bildung (BpB) zeigt, welche Partei der eigenen politischen Position am nächsten steht. 38 Thesen können mit „stimme zu“, „stimme nicht zu“, „neutral“ oder „These überspringen“ beantwortet werden – alle Parteien können auf die gleiche Weise antworten. So können Nutzer die Antworten mit denen der Parteien abgeglichen, der Grad der Übereinstimmung wird errechnet. Nach Angaben der BpB ist der Wahl-O-Mat seit 2002 bei Bundestags-, Europa- sowie Landtagswahlen im Einsatz. Im aktuellen Wahlkampf nutzen ihn bereits 13,3 Millionen – so viele wie noch nie. Ähnlich funktioniert der Sozial-O-Mat der Diakonie Deutschland – mit zwölf Thesen zu den Themen Familie, Flucht, Pflege und Armut.

Abstimmungen unter der Lupe

Dein Wal ist zugeschnitten auf ein junges Publikum. Anders als der Wahl-O-Mat beruht die Auswertung nicht auf Thesen, sondern auf Entscheidungen der Politiker und ihrer Parteien. In einem Quiz aus 42 Fragen und zwölf Themengebieten können diese nachgespielt werden. Wie „Dein Wal“ mitteilt, beruhen die Fragen auf echten Abstimmungen im Bundestag der letzten Legislaturperiode. Sie können mit „Ja“, „Nein“, oder „Enthalten“ beantwortet werden oder unbeantwortet bleiben. Die Auswertung zeigt, welche Partei am häufigsten im Sinne des Nutzers abgestimmt hat. Das Manko: Vergleichen lässt sich die eigene Einstellung durch die Herangehensweise eben nur mit den Parteien, die in der vergangenen Legislaturperiode auch im Bundestag vertreten waren.

Wer hält, was er verspricht?

Das Projekt Wahlversprechen 2013, das von Journalisten und Entwicklern initiiert wurde, will die Glaubwürdigkeit der Politiker und Parteien darstellen. Das Blog untersucht, welche Wahlversprechen die Parteien in der Vergangenheit eingehalten haben. Aufgrund der Wahlprogramme, Aussagen aus dem Wahlkampf und zuletzt auch dem Koalitionsvertrag von 2013 ziehen die Macher Rückschlüsse. Die Versprechen werden auf der Seite in die Kategorien „gebrochen“, „gehalten,“ „Kompromiss“, „in Arbeit“, „blockiert“ oder „unbewertet“ unterteilt.

Musikalische Entscheidungshilfe

Zugegeben, der Musik-O-Mat dürfte für die wenigsten Unentschlossenen eine wirkliche Hilfe sein. Der Streamingdienst Deezer hat Union, SPD, Grüne und Linke nach Playlists mit 17 Songs – vom heimlichen Lieblingssong bis zum liebsten Partyhit – gefragt. Die AfD schloss Deezer dabei aus. Gestellt werden Fragen wie: „Was ist dein Lieblingssong“ oder „Welchen Song hörst du nur heimlich?“. Wer hätte gedacht, dass sich die CDU am ehesten mit „Pure Lust am Leben“ von Geier Sturzflug beschreibt oder sich auf gleich drei Playlists Andreas’ Bouranis „Auf uns“ wiederfindet? Überhaupt darf mit Blick auf die Angaben spekuliert werden: Träumt die SPD zum Rolling-Stones-Hit „Angie“ heimlich von einer erneuten Groko? Hoffen die Grünen zu „Don’t Stop Believing“ von Journey noch auf Platz drei? Auch wenn der Musik-O-Mat die vielleicht unpolitischste Entscheidungshilfe sein mag – Humor beweisen die Parteien mit ihren Antworten allemal.

Weitere Entscheidungshilfen und Kandidatenchecks gibt es etwa unter unter www.wahlradar.org, www.wahlswiper.de, www.abgeordnetenwatch.de oder www.informiert-waehlen.de.