DIE BRAUEREI-PFERDE Leila und Elle waren jedem Kinogänger ein Begriff und warben um 1970 mit einem Fuhrwerk für das Bier aus Rastatt. | Foto: pr

Brauerei Franz lag zweimal in Schutt und Asche

In 175 Jahren vielen Krisen getrotzt

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Vergeblich kämpften die Löschmannschaften: „Das verheerende Element hatte jedoch so rasch und mächtig um sich gegriffen, daß an eine Erhaltung dieses Gebäudes nicht zu denken war“, hieß es über einen Brand im Rastatter Wochenblatt, der am Abend des 22. Dezembers 1863 auf dem Gelände der Brauerei Franz ausgebrochen war. Bis auf die Umfassungsmauern brannte das Gebäude nieder, in den angrenzenden Lagern konnten wenigstens Früchte, Heu oder Stroh gerettet werden. Josef Franz, Gründer und Geschäftsführer der gleichnamigen Brauerei stand 21 Jahre nach der Gründung vor den Trümmern seiner Existenz. Erst vier Jahre später wagte der älteste Sohn Carl Franz den Wiederaufbau des Betriebs, der in diesem Jahr sein 175-jähriges Bestehen feiern kann und beim Neujahrsempfang der Stadt Rastatt am Freitag, 13. Januar, besonders gewürdigt wird.

Idee entstand im Hinterzimmer

Dabei ist die Geschichte des Traditionsunternehmens, von denen es in Rastatt nicht mehr viele gibt, nicht eben arm an Höhen und Tiefen: Die Idee zur Brauerei entstand anno 1842 im Hinterzimmer des Gasthaus „Zur Linde“ an der Badener Brücke. In vertraulichen Gesprächen mit dem Bierbrauer Becht entwickelte der geschäftstüchtige „Linden-Wirt“ die Idee für eine eigene Brauerei. Zwölf Jahre später war Franz Geschäftsführer, Becht schied aus dem Unternehmen aus und wurde durch den Wirt der Gaststätte „Zum Schlüssel“, Schleinluger, ersetzt. Nachdem Franz bei der Brauerei Kolb in der Engelstraße selber die Braumeisterprüfung abgelegt hatte, steigerte das Unternehmen trotz der starken Konkurrenz von 21 Brauereien und 70 Gasthäusern und dank 6 000 durstiger Soldaten in der Garnisonsstadt seine Produktion – bis zum verheerenden Großbrand.

Mit Verlust des Elsass geht Absatzgebiet flöten

Sohn Carl Franz fing mit einem Brauer sowie einem Kutscher mit Pferd und Wagen 1867 wieder von vorne an und konnte schon bald den Bierausstoß der Vorjahre toppen. Mit einem Neubau an der damaligen Karlsruher Straße wurde er 1869 der steigenden Kapazität gerecht: Allein 3 000 Liter Bier sollen bei der Einweihung des Neubaus von den Festteilnehmern getrunken worden sein. Nach dem gewonnenen deutsch-französischen Krieg 1870/71 und dem Anschluss Elsass-Lothringens wurde das Absatzgebiet für das Franz-Bier erheblich erweitert. Mit dem steigenden Ausstoß des Gerstensafts ging auch die Errichtung des Brauerei-Gebäudes an der Murg einher. Kurz vor dem Ersten Weltkrieg verlor die Brauerei Franz aber innerhalb von sieben Jahren alle männliche Nachkommen, bis 1915 Emil Wolf, ein Schwiegersohn von Carl Franz in die Geschäftsführung eintrat. Mit dem Verlust des Elsass ging der Brauerei ein wichtiges Absatzgebiet flöten.

1939 erreicht Umsatz neuen Höhepunkt

Um Geld in die Kasse zu bekommen, wurden einige Grundstücke der Brauerei verkauft, mit der Karlsruher Brauerei Schrempp-Printz ging der Betrieb eine Partnerschaft ein, so dass es nach 1923 unter Heinrich Ketterer – einem Urenkel des Gründers Josef Franz – wieder bergauf ging. 1939 erreichte der Umsatz einen neuen Höhepunkt.

Bombenhagel über Brauereigelände

Bomben und Granaten legten am 7. Januar 1945 die Brauereigebäude erneut in Schutt und Asche. Neben dem Verwaltungs- und Betriebsgebäude wurde auch die Carl-Franz-Halle in der Gaststätte zum „Markgraf Ludwig Wilhelm“ (heute „Türkenlouis“) zerstört.

 NUR NOCH TRÜMMER war das Brauereigebäude nach einem Bombenangriff im Januar 1945.
NUR NOCH TRÜMMER war das Brauereigebäude nach einem Bombenangriff im Januar 1945. | Foto: BNN

Auf etwa zwei Millionen Mark beliefen sich die Kriegsschäden. Mit dem Tod des langjährigen Direktors Heinrich Ketterer im gleichen Jahr stand die Zukunft der Brauerei in den Sternen.

Wiederaufbau im Stil der Jahrhundertwende

Nach der Beseitigung der Trümmer begann 1947 zaghaft wieder die Bierproduktion. Noch brauchbare Maschinen wurden repariert, alte Dampf- und Kühlmaschinen wieder betriebsfähig gemacht. Nach den Plänen des Karlsruher Architekten Rolf Lettermann und unter der Leitung von Herbert Uhl wurde mit dem Wiederaufbau begonnen. Das Gebäude wurde im Stil der industriellen Architektur der Jahrhundertwende wieder errichtet – 1977 führte die Zeitschrift „Stern“ das Brauereigebäude sogar als eines der „Industriedenkmäler der BRD“ an. Im Jahr 1966 schließlich erreichte die Brauerei Franz den höchsten Bier-Ausstoß seit ihrer Gründung, wie es stolz in der Chronik zum 125-jährigen Bestehen hieß.

Branchensterben getrotzt

Zum 150-jährigen Bestehen im Jahr 1992 bildeten 44 eigene Gaststätten eine solide Grundlage für die Brauerei: 65 Prozent des Gerstensafts kamen zu dieser Zeit aus dem Fass, nur 35 Prozent des Bieres wurden in Flaschen abgefüllt. Trotz des stetig zurückgehenden Bierkonsums und bundesweiten Sterbens vieler kleiner und mittelständischer Brauereien in den 1990er Jahren konnte sich die Brauerei Franz unter der Leitung des langjährigen Geschäftsführer Reinhold Fiedler halten.
2014 gehörten dem Unternehmen noch 30 Gasthäuser. 22 Mitarbeiter brauten insgesamt 12 000 Hektoliter Bier, die in der zwischenzeitlich computergesteuerten Flaschen- und Abfüllanlage verarbeitet wurden.

Scheidtweiler-Gruppe übernimmt 2014

Mit den Ruhestands-Plänen von Fiedler, der 50 Jahre zuvor als Stift in der Firma begonnen hatte, drohte 2014 das Aus für die Brauerei Franz. Ende 2014 sprang die Pforzheimer Scheidtweiler-Gruppe in die Bresche und kaufte das Rastatter Traditionsunternehmen.