Piktogramm an der Bahntür
Krippenwagen erlaubt: Piktogramme an den dritten und vierten Türen des Fahrzeugtyps NET2012 weisen auf Stellplätze für die Kinderkutschen hin. | Foto: jodo

VBK verkünden Kompromiss

In den neuen Bahnen darf der Krippenwagen wieder mit

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Im Konflikt um Krippenwagen in öffentlichen Verkehrsmitteln gibt es einen ersten Kompromiss: In der neuesten Karlsruher Straßenbahn-Generation des Typs NET2012 dürfen die Kutschen, die sechs Kleinkindern Platz bieten, ab sofort wieder an Bord. Allerdings nur unter der Woche zwischen 9 und 15 Uhr. „Wir haben viel diskutiert und die Mitnahme in den verschiedenen Bahntypen getestet“, erklärt Alexander Pischon, Geschäftsführer der Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK). Die neuen Bahnen, von denen aktuell 45 im Stadtgebiet eingesetzt sind, böten mit ihren großen Mehrzweckflächen ausreichend Platz: Zum einen für je einen Krippenwagen in den Bereichen bei der dritten und vierten Tür, die nun mit einem Piktogramm gekennzeichnet sind. Zum anderen aber auch für die anderen Fahrgäste, die diese Stellen weiterhin ohne Einschränkung passieren können.

Krippenwagen im Bahntyp NET2012
Zwischen die Haltestangen in den Bahnen des Typs NET2012 passt ein Krippenwagen für sechs Kinder, demonstriert VBK-Betriebsleiter Ralf Messerschmidt. Andere Fahrgäste können den Bereich ohne Einschränkungen passieren. | Foto: jodo

Sicherheitsbedenken führten zum Verbot

Fahrgäste, die sich eingeengt fühlten, hatten sich beschwert und Sicherheitsbedenken geäußert, schilderte Pischon, wie es zu dem Generalverbot kam. Das er nach dem Vorbild anderer Verkehrsunternehmen, aber doch „unbedarft“ unterschrieben habe. Die Folgen sind bekannt: Über die Verkehrsbetriebe schwappte eine Welle der Empörung, es gab eine Demonstration und eine online-Petition. Aber jederzeit auch konstruktive Gespräche, wie Kinderbüro-Leiter Jonas Nees unterstreicht. Und sich nun mit der Lösung zufrieden zeigt.

Etwa 300 Krippenwagen im Einsatz

Etwa 300 Krippenwagen sind im Stadtgebiet im Einsatz, schätzt Nees. Kitas nutzen sie ebenso wie Tagesmütter für Ausflüge mit den Jüngsten, die noch nicht so gut zu Fuß sind. Jede Woche etwa ist eine Gruppe der „Sie-Kids“ der AWO-Kita „Villa Pusteblume“ in Knielingen auf Tour, schildert Elternbeirätin Sabine Heiber. In den Zoo oder ein Museum geht es beispielsweise – und das Verbot habe schon eine große Einschränkung bedeutet. Weshalb Sabine Heiber letztlich die Petition initiierte.

Ziel sollte ein flächendeckendes Angebot sein

Zufrieden zeigen sich auch die VBK-Aufsichtsratsmitglieder mit der gefundenen Lösung, betont Johannes Honné, Fraktionschef der Grünen im Gemeinderat. Peter Koch vom Gesamtelternbeirat Karlsruher Kindertageseinrichtungen geht der Kompromiss aber noch nicht weit genug: „Ziel sollte ein flächendeckendes Angebot sein“, findet er. Geprüft werde eine Umrüstung der älteren Niederflurmodelle des Typs GT, verspricht Pischon. Werden dort Sitze entfernt, brauche man dafür aber eine neue Zulassung. Deshalb sei aktuell auf den Linien 5 und 6 kein Transport von Krippenwagen möglich. Die neuen Trams fahren dort nicht.

Hilfe bei der Planung, aber keine Reservierung

Auf 75 der 120 in Karlsruhe eingesetzten Bahnen werden die NET2012 sukzessive aufgestockt, erklärt Betriebsleiter Ralf Messerschmidt. Wann eine NET2012 im Einsatz ist, könnten Nutzer am Fahrtag im VBK-Callcenter  unter der Telefonnummer 61 07-58 85 erfragen, den Platz aber nicht reservieren.

Konkurrenz durch andere Kinderwagen und Fahrräder

Während Rollstuhlfahrer eher die Flächen an den beiden vorderen Türen nutzen, gibt es an den Krippenwagen-tauglichen Stellen Konkurrenz durch andere Kinderwagen und Fahrräder, weiß Messerschmidt. Bevorrechtigt sei niemand. Weiterhin draußen bleiben müssen Krippenwagen, die länger als 1,75 Meter und breiter als 0,80 Meter sind. Denn sie passen nicht längs in Fahrtrichtung zwischen die beiden Haltestangen. Diese aber verhindern, dass sich Kinderkutschen ungewollt in Bewegung setzen, so der Betriebsleiter.

Hier gibt es weitere Infos zur Mitnahme der Krippenwagen in den Bahnen.

Und hier gibt es Informationen zur Petition