EINEN BLICK AUF DIE ÜBERSCHULDUNG in Deutschland warf die Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Das Ergebnis: Zum vierten Mal in Folge stieg die Zahl der überschuldeten Privatpersonen. | Foto: dpa

Schuldneratlas veröffentlicht

Jeder Zehnte ist überschuldet

Anzeige

Der Arbeitsmarkt zeigt sich stabil, die Verbraucher präsentieren sich schon seit einiger Zeit kräftig in Konsumlaune und die Unternehmen haben ebenfalls keinen Grund zum Klagen. Wer deshalb von einer heilen Welt in Deutschland ausgeht, wird vom neuen Schuldneratlas eines Besseren belehrt. Bereits zum vierten Mal in Folge ist die Überschuldung von Privatpersonen in Deutschland angestiegen. Für die gesamte Bundesrepublik verzeichnete Creditreform, die Wirtschaftsauskunftei fertigt den Schuldneratlas, zum Stichtag 1. Oktober 2017 eine Überschuldungsquote von 10,4 Prozent. „Somit sind 6,9 Millionen Bürger über 18 Jahre überschuldet und weisen nachhaltige Zahlungsstörungen auf“, teilt Creditreform mit – 65 000 Personen mehr als 2016.

Pforzheim als Schlusslicht

In der Technologieregion Karlsruhe fällt die Überschuldungsquote mit 8,23 Prozent etwas kleiner aus als auf Bundesebene. Schlusslicht der Region bleibt Pforzheim (14,8 Prozent). Besonders betroffen sind laut Creditreform dort die Innen- und die Weststadt, wo bereits jeder Fünfte seine Verbindlichkeiten mit den laufenden Einnahmen nicht mehr decken könne. Generell ist festzustellen, dass eine hohe Überschuldungsquote vor allem in Städten auftaucht. In ländlicheren Gegenden ist dies eher die Ausnahme. Deutlich wird dies etwa an Karlsruhe. Im Stadtkreis liegt die Quote bei 9,51 Prozent, im Landkreis lediglich 7,74 Prozent. In beiden Gebieten wurde jedoch ein Anstieg um etwa 0,4 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet. Das Gefälle zwischen Stadt und Landkreis spiegelt sich auch am Beispiel Enzkreis wider. In der Umgebung von Pforzheim liegt die Überschuldungsquote nur bei 7,23 Prozent.

Besonders in den Ballungsräumen der Region ist die Überschuldungsquote hoch, wie unsere Grafik verdeutlicht. | Foto: BNN

Vor einer hohen Überschuldungsquote sind auch Städte mit einem vermeintlich hohen Anteil an wohlhabenden Einwohnern nicht sicher. Dies zeigt das Beispiel Baden-Baden. Die Stadt an der Oos kommt auf 10,2 Prozent und zählt damit eher zu den Verlierern in der Region. Besser schneidet der Ortenaukreis mit 8,39 Prozent ab. Noch weniger Probleme gibt es in Rastatt, das bei 7,73 Prozent landet. Unmittelbar neben der Residenzstadt liegt auch der regionale Spitzenreiter. Die Gemeinde Steinmauern kommt auf lediglich 5,13 Prozent.

Mittelschicht immer häufiger betroffen

Dass die Überschuldungsquote trotz der guten Konjunktur seit Jahren wächst, hat ganz unterschiedliche Ursachen. Die einen gönnen sich die überteuert feine Perlenkette für die Frau, obwohl sie sich diese nicht leisten können. Andere geraten in eine Schuldenfalle, weil unerwartete Ausgaben notwendig werden, etwa durch eine Erkrankung Angehöriger. Creditreform stellt jedoch generell fest, dass Überschuldung nicht mehr nur ein Problem von Bürgern mit geringem Einkommen ist. Vor allem die Mittelschicht habe inzwischen immer häufiger damit zu kämpfen. „Die neuen Fälle stammen aus der Mitte der Gesellschaft“, macht Creditreform in seiner am Donnerstag veröffentlichten Auswertung deutlich.

Zugleich stellte die Wirtschaftsauskunftei fest, dass die Altersüberschuldung ein virulentes Thema bleibt. 2017 mussten etwa 194 000 Menschen in Deutschland, die 70 Jahre oder älter sind, als überschuldet eingestuft werden. Dies seien 20 000 Fälle mehr als noch im Vorjahr. Der Anstieg falle in diesem Alterssegment seit 2013 überdurchschnittlich aus. Dies hängt jedoch letztlich sicher auch mit der alternden Gesellschaft zusammen. Im Gegensatz dazu ist die Überschuldungszahl bei der jüngsten Altersgruppe rückläufig, wenn auch nur sehr leicht. Rund 1,66 Millionen junge Menschen in Deutschland, die unter 30 Jahre alt sind, wurden als überschuldet eingestuft. Das sind 6 000 weniger als noch im Jahr 2016.