Ärger im Murgtal Center Gaggenau: Besucher und Angestellte klagen über pöbelnde und gewaltbereite Teenager-Gruppen. | Foto: bba

„Passanten bespuckt“

Jugendgruppen terrorisieren Besucher im Murgtal Center

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Pöbeleien, blockierte Aufzüge, Drohungen mit Baseball-Schlägern und Messern: Besucher des Murgtal-Centers in Gaggenau und Mitarbeiter der dortigen Filialen haben verstärkt unter Gruppen vandalierender Jugendlicher zu leiden. Die Betroffenen klagen über eine sehr agressive und angespannte Atmosphäre. Nun hat das Center-Management reagiert und Securitys engagiert. Denn die Möglichkeiten der Polizei, gegen die minderjährigen Unruhestifter vorzugehen, sind beschränkt.

Zugespitzte Lage

„Das ist schon über ein Jahr lang ein Problem“, berichtet Jasmine Susnjar, Filialleiterin von „Peters gute Backstube“. Die 12- und 13-Jährigen kifften im Parkhaus, randalierten und bepöbelten die Kundschaft im Center. „Im ersten Stock haben die Kids die Toilette verstopft, das lief dann bis ins Nagelstudio rein“, erzählt Susnjar. In der Bäckerei-Filiale beschimpfte die Gruppe zwar nicht die Kunden, aber: „Sie machen sich hier auf den Plätzen breit, so dass kein anderer mehr sitzen kann, verstreuen Salz auf dem Boden und werfen Müll in die Lampenschirme“, beschreibt die Filialleiterin die Vorfälle.

Vor dem Papa mehr Angst als vor der Polizei

Weil sie die Eltern einiger Pöbler kenne, könne sie auch mal ein Machtwort sprechen. „Denn vor dem Papa haben einige dieser Kinder mehr Angst als vor der Polizei“. Aber wenn ihre jungen Mitarbeiterinnen abends alleine seien, hätten sie keine Chance, das Chaos in den Griff zu bekommen.

Sind Securitys die Lösung?

Dem Problem nun mit einem größeren Security-Aufgebot zu Leibe zu rücken, hält Susnjar dennoch für ein zweischneidiges Schwert. „Einerseits gibt es ja auch Securitys in ähnlichen Einrichtungen von anderen Städten, so ungewöhnlich ist das nicht. Andererseits habe ich den Eindruck, dass durch die Maßnahme beide Seiten immer dünnhäutiger werden und sich aufwiegeln.“ So habe ein Sicherheitsmann kürzlich einen Jugendlichen aus der Mall geworfen, nur weil dieser ungewöhnlich lange beim Essen eines Croissants gebraucht habe. „Das geht dann natürlich auch gar nicht“, betont Susnjar.
Auch bei Deichmann, Apollo-Optik und Rewe sind die jungen Rowdies bekannt und berüchtigt. „Die sind einfach rotzfrech“, sagt Nicole Weis, stellvertretende Filialleitung des Rewe, wütend. So erwiderten die Jugendlichen auf eine Rüge gerne mal: „Warum stehen Sie denn jetzt bei uns hier rum? Haben Sie nichts zu tun?“ An Silvester sei es besonders schlimm gewesen, da hätte die Gruppe Böller vom Dach des Sparkassen-Parkhauses geworfen und auf vorbeilaufende Passanten gepinkelt und gespuckt. Die schlechte Stimmung schlägt sich zum Leidwesen der Filialen auch auf den Umsatz nieder, einige ältere Besucher meiden inzwischen das Center.

Parkhaus und Dach des Einkaufszentrums sind beliebte Treffpunkte der Jugendlichen. | Foto: bba

Versuchen alles, um unsere Mieter und Gäste zu schützen.

Selbst die Securitys bewerten die Lage als brenzlig: „Es ist richtig schlimm hier“, so ein Mitarbeiter des beauftragten Rastatter Sicherheitsdienstes. „Wir sind froh, dass die Ferien vorbei sind. Am Rosenmontag waren wir zu zehnt hier im Einsatz, die Kinder waren teilweise mit Messern unterwegs.“ An normalen Tagen patrouillieren die Securitys von 14 bis 21 Uhr. Sie können aber zeitnah Verstärkung anfordern. Lisa Durak vom Centermanagement sagt auf BNN-Anfrage: „Wir versuchen alles, um unsere Mieter und Gäste zu schützen.“ Ob durch die angeheuerten Security-Mitarbeiter zusätzliche Kosten auf die ansässigen Geschäfte zukommen, dazu wollte die Hausverwaltung keine Angaben machen.

Auch Sparkasse betroffen

Auch die an das Murgtal Center angrenzende Sparkasse leidet unter dem Treiben der Jugendlichen. Bereits mehrfach wurde Anzeige wegen zerstörten Lampen erhoben, das Parkhaus müsse täglich gereinigt werden, so eine Mitarbeiterin. In Absprache mit dem Polizeirevier Gaggenau erwägt nun die Leitung, ein Hausverbot für die jungen Vandalen auszusprechen. „Ich denke, das wäre eine sinnvolle Maßnahme“, so Peter Schönamsgruber, Direktor Organisation der Sparkasse Baden-Baden Gaggenau.

Polizei erwägt Platzverweis

Auch die Polizei zieht inzwischen in Betracht, ihre – im Fall minderjähriger Täter allerdings stark eingeschränkte – Handhabe voll auszuschöpfen. „Im Moment ziehen wir einen Platzverweis für die mehrfach auffällig gewordenen Jugendlichen in Betracht“, informiert Karl Heck, stellvertretender Revierleiter in Gaggenau. Wenn die Störer weiter in der Bank-Filiale und dem zugehörigen Parkhaus auftauchen, können sie von der Polizei in Gewahrsam genommen und den Eltern übergeben werden. Bei anhaltenden Verstößen sei die letzte Konsequenz Strafzahlungen für die Eltern der minderjährigen Störenfriede, so Heck. Zunächst will die Polizei aber das Gespräch mit den Erziehungsberechtigten suchen.