Facebook
Sensible persönliche Daten in sozialen Netzwerken, wie etwa bei Facebook, sind noch unzureichend vor Missbrauch geschützt. | Foto:  Matt Rourke/AP

Kommentar

Kampf gegen Datendiebe

Stellen Sie sich vor: Sie machen bei einem lustigen Quiz in einem sozialen Netzwerk mit und lesen Jahre später, dass jemand mit den illegal verwendeten Informationen aus Ihrem Netz-Profil – und denen Ihrer Freunde – einem umstrittenen Politiker, den Sie vielleicht zutiefst verachten, zum Wahlsieg mit verholfen hat. Nicht witzig. Zumal die dreisten Digitaldiebe, die ein großes Geschäft gemacht haben, jede Verantwortung abstreiten und keinerlei Reue zeigen.

Es ist in den USA passiert. Und es könnte sicher auch woanders passieren. Zu verlockend ist für versierte Wahlstrategen und PR-Berater die Möglichkeit, auf fernen Servern gespeicherte, private Daten per Mausklick zusammenzuführen und auszuwerten, um Profile für allerlei Zwecke zu erstellen. Sie und ihre Auftraggeber haben bislang wenig zu befürchten. Die meisten Nutzer wissen mittlerweile, dass die Spuren ihres digitalen Lebens im Internet sehr viel über sie verraten und darum einen großen Wert darstellen. Die Masse geht deswegen aber nicht umsichtiger mit ihren sensiblen Daten, Bildern, Videos, Nachrichten oder Querverlinkungen von Netzwerken um.

Zwar gibt es gerade Aufregung im Internet über die Manipulatoren von Cambridge Analytica, doch Facebook drohen keine Massenabmeldungen. Von sich aus werden die Datensammler und -verwerter im Netz nichts ändern. Es muss darum die Aufgabe der Politik sein, im Interesse der Bürger zu handeln.

Zunächst einmal muss man die Datenschutzstandards verbessern, die Nutzung der Daten durch Dritte transparent machen und jeglichen Missbrauch in diesem Bereich hart bestrafen. Die bald in Kraft tretende EU-Datenschutzverordnung kann dabei helfen, globale Riesen wie Facebook zur Verantwortung zu ziehen, wenn in ihren Netzen etwas falsch läuft. Es müssten aber auch neue Digital-Regeln für Wahlen und Kampagnen geschrieben werden. Der heute noch völlig ungeregelte Einsatz von Bots im Netz und das zielgenaue politische Werben auf Basis der Auswertung von privaten Daten verfälschen den Wählerwillen und können so der Demokratie schaden.