Ehrenamts-"Omas" betreuen in Karlsruhe Kleinkinder.
Als ehrenamtliche "Omas" engagiert sind Marga Lauer, Inge Dussel, Waltraud Suhr und Ingrid Sepold (von links) im Hardtwaldzentrum in der Karlsruher Nordstadt. | Foto: jodo

Jeder dritte engagiert sich

Karlsruher im Ehrenamt

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Mehr Aktivität zum neuen Jahr – das müssen sich die ehrenamtlichen „Omas“ im Hardtwaldzentrum in der Nordstadt wahrlich nicht vornehmen. Stolze 80 Jahre zählt Waltraud Suhr als Älteste, Marga Lauer und Inge Dussel sind Jahrgang 1943. Jüngste ist Ingrid Sepold, geboren 1952. In der Kinderbetreuung „Alt und Jung Hand in Hand“, einem Projekt der Paritätischen Sozialdienste im Kanalweg, krabbeln sie jeden Donnerstagvormittag zwei Stunden lang mit Kleinkindern über den Spielteppich und hocken auf Zwergenstühlchen am Basteltisch. Den Wecker stellen und morgens bei Schmuddelwetter früh raus, trotz wohlverdientem Ruhestand? „Einen Tag in der Woche kann man sich mal aufraffen“, sagt Marga Lauer. Und Waltraud Suhr ergänzt: „Das ist ein Vergnügen, kein Opfer.“

Jeder dritte Karlsruher engagiert sich ehrenamtlich

Etwas mehr als jeder dritte Karlsruher – fast 34 Prozent – gab im Jahr 2012 in der jüngsten Umfrage des Kulturdezernats zu diesem Thema an, sich ehrenamtlich zu engagieren. Wer weiß, ob sich diese Quote Engagierter, die zur Jahrtausendwende erst knapp 24 Prozent betragen hatte, auf etwa die Hälfte aller Bürger der Fächerstadt steigern lässt?

Wir als Stadt unterstützen das gern

Bürgermeister Wolfram Jäger spielt durchaus mit dem Gedanken: „Wir als Stadt unterstützen das gern. Das ist zwar noch ein Stück Weg, aber zunehmend engagieren sich auch Jüngere im Ehrenamt.“ In der „ersten Liga“ bundesweit mit Stuttgart, Freiburg, München und Nürnberg sieht der Kulturbürgermeister die Fächerstadt in puncto professioneller Unterstützung des breiten ehrenamtlichen Engagements in Karlsruhe.

Fortbildung fürs Ehrenamt inklusive

Sieben städtische Mitarbeiter informieren, lotsen und koordinieren die Aktivitäten im Büro für Mitwirkung und Engagement im Amt für Stadtentwicklung in der Zähringerstraße 62. Im eigenen Seminarraum gibt es dort auch regelmäßig Fortbildungen für ehrenamtlich Engagierte. Vor allem aber dreht sich dort virtuell das Online-Portal der Freiwilligenagentur. Diese Ehrenamts-Börse im Internet hat die Stadt Karlsruhe selbst entwickelt, Ettlingen und Bretten haben sie inzwischen übernommen. Der Zugang ist hier mit einem Klick möglich.

Zahlen und Fakten

 33,9 Prozent aller Karlsruher geben von sich an, sich ehrenamtlich zu organisieren.
200 Karlsruher Organisationen setzen auf ehrenamtliche Unterstützung.
307 verschiedene Möglichkeiten, sich in Karlsruhe zu engagieren, findet ein Interessent aktuell.
Gut jeder fünfte Freiwillige, der sich 2016 im städtischen Mitwirkungsbüro persönlich beraten ließen, kam aus dem Ausland (Bulgarien, Iran, Syrien, Ukraine, Polen, Argentinien, China und Korea).
Rund 2 000 Vereine gibt es in Karlsruhe, schätzt die Stadtverwaltung. Beim Registergericht Mannheim sind davon etwa 1 500 eingetragen. Knapp 1 000 Vereine halten regelmäßigen Kontakt zum Mitwirkungsbüro.
Die jüngste dem Mitwirkungsbüro bekannte Ehrenamtliche ist derzeit eine 14-jährige Lesepatin in Durlach. Der älteste Ehrenamtliche, ein Karlsruher im Alter von 89 Jahren, liest in Seniorenheimen vor.
Rund 300 Lesepaten sind zurzeit in Karlsruher Schulen und Kindertagesstätten aktiv.

Man findet für jeden etwas

Evelyn Demendi hat den Überblick über jährlich mehr als 7 000 Agenturzugriffe, berät aber auch viele Interessenten persönlich. „Bei 307 verschiedenen Tätigkeiten findet man für jeden etwas“, schwärmt sie. KIT-Studenten aus China zum Beispiel hat Demendi schon mehrfach mit Senioren in Kontakt gebracht, mit denen sie Schach spielen oder kochen. Manchem hilft ein Ehrenamt nach langer Krankheit, anderen gibt es neuen Sinn nach Haft oder einer Entziehungskur.

Engagierter Einsatz hat viele Gesichter

Bei der Feuerwehr engagieren sich Ehrenamtliche ebenso wie als Hundeführer, Dampflok-Pfleger oder Lesepaten. Wer sich in der Fächerstadt ehrenamtlich engagiert, ist Teil einer beachtlich großen Schar – gesichert gezählt sind aber weder die so aktiven Karlsruher noch die Ehrenamtsposten an sich. Bekannt ist hingegen, dass in vielen Bereichen städtischen Lebens das Ehrenamt – unbezahltes Wirken in der Freizeit – unverzichtbar ist.

Feuerwehr setzt auf viele Freiwillige.
Bei der Freiwilligen Feuerwehr engagieren sich Ehrenamtliche mit hoher Einsatzbereitschaft. | Foto: von Erichsen/dpa

Ob bei der Feuerwehr, als Hundeausführer, Lesepate oder Dampflok-Pfleger: Die städtische Freiwilligenagentur sortiert den Löwenanteil der Einsatzbereiche in zehn Rubriken ein. Unterstützung älterer Menschen ist ein klassisches Tätigkeitsfeld. Gleiches gilt für Angebote für Kinder und Jugendliche, Menschen in Not, mit einem Handicap oder kranke Menschen. Stark gewachsen ist der Einsatz für Migranten, obwohl die meisten Flüchtlinge nicht auf Dauer in Karlsruhe bleiben.

Hund ausführen - auch ein Ehrenamt.
Ehrenamtliche führen Hunde aus… | Foto: Ossinger/dpa

In Kultur und Bildung sind Ehrenamtliche ebenso traditionell unverzichtbare Aktivposten wie im Sport. Für Natur, Umwelt und Tiere engagieren sich viele Karlsruher ehrenamtlich. Auch rund um Büro, Verwaltung, EDV und Internet bringen Karlsruher unentgeltlich Fähigkeiten und freie Zeit ein. Handwerklich, kreativ und hauswirtschaftlich packen gleichfalls ungezählte Freiwillige an – nicht zu vergessen die zahlreichen ehrenamtlichen Organisatoren von Veranstaltungen und Projekten einschließlich der notwendigen Öffentlichkeitsarbeit.
Der Multifunktionär ist übrigens ein weit verbreiteter Ehrenamts-Typus. An Verantwortungsträgern herrscht dennoch chronischer Mangel – nicht weil es an Interesse fehle, sondern weil die langfristige Verpflichtung als Problem gesehen wird, so das Mitwirkungsbüro.

Es muss Spaß machen

„Die Motive sind unterschiedlich, aber es muss Spaß machen. Sonst engagiert man sich nicht auf Dauer“, weiß der Chef des Mitwirkungsbüros, Christian Fulda, aus Erfahrung.

Lesepaten fördern die Freude am Lesen.
Rund 300 Lesepaten sind zurzeit in Karlsruher Schulen und Kindergärten aktiv – die jüngste Lesepatin ist 14 Jahre alt. | Foto: Hitij/dpa

Die Ehrenamts-„Omas“ im Hardtwaldzentrum sind langfristig und mit ganzem Herzen dabei – und doch braucht auch ihr Angebot, das übrigens jeder ohne Anmeldung in Anspruch nehmen kann, „Nachwuchs“. „Die betreuten Kinder bis zu drei Jahren wechseln ja innerhalb absehbarer Zeit in Kindertagesstätten“, erklärt die Koordinatorin Stefanie Bienwald von den Paritätischen Sozialdiensten. „Deshalb haben wir auch derzeit noch freie Kapazitäten für Kinder.“ Außerdem sucht Bienwald, zu kontaktieren hier via Internet, stets Engagierte für Projekte wie „wellcome“ zur Unterstützung von Säuglingseltern oder „Begleitet zuhause leben“ für Senioren.

Kontakte:
Büro für Mitwirkung und Engagement, Zähringerstraße 61, Telefon (07 21) 1 33 12 70
Paritätische Sozialdienste Karlsruhe, Kanalweg 40/42, Telefon (07 21) 91 23 00