Sushi mit Syrer: Khaled (Sherwan Haji, links) ist in einem Restaurant untergekommen, das selbst nach seiner Identität zwischen den Kulturen sucht. | Foto: Pandora-Film

Kinotipp der Woche

„Die andere Seite der Hoffnung“

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Es ist fast 30 Jahre her, da machte ein junger Finne Furore mit Filmen, deren Dialogzeilen kürzer waren als die Namen der Hauptdarsteller. Den damals entwickelten Stil aus wortkarg-lakonischem Schauspiel in minimalistischen Kulissen pflegt Aki Kaurismäki auch in seinem neuen Werk „Die andere Seite der Hoffnung“. Dass er dafür den Silbernen Regie-Bären der Berlinale bekommen hat, könnte man auch als Auszeichnung fürs Lebenswerk einsortieren. Es passt aber. Denn mit dieser Geschichte um einen syrischen Flüchtling, den es nach Helsinki verschlägt, lässt Kaurismäki zwar die politische Gegenwart in sein Kulissen-Finnland ein, beharrt aber trotzig auf der unerschütterlichen Mitmenschlichkeit, die alle seine Filme prägt. So findet der Flüchtling Khaled (Sherwan Haji) zwar kein Asyl beim finnischen Staat, wohl aber im etwas heruntergekommenen Restaurant des mürrischen Mittfünfzigers Wikström (Sakari Kuosmanen), der nach beruflichem und privatem Scheitern ebenfalls gerade einen Neuanfang versucht.

Wie die Geschichten dieser beiden Aufstehmännchen nebeneinander herlaufen, sich treffen und wieder trennen, daraus macht Kaurismäki einen der schönsten und zugleich zornigsten Filme des Jahres. Denn er überstrapaziert seinen Märchentonfall so deutlich, dass die gezeigte Utopie des gegenseitigen Helfens als frommer Wunsch kenntlich wird. Dennoch ist es eine pure Freude, wie der Film seine Figuren allen Widrigkeiten mit staubtrockener Ironie die Stirn bieten lässt. Umso wehmütiger stimmt die Vorstellung, dass Kaurismäki sein Wort halten und sich mit diesem Werk vom Kino verabschieden könnte. Denn im gleichförmigen Mainstream-Krawumms, das ansonsten geboten wird, wirkt seine Kunst der distanziert-analytischen Menschenliebe wie eine neue Entdeckung – und ist noch wertvoller als früher.

Weitere Neustarts:

„Ghost in the Shell“: Wer „Blade Runner“ sagt, muss auch „Ghost in the Shell“ sagen: Der 1995 entstandene japanische Anime über einen Cyborg mit Seele beeinflusste die Ästhetik und Thematik ambitionierter Science-Fiction-Filme wie „Matrix“. Nun gibt es eine Realfilmversion, in der Scarlett Johansson freilich durch Kulissen und Actionszenen turnt, die zum Großteil aus dem Rechner stammen. Optisch beeindruckend, aber erzählerisch deutlich konventioneller als die Vorlage liefert Regisseur Rupert Sanders hier krawallhaltiges Überwältigungsfutter für die Augen.

„A United Kingdom“: Ein schwarzer Mann und eine weiße Frau Ende sind Ende der 1940er Jahre als Paar eine Provokation. Ihre Familien, die eine in Engeland, die andere in Afrika, lehnen die Beziehung genauso ab wie die Regierung des Britischen Empires, die eine diplomatische Auseinandersetzung mit dem rassistischen Apartheid-Regime in Südafrika fürchtet. Die Geschichte hinter dem Film ist wahr. David Oyelowo als designierter König des späteren Botsuana und Rosamund Pike als englische Sekretärin überzeugen in ihren Rollen auch durch ihre starken Dialoge. Der Film von Amma Asante ist geprägt von Kontrasten: Einerseits das düstere und verregnete London, andererseits das helle, warme Botsuana. (Text: dpa)

„The Boss Baby“: Der Siebenjährige Tim Templeton sieht sich plötzlich mit einem kleinen Brüderchen konfrontiert, der nicht nur Brei spuckend und mit Schnuller daherkommt – sondern im Anzug samt Aktenköfferchen. Das Business-Baby wird zu einem der Anführer in der Kampagne von Babys gegen eine Firma, die nie mehr alternde Hunde entwickeln und damit die Liebe der Menschen von Babys auf das eigene possierliche Produkt lenken will. Der wahre Kern der Geschichte ist der Zwist zwischen Geschwistern und die Veränderung, die ein Baby mit sich bringt. Darüber hinaus lassen die Macher der bunten Fantasie aber freien Lauf. (Text: dpa)