In Obhut der Kirche wurde in Karlsbad-Spielberg ein 20-jähriger Mann aus Gambia genommen. Das Vorgehen hatte Erfolg, statt der Abschiebung läuft nun das Asylverfahren in Deutschland. | Foto: Müller

Amt lässt Frist verstreichen

Kirchenasyl für Gambier in Karlsbad verhindert Abschiebung

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Von Klaus Müller und Rainer Obert
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) lässt die Überstellungsfrist nach Italien verstreichen: Der 20-jährige Gambier Salim Gakou, dem in Karlsbad-Spielberg kirchliche Obhut (so genanntes Kirchenasyl) gewährt wurde, darf in Deutschland bleiben.
„Nach Verstreichen der Frist wird er zur Anhörung bei der zuständigen Außenstelle gebeten“, erklärte BAMF-Sprecherin Edith Avrum auf Anfrage der BNN. Dies werde schnell geschehen. Die evangelische Kirchengemeinde Spielberg, namens Pfarrer Theo Breisacher, bestätigte den Eingang eines entsprechenden Schreibens der Behörde. Über den Asylantrag wird dann in Deutschland entschieden, die Abschiebung ist vom Tisch. Die einzig bestehende Chance wäre laut Avrum ja gewesen, den Gambier aufzuspüren – so etwas sei in der Praxis aber noch nie passiert.

Keine Abschiebung nach Italien

Zur Erinnerung: Das Asylverfahren hätte eigentlich in Italien anberaumt werden müssen; das Land, in dem der Flüchtling zuerst registriert wurde (Stichwort: EU-Dublin-Abkommen). Die Überstellungsfrist begann im vergangenen Jahr, nachdem Italien zugesagt hatte, den Flüchtling – der kein Kriegsflüchtling ist – zurückzunehmen. Unmittelbar bevor dem Gambier die Abschiebung nach Italien drohte, wurde er von der Kirchengemeinde in Obhut genommen; unter anderem mit der Begründung: Dem jungen Mann müsse die Möglichkeit gegeben werden, seine dreijährige Ausbildung (die begann er im September) zum Einzelhandelskaufmann abschließen zu dürfen. „Wir hielten es für unzumutbar, ihn aus diesem erfolgreichen Integrationsprozess herauszureißen und zu zwingen, in Italien von Neuem zu beginnen, zumal in Italien die Lebenssituation für Asylsuchende extrem schwierig ist. Die meisten Asylsuchenden sind obdachlos und haben so keine Chance, in der Praxis Schutz zu erlangen“, fasst Pfarrer Breisacher die Beweggründe des Kirchengemeinderats nochmals zusammen. In einem entsprechenden Schreiben wandte sich die Kirchengemeinde wie berichtet an das BAMF.

Duldung für die Zeit der Ausbildung

Entscheidend ist für den Gambier jetzt das Asylverfahren. Dessen Bearbeitung fällt nun in den Aufgabenbereich des Bundesamts. Bis zur Entscheidung darf er in Deutschland bleiben und kann seine Ausbildung beim Naturkostmarkt Göpi fortsetzen. Allerdings ist es auch möglich, dass das Amt eine ablehnende Entscheidung fällt, weil der Gambier politisch nicht verfolgt ist.Für den Mann würde das bedeuten, dass er dann zurück nach Gambia muss.
Zunächst kehrt Salim Gakou wieder in die Gemeinschaftsunterkunft zurück und setzt seine Ausbildung fort. Die Chancen, dass er die Ausbildung beenden darf, stehen übrigens gut. Ein Ausbildungsverhältnis, so die aktuelle Rechtslage, gilt als „Duldungsgrund“. Bricht er sie indes ab, erlischt auch die Duldung.