Der neu gestaltete Marktplatz erscheint vielen als Asphaltwüste. | Foto: jodo

Stadtplanung in Karlsruhe

Herausforderung für Architekten

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Karlsruhe gehört zu den wärmsten Regionen Deutschlands gehört. Das stellt auch die Architekten vor die Herausforderung, neue Ansätze in der Stadtplanung zu finden. Dabei müssen die bauliche Nutzung, Mobilitätskonzepte und Verkehrsplanung, aber auch die Gestaltung des öffentlichen Raumes festgelegt werden. Auch der Umweltschutz spielt eine große Rolle.

Von Meret Garvelmann und Leonie Nufer

„Der Städtebauliche Rahmenplan Klimaanpassung wird grundsätzlich bei den Planungen der Stadt Karlsruhe berücksichtigt“, so Andrea Altenburg von der Pressestelle der Stadt. Die Umsetzung erfolge nach und nach bei Neuplanungen und Sanierungsvorhaben. In Karlsruhe werde die Strategie verfolgt, Siedlungsbestände so umzubauen, dass sie besser an die Hitze angepasst sind.

Momentan herrschen in großen Städten vor allem in den inneren Stadtteilen oft dicht bebaute Bereiche und Blockbebauung vor. Ein großer Teil der Fläche ist versiegelt und es sind verhältnismäßig wenig Grünflachen vorhanden. Um dem entgegenzuwirken, fördere die Stadt beispielsweise im Sanierungsgebiet Innenstadt-Ost die Entsiegelung von Flächen zu 100 Prozent, etwa in Form eines Abbruchs von Nebengebäuden in Hinterhöfen, so Altenburg.

Grün sorgt für Abkühlung

Der Karlsruher Marktplatz wird derzeit neu gestaltet und fällt durch seine durchgehende Pflasterung ins Auge. Wasserspiele mit 31 Düsen nördlich der Pyramide sollen für Abkühlung sorgen, große Bäume sucht man aufgrund der baulichen Gegebenheiten hingegen vergeblich. Dabei sind mit Pflanzen besetzte Flächen grundsätzlich für die Kaltluftproduktion wichtig. An anderen Stellen in der Stadt dienen Platanenalleen als verschattendes Element. Um für mehr Schatten und Begrünung durch Bäume zu sorgen, plant die Stadt eine Überlappung der Abstände von Leitungsstraßen mit ein. „Häufig haben die Bäume nicht genug Wurzelraum, da im Boden zu viele Leitungen verlegt sind. Durch die Abstände zwischen den Leitungsstraßen bleibt ein Streifen übrig, auf dem Bäume gepflanzt werden können“, so Andrea Altenburg.

Auch Dachbegrünungen erhöhen den Grünanteil im bebauten Gebiet. Deshalb setze man diese auf Flachdächern in Bebauungsplänen fest, um die Erwärmung der Dachflächen zu verringern und das Wasserrückhaltevermögen und die Verdunstung zu erhöhen, erklärt Altenburg. Zukünftige Planungen müssten außerdem sicherstellen, dass in der Stadt genug offene Schneisen erhalten bleiben, die für die Kalt- und Frischluftlieferung sorgen.

Entsorgen nach dem Vorbild der Natur

Neben verschiedenen Umweltschutzmaßnahmen ist auch das Entsorgen bei Baumaßnahmen von Gebäuden von Bedeutung. Diese Maßnahme nennt man Rückwärtslogistik oder Rückführlogistik. Ziel ist es, auch eine rückwärtsgerichtete Effizienz der Wertschöpfungskette zu gewährleisten. Es wird immer auch schon das Entsorgen der Materialien mit eingeplant. Man kann es sich als einen ökonomischen Kreislauf aus Planung, Steuerung und Entsorgung von Materialien vorstellen. Das Entsorgen fängt schon bei der Produktionsplanung, dem Zulieferkonzept und der Entsorgungslogistik an. Als Vorbild dient dabei die Natur mit ihren selbstständig regenerierenden Mechanismen.

In Karlsruhe wird beispielsweise die Leitlinie für Energieeffizienz und Nachhaltiges Bauen umgesetzt, die Entsorgung von Abfällen folgt dem Kreislaufwirtschaftsgesetz und die Abfallmenge selber wird auch schon durch die Minimierung des Flächenverbrauchs vermieden. Der Flächenverbrauch wird minimiert, indem vor einem Neubau geprüft wird, ob dieser wirklich nötig ist oder ein schon bestehendes Gebäude umgebaut werden kann. Es werden möglichst viele Produkte verwendet, die entweder wiederverwendet werden können oder recycelbar sind.