Kommentar
Foto: ©jd-photodesign - stock.adobe.com

Kommentar

Belasteter Betonschutt – eine Milchmädchenrechnung?

Anzeige

Milch? Was Milch mit dem minimal strahlenbelasteten Betonschutt aus Philippsburg zu tun hat?

Wer sich an die Milchpanscherei der Tschernobyl-Tage erinnert, als man verstrahlte Kuhmilch so lange mit unverstrahlter mischte, bis man die Grenzwerte unterschritt und die Verklappung über die Nahrungskette klappte, der weiß, wie das Vertrauen der Menschen verspielt wurde, wenn es um Grenzwerte und Unbedenklichkeiten und die Versicherungen der Politiker geht.

Betonschutt – kaum belastet

Jetzt muss man den Beton loswerden, der rund um die Reaktoren verbaut, den Kernen doch nie wirklich nahe kam. Die Verstrahlung also und damit auch die Belastung für die Menschen hält sich in sehr engen Grenzen.

Selbst der grüne Umweltminister sagt, „ein Sack Kunstdünger“ oder ein mit Granit gepflasterter Marktplatz strahlten mehr, als der freigemessene Betonschutt aus den Atomkraftwerken. Und auch die Mengen sind überschaubar.

Behörden fürchten Aufschrei der Bürger

So überschaubar gar, dass sich eine eigene Deponie dafür bei weitem nicht lohnt. Doch die Behörden und Verwaltungen sehen schon Aufschrei und Protest der Bevölkerung voraus.

Die Schwaben in Obrigheim und Neckarwestheim sind den Badenern zeitlich ein wenig voraus und deshalb wird in Schwieberdingen und Ludwigsburg längst heftig protestiert.

Strahlung kann man weder sehen noch spüren. Da käme es gelegen, wenn die Menschen den Experten vertrauten.

Bürgervertrauen? In der Milch ersäuft.

Doch weil das wohlwollende Bürgervertrauen 1986 in der Milch ersäuft wurde, kann darauf heute eben keiner mehr zurückgreifen.

Dabei ist die Zeit eine neue. Der Protest hat gewonnen. Die Atommeiler werden zerlegt. Jetzt geht es darum, mit den Fehlern der Vergangenheit verantwortungsvoll umzugehen, anstatt den Groll weiter zu pflegen.

Vielleicht sollte man doch den Strahlenexperten trauen, ein letztes Mal quasi. Dann hätten die Behörden auch keine Angst mehr vor ihren Bürgern und könnten vernünftige Entscheidungen treffen.