KEINE ÜBERRASCHUNGS-EIER: Das Insektizid Fipronil in Hühnereiern - viele Verbraucher sind verunsichert. | Foto: dpa

Kommentar

Ach, du dickes Ei!

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Igittigitt! Das Insektizid Fipronil, das sonst gegen Flöhe, Läuse, Zecken, Schaben und Milben (!) eingesetzt wird, steckt in Millionen Hühnereiern aus den Niederlanden und aus Niedersachsen – die auch in Baden-Württemberg verkauft werden. Der Gedanke daran ist eklig; gefährlich werden kann es aber auch, weil Fipronil in zu hoher Dosis im Körper aufgenommen giftig ist. Deutschland hat einen Lebensmittelskandal, der die Verbraucher heftig irritiert.

Wer eifert dem Rewe-Konzern nach?

Was ist zu tun? Zunächst einmal hat der Kölner Rewe-Konzern schnell gehandelt und nach eigenen Angaben alle betroffenen Eier aus seinen Rewe- und Penny-Märkten verbannt. Dass andere Einzelhändler diesem Beispiel noch nicht gefolgt sind, ist zumindest ein kleiner Skandal. Denn es ist dem Verbraucher schlichtweg nicht zuzumuten, dass er im Handel ein Ei nach dem anderen in die Hand nimmt und mit den aufgedruckten Codes abgleicht.
Wer im Lebensmittelportal des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit – schon dieser sperrige Name – nachschaut, weil er sich Hilfe bei der Code-Suche verspricht, ist eher verwirrt. So kann das nicht laufen. Das muss übersichtlicher werden.

Es fehlt an Informationen

Doch es kommt noch schlimmer. Denn bekanntlich werden Eier von der Nahrungsmittelindustrie für etliche Produkte verwendet. Eier in Nudeln, in der Tiefkühlpizza, im Kuchen – auch hier fühlt sich der Konsument reichlich allein gelassen. Und alles prophylaktisch wegzuschmeißen, ohne nähere Informationen zu haben, das kann es auch nicht sein.
Für wen ist das Insektizid überhaupt giftig? Experten raten dringend davon ab, dass Kinder die betroffenen Eier essen. Nur: Böse (Überraschungs-)Eier dürften es auch für Erwachsene sein, wenn sie eine große Menge davon essen.
Fipronil in Eiern – das ist wahrlich nicht der erste Lebensmittelskandal in Deutschland und wird nicht der letzte sein. Aber daraus ließe sich lernen: Im föderalistischen Deutschland muss es in solchen Fällen eine einheitliche Sprachregelung geben. Verbraucherschützer haben schon recht, wenn sie wieder einmal fordern: „Risikobewertung und Risikokommunikation dürfen nicht getrennt werden.“ Sonst könnte es bald wieder heißen: Ach, du dickes Ei!