Dürre und Hunger in Kenia
Dürre und Hunger in Kenia: Experten sehen auch im Klimawandel Gründe für die Flüchtlingsströme. | Foto: Stephen Morrison/Archiv

Kommentar

Klimaschutz: Intensivtherapie gesucht

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Es war ein Tropfen Hoffnung im Ozean der Verzweiflung: Als die USA unter ihrem neuen, klimaskeptischen Präsidenten Donald Trump einst damit begannen, sich aus den gemeinschaftlichen Anstrengungen zur Rettung der Erde vor dem ökologischen Untergang zurückzuziehen, tröstete man sich damit, dass die anderen Staaten aus Trotz noch enger zusammenstehen würden.

Die Koalition der Vernünftigen werde fortan mit einer Stimme sprechen und die mangelnde Unterstützung der ignoranten Klimasünder jenseits der Atlantiks teils wieder wettmachen, hieß es Mitte 2017. Leider viel zu optimistisch, wie man heute sieht.

Noch immer ist keine einheitliche, klare und verbindliche Linie der Weltgemeinschaft im Kampf gegen die Erderwärmung erkennbar. Während die kostbare Zeit verrinnt, flüchten viele Staaten gerne in wohlfeile Rhetorik und bleiben dabei hinter ihren selbst gesteckten Umweltzielen weit zurück. Noch schlimmer, manche Regierungen tendieren bereits dazu, aus der Klimafront des Pariser Abkommens auszuscheren. Das verstärkt noch die Zweifel der Einsichtigen. Und die Tatsache, dass etwa Deutschland und Polen als Gastgeber der Weltklimakonferenz die Kohleverstromung hartnäckig verteidigen und auf eigene wirtschaftliche Interessen verweisen, zeugt schließlich davon, dass die „Frage von Leben und Tod“ (UN-Generalsekretär Guterres) in einigen Hauptstädten weiter nur eine Nebensache ist.

Es schadet sicher nicht, den „Grünen Klimafonds“ finanziell zu stärken. Allerdings wird ein gefüllter Geldtopf alleine den schleppenden Strukturwandel in den Industrieländern nicht kompensieren können. Die Welt muss die nationalen Egoismen überwinden und erkennen, dass die Zeit der radikalen Schritte gekommen ist. Es gibt kaum eine wichtigere globale Aufgabe als eine Intensivtherapie für den aufgeheizten Planeten.