Kommentar
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Zwei Milliarden Schaden

Rastatter Tunnel-Desaster: Die Bahn ist am Zug

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Aufgewacht!

Das Rastatter Tunnel-Desaster lässt sich nicht aussitzen, auch wenn die Deutsche Bahn und die beteiligten Bauunternehmen eifrig das Gras düngen und gießen, das so schnell wie möglich über die abgesackten Gleise wachsen soll.

Zwei Milliarden sollen aufschrecken

Mit einer Schreckenszahl versucht die Lobby der Eisenbahnunternehmen dem einschläfernden Stillschweigen entgegenzutreten.

„Zwei Milliarden“ schreit sie hinaus, sei der volkswirtschaftliche Schaden, den wagemutige, übermotivierte oder unfähige Ingenieure und vor allem vorsorgeresistente Planer des Staatskonzerns angerichtet haben.

Nun sind volkswirtschaftliche Schadensberechnungen ein geduldiges Zahlenspiel, das sich je nach Intention des Rechners gerne nach oben oder unten manipulieren lässt.

Nur Kosten für die Volkswirtschaft

Doch sicher ist: Die zwei Milliarden sind in diesem Fall eine eher vorsichtige Schätzung.

Die Gutachter haben sich im Auftrag der Eisenbahnunternehmen nämlich nur auf den Teil des eingetretenen Schadens konzentriert, den sie in betriebswirtschaftlich relevanten Bilanzen vermuten.

Nur Kosten, Einbußen und Unannehmlichkeiten, die die Tunnel-Havarie Wirtschaftsunternehmen zugefügt hat, sind in die Berechnung aufgenommen. Privatpersonen blieben außen vor.

Privatpersonen bleiben außen vor

All die Stunden, die ganz normale Zugreisende an den Bahnhöfen in Rastatt und Baden-Baden ausharren mussten, fanden keinen Eingang in die Disposition des Desasters.

Wären die rund zwei Millionen Reisenden, die im Schienenersatzverkehr schnell mal eine Stunde auf der Strecke lassen mussten, Handwerker gewesen, dann hätte ihr Chef dafür locker einen dreistelligen Millionenbetrag in Rechnung gestellt.

Bürger haben Aufklärung verdient

Für die Ellbogen, die der Kundschaft während der Fahrt gegen Rippen und Nieren schlugen, die verpassten Verabredungen, verspäteten Vorstellungsgespräche, und die kalt gewordenen Abendessen steht den Menschen jetzt wenigstens ein offenes Wort zur Ursache des Desasters zu.

Die Deutsche Bahn ist am Zug.