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Kommentar

Telefonstörung: Unerwünschte Telefonwerbung macht Menschen sauer

Das Steak brutzelt, der Salat will unters Wasser, die Pommes drängeln aus der Fritteuse und das Telefon klingelt mit freudigen Angeboten für einen noch günstigeren Stromtarif.

Allein diese unverlangte und unerlaubte telefonische Störung des Familienlebens, just zu den Tages- und Nachtzeiten, da die Menschen Zeit für einander hätten, ist eine Beschwerde bei der Bundesnetzagentur wert.

Es bleibt nicht bei der Störung

Doch selten genug bleibt es bei der Störung. Oft folgt dem ungebetenen Gespräch ein unerwünschter Vertrag, ein nicht bestellter Anbieterwechsel.

Immerhin: 52 342 Bundesbürger wollten sich in diesem Jahr das rüpelhaft ins Privatleben getragene Verkaufsgespräch nicht klaglos gefallen lassen.

Hohe Dunkelziffer

Wer weiß, dass der Ärger doch am schnellsten verraucht, wenn man die Frechheiten auf sich beruhen lässt, der kann ermessen, wie groß die Dunkelziffer hinter diesen 52 342 Beschwerden sein muss.

Freundliches „Ja“ reicht zum Vertragsabschluss

Gezielt wenden sich schlecht bezahlte Telefonisten, nicht selten aus dem Ausland, an Senioren, die den ausgefuchsten Methoden des telefonischen Marketings mit ihrer Lebenserfahrung aus einer anderen Zeit begegnen wollen und nicht realisieren, dass ein freundliches „Ja“ am Telefon bereits zum rechtsverbindlichen Vertragsabschluss reichen kann.

Illegal und nichtig

Dass der Anruf schon vom ersten Klingelton an illegal war und somit der ganze Abschluss nichtig, ist dem Callcenter egal und seinem Auftraggeber schnuppe.

Der Stromversorger, Telefonanbieter oder Versicherungskonzern beruft sich darauf, dass ihm der beauftragte Telefonverkäufer rechtskonformes Verhalten schriftlich versichert hat.

Der Justizminister prüft

Dass die schiere Zahl der erreichten Vertragsabschlüsse schwerlich auf legale Weise zustande kommen kann, irritiert die Wenigsten. 52 342 Beschwerden haben nun wenigstens den Bundesjustizminister dazu bewegt, sich die Machenschaften im Telefonmarketing noch einmal genauer anzuschauen.

Beschweren sich noch mehr, dann wird er vielleicht sogar etwas unternehmen. Und die Menschen können eines Tages wieder in Ruhe kochen und essen.