Kretschmann hält Grundsatzrede über Mobilität und Energie. | Foto: Voigt

Indien Delegationsreise

Kretschmann im Tempel und am IIT

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Ministerpräsident Winfried Kretschmann und seine Frau Gerlinde befinden sich gemeinsam mit einer baden-württembergischen Delegation auf einer einwöchigen Indienreise. BNN-Landeskorrespondent Wolfgang Voigt begleitet die Gruppe, in der sich auch einige Karlsruher Vertreter befinden.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann besucht einen Jain-Tempel in Mumbai. | Foto: Wolfgang Voigt

Besuch eines Jain-Tempels

Wenn der Ministerpräsident exotische Länder besucht, gilt sein Interesse immer auch der Religion. Gleich zum Auftakt seiner Delegationsreise bat er in Pune, der mit Karlsruhe freundschaftlich verbundenen Technologiemetropole von Maharashtra, zum religionspolitischen Dialog mit Vertretern der dort versammelten Glaubensrichtungen. Davon gibt es in Indien eine verwirrende Vielzahl, vier der großen Religionen sind auf dem Subkontinent entstanden: Hinduismus, Buddhismus, Jainismus und Sikhismus. Der Islam kam mit Handel und Eroberungen durch das Mogulreich, das Christentum hielt durch frühe Missionierungstätigkeit Einzug, und der Zoroastrismus infolge von Einwanderungen aus Persien. Dominierend ist in Indien mit rund 80 Prozent der Hinduismus mit seinen vielen Tausend Göttern. Winfried Kretschmann stattete aber einem Jain-Tempel in Mumbais Altstadt nahe dem India Gate eine Visite ab. Die Jain-Religion wird von höchstens einem Prozent der Bevölkerung praktiziert. Bestimmendes Motiv dieser Religion ist die hundertprozentige Gewaltlosigkeit: Tiere dürfen auf keinen Fall getötet werden, weshalb praktizierende Jainisten Vegetarier sind und niemals Lederprodukte tragen. Kretschmann ließ sich den zweistöckigen und bunt geschmückten Tempel eingehend zeigen, nachdem er und seine Delegation die Schuhe abgestreift hatten. Einen Jain-Tempel mit Schuhen zu betreten, ist ein Sakrileg. Viel zu groß wäre die Gefahr, bei dieser Gelegenheit ein Insekt zu töten, erklärte der Führer der Gruppe. Streng gläubige Jainas haben bei ihren täglichen Erledigungen oft einen Besen bei sich. Damit beseitigen sie Tiere auf dem Gehsteig, „denn jedes Tier ist ein zukünftiges Leben“, so der Führer. Den BNN gegenüber ließ Ministerpräsident Kretschmann wissen, die spirituelle Welt des Hinduismus sei ihm zeit seines bisherigen Lebens verschlossen geblieben. Dagegen hat sich der gläubige Katholik bereits eingehend mit dem Buddhismus beschäftigt.

Kretschmann hält Rede am Indian Institute of Technology (IIT)

Die indischen Studenten und Professoren spendeten ausführlich Beifall: In seiner Grundsatzrede zur Zukunft von Mobilität und Energie an der führenden Universität in Maharashtra, dem Indian Institute of Technology (IIT) in Mumbai spannte Ministerpräsident Kretschmann einen historischen Bogen und plädierte für eine stärkere Internationalisierung von Umwelt- und Energiethemen. „Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse, aber nicht für jedermanns Gier“, zitierte der Grüne einen Satz des indischen Vordenkers Mahatma Gandhi. Gleichwohl sprach er sich für Wachstum aus. Während man bei den Grünen vor 40 Jahren noch geglaubt habe, Verzicht auf Wachstum sei nötig, damit die Welt nicht aus den Fugen gerät, sei seine Partei heute weiter. Es brauche intelligentes und umweltverträgliches Wachstum, „denn Wachstum ist das beste Mittel gegen die Armutsbekämpfung.“ Man müsse Ja sagen zum Wachstum und Nein zur Zerstörung der Natur, bekräftigte der Regierungschef. Die indischen Zuhörer sparten nicht mit kritischen Nachfragen, etwa zu Atomenergie, Elektromobilität, oder auch dem Dieselskandal bei Volkswagen. Auch IIT-Präsident Devang Khakhar zeigte sich beindruckt von Kretschmanns Rede.

Das Logo des IIT.
Das Logo des IIT. | Foto: Voigt

Knapp 10.000 Studierende

Das IIT liegt auf einem Campus im Stadtteil Powai außerhalb Mumbais. Die Staatliche Hochschule wurde 1958 gegründet und hat derzeit knapp 10.000 Studenten. Die Reisenden aus Baden-Württemberg erfuhren unter anderem, dass sich mitunter Schwarze Panther oder Paviane aus dem angrenzenden Sanjay Gandhi Nationalpark auf den Campus verirren.

Der Campus des IIT.
Der Campus des IIT. | Foto: Voigt