BNN-Redakteur Wolfgang Voigt im Gespräch mit dem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann.
BNN-Korrespondent Wolfgang Voigt im Gespräch mit dem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann. | Foto: BNN

Indien: Halbzeit in Mumbai

Kretschmann sieht Chancen für den heimischen Mittelstand

Halbzeit-Pressekonferenz der Landesregierung auf ihrer einwöchigen Indien-Reise: In Mumbai betonte Regierungschef Winfried Kretschmann die großen Chancen für Baden-Württemberg und seinen Mittelstand im Bundesstaat Maharashtra. Der deutsche Südwesten habe einen ausgezeichneten Ruf, sagte er, nachdem er am Vorabend eingehende Gespräche unter anderem mit dem Chief Minister von Maharashtra, Devendra Fadnavis, und anderen hochrangigen Persönlichkeiten geführt hatte. Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut rät deutschen Mittelständlern, sich auf die indische Mentalität einzustellen, um langfristig gute Geschäfte zu machen.

Verkehrsminister Winfried Hermann sagte, die Automobilindustrie setze in Maharashtra auf ähnliche Strategien wie in Baden-Württemberg. So sind Elektro- und Hybridfahrzeuge auch in Indien im Angebot. Potenziale sieht er unter anderem im Austausch auf kommunaler Ebene – etwa beim Thema Abwasser. So werden die Abwässer der Millionenmetropole Mumbai weitgehend ungeklärt ins Meer geleitet.

Nationalfeiertag am Strand von Mumbai

Am indischen Nationalfeiertag, dem Tag der Republik am 26. Januar,  zieht es Familien und Gruppen von Freunden an den Strand von Mumbai. Hier am Ufer des Arabischen Meeres, in unmittelbarer Nähe des Hotels Taj Lands End, in dem die Delegation von Ministerpräsident Winfried Kretschmann abgestiegen ist, herrscht reges Treiben. Ambulante Händler bieten Snacks an, Liebespaare zwinkern in die Sonne – über den Köpfen segeln ganze Geschwader hungriger Milane.

Die Delegation aus Baden-Württemberg hat erst einmal keine Freizeit. Nach internen Beratungen machen sich die Repräsentanten nun auf zum Ghandi-Haus, um dem legendären Pazifisten die Reverenz zu erweisen. Obwohl Indien schon am 15. August 1947 unabhängig wurde, ist die Verfassung des Staates erst am 26. Januar 1950 in Kraft getreten. Bis zu diesem Tag war der britische Monarch als Kaiser von Indien Staatsoberhaupt. In der Hauptstadt Neu Delhi findet dazu alljährlich eine große Militärparade statt.

Ministerpräsident Winfried Kretschmann beim Besuch im Gandhi-Haus.
Ministerpräsident Winfried Kretschmann beim Besuch im Gandhi-Haus. | Foto: Voigt

Den Besuch des Gandhi-Hauses, der einstigen Wohnstätte des legendären Pazifisten, lassen sich die Landesminister nicht entgehen: Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut, Verkehrsminister Winfried Hermann und Staatsminister Klaus-Peter Murawski flankieren Ministerpräsident Winfried Kretschmann beim Besuch der ehrwürdigen Stätte im Herzen von Mumbai. Die Zimmer sind voll gestopft mit Devotionalien und historischen Zeugnissen aus dem Leben des gewaltlosen Kämpfers für die Freiheit, im zweiten Stock ist das originale Zimmer Gandhis hinter Glas zu sehen. Mahatma Gandhi schlief, saß und arbeitete, ganz Asket, auf einer dünnen Matratze, davor findet sich ein klappriges Arbeitstischchen. Hier entwickelte er sitzend seine Strategien für das pazifistische Aufbegehren, das letztlich die Unabhängigkeit Indiens von der britischen Krone einläutete.

Noch bevor Kretschmann sich zum Foto neben eine eindrucksvolle Büste des weltberühmten Inders begeben kann, hat dies schon sein Verkehrsminister Hermann getan. Hermann kommt Gandhi in doppelter Hinsicht näher als Kretschmann: Seiner geringeren Größe wegen waren beide Köpfe auf gleicher Höhe. Und auch in punkto Frisur erwiesen sich Hermann und Gandhi als vergleichbar.

Beim Besuch des Hilfsprojekts „Chaiim“ in Mumbau wurde die First Lady von Baden-Württemberg, Gerlinde Kretschmann, überraschend mit deutschem Liedgut willkommen geheißen. Verantwortlich dafür war Annika Sauter aus Darmsheim bei Sindelfingen. Die 25 Jahre alte Frau volontiert bei dem Modelabel „Glimpse“, das nachhaltige Kleidung anbietet. Produziert wird sie unter anderem bei „Chaiim“, wo Opfer von Menschenhandel und ehemalige Zwangsprostituierte eine neue Chance im Leben vermittelt bekommen. Annika Sauter ist studierte Modedesignerin und bringt den geschundenen Frauen den professionellen Umgang mit Nähmaschine und Stoffen bei. Die Journalisten, die Gerlinde Kretschmann begleiteten, durften die teils sehr jungen Frauen aus Sicherheitsgründen nicht von vorn fotografieren und filmen.

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