Herzliche Begegnungen: Die Menschen in Nicaragua seien unglaublich freundlich, erzählen die Stiftungsvorsitzenden. „Sie haben wenig, und das, was sie haben, teilen sie“, sagt Angel Stürmlinger. | Foto: Zukunft durch Bildung

Stiftung für Nicaragua

„Kultur gibt den Menschen Würde“

Für Gabriela und Angelica klingt die Idee zu schön, um wahr zu sein. Ein Kindergarten soll gebaut werden in ihrem „Barrio“, dem Armenviertel Granadas, in dem die beiden alleinerziehenden Mütter leben. Viel Geld haben die zwei Frauen nicht, sie müssen mit ein bis zwei Dollar am Tag auskommen – so wie rund 40 Prozent der Bevölkerung in Nicaragua, einem der ärmsten Länder Lateinamerikas. Als dann im Dezember 2017 tatsächlich die Bagger anrollen, können Gabriela und Angelica ihr Glück kaum fassen. Der Kindergarten wird gebaut, im Juli soll alles fertig sein.

Initiative „Zukunft durch Bildung“

Für die Mütter bedeutet das sehr viel: Sie wissen ihre Kinder in guten Händen, während sie arbeiten. Bislang sind die Kleinen meistens sich selbst überlassen. Möglich macht den Kindergarten die Initiative „Zukunft durch Bildung“. Eine Stiftung, die vor zwei Jahren in Karlsruhe ins Leben gerufen wurde. Verantwortlich sind dafür in erster Linie diese drei Herren: der Vorsitzende, der Gewerkschafter Angel Stürmlinger, sein Stellvertreter, der Rechtsanwalt Hans Löffler, sowie der ehemalige Bürgermeister Harald Denecken. „Bildung ist der Schlüssel zu einem besseren Leben“, erklärt Stürmlinger den Grundgedanken der Stiftung.

Geplant ist ein Mehrfunktionenhaus

Der Vorsitzende und sein Stellvertreter waren selbst gerade in Nicaragua, um die Fortschritte des Baus zu begutachten – und sich mit den Menschen auszutauschen. „Da herrscht große Freude“, berichtet Stürmlinger. 90 Kinder sollen ab Sommer in der Einrichtung betreut werden. Das ist aber noch nicht alles: „Angelegt ist das Ganze als Mehrfunktionenhaus“, erklärt der Vorsitzende. Nachdem morgens die Kindergartenkinder betreut werden, erhalten Schulkinder am Nachmittag Nachhilfeunterricht. „Und abends gibt es verschiedene Angebote für Erwachsene“, ergänzt Stürmlinger.

Hier entsteht ein Kindergarten: 90 Jungen und Mädchen sollen ab Sommer in diesem Gebäude betreut werden. | Foto: Zukunft durch Bildung

Bücher und Musik

Darüber hinaus engagieren sich die Karlsruher aber auch noch in anderen Projekten. So gibt es in Granada auch eine „Bücherecke“, in der Jungen und Mädchen Zugang zu Büchern erhalten – und diese auch vorgelesen bekommen. Zudem unterstützt „Zukunft durch Bildung“ die kulturelle Einrichtung „Casa de los tres mundos“ in Granada, zuletzt mit einer Spende für Musikinstrumente. „Mancher sagt, unsere Projekte sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Hans Löffler. Er fragt dann: „Was ist die Alternative?“ Und Angel Stürmlinger ergänzt: „Die Kultur gibt den Menschen auch ein Stück Würde.“ Die einzige Chance, der Armut zu entfliehen, sei es, lesen und schreiben zu lernen.

Bitterarmes Land

Und warum engagieren sich die Karlsruher gerade in Nicaragua? Dort setze man sich ein, weil das Land nicht nur bitterarm ist, sondern auch „geopolitisch ein schwieriges Pflaster“. Durch Hurrikans und Erdbeben wird das Land immer wieder schwer getroffen. Zudem engagierte sich Stürmlinger bereits in den 80er Jahren mit der IG-Metall-Jugend in dem lateinamerikanischen Land.

Kultur darf kein Luxus sein

Es gehe viel ums Netzwerken, sagen die drei Herren. So lasse sich einiges bewegen. Harald Denecken etwa stellte den Kontakt zur „Casa de los tres mundos“ her. „Kultur darf kein Luxus sein“, stellt Stürmlinger noch einmal heraus. Kunst und Kultur seien ebenso wichtig wie Essen und Trinken.

„Zukunft durch Bildung“: Die Stiftung unterstützt Projekte für Kinder in Nicaragua. Derzeit entsteht ein Mehrfunktionenhaus, in dem unter anderem ein Kindergarten untergebracht ist. Nachmittags bekommen Schulkinder dort Nachhilfe, abends gibt es Bildungsangebote für Erwachsene.
Wer spenden möchte, kann das auf folgendes Konto tun: Sparkasse Karlsruhe-Ettlingen,
IBAN: DE 80 6605 0101 0108 2319 11.