Vespertine
Ji Yoon (l) als Forscherin und Aki Hashimoto als Doppelgängerin in der Pop-Oper «Vespertine». | Foto: Uwe Anspach

Nationaltheater Mannheim

Björk-Album «Vespertine» als Pop-Oper

Mannheim (dpa) – In starken Farben und mit viel Pathos bringt das Nationaltheater Mannheim am Samstag (19.00 Uhr) das Konzeptalbum «Vespertine» der isländischen Musikerin Björk als Pop-Oper auf die Bühne.

Unter der musikalischen Leitung von Matthew Toogood bietet sich den Zuschauern rund 75 Minuten lang eine faszinierende Collage aus elektronischen Klangwelten und glockenhellen Stimmen. Kongenial inszeniert Regisseurin Kirsten Dehlholm «Vespertine» (deutsch etwa: abendlich) als minimalistische Handlung in unwirtlicher Landschaft.

Björks Album «Vespertine» (2001) handelt von den Freuden und Ängsten einer neuen, heftigen Liebe. «Wenn du aufwachst und sich der Tag kaputt anfühlt, lehne dich in den Riss hinein», lautet eine typische Textzeile. Die Sängerinnen Ji Yoon und Aki Hashimoto, blass geschminkt und mit roten Lippen, wandeln dazu durch einen erhöhten Säulengang, Trockeneis weht über die Bühne, allmählich bevölkert sich die Szene mit einem Frauen- und einem Kinderchor. Licht, Form und Bewegung erinnern an US-Regisseur Robert Wilson («The Black Rider»).

«Leider konnte sich Björk nicht persönlich einbringen, da sie kürzlich ein neues Album veröffentlicht hat», sagte Dehlholm. «Wir haben sie aber über die einzelnen Schritte informiert.» Sie habe erst gar nicht versucht, Björks Bildsprache zu kopieren. «Der poetische Gehalt ihrer Musik und die surrealen Texte haben uns zu einer eigenen Bildwelt inspiriert», sagte die Regisseurin von der Gruppe Hotel Pro Forma. Die starken, nicht zu grellen Farben lassen der Musik den Vortritt. Im Hintergrund des Stücks laufen Videos in Endlosschleife.

«’Vespertine‘ dreht sich um die Grenzen der menschlichen Wahrnehmung und die Liebe als unkontrollierbare Kraft. In der Beschäftigung mit dem vielschichtigen Album kam uns die Idee, diese mit der Bildwelt der Mikrobiologie in Verbindung zu bringen», erzählte Dehlholm. «Wir arbeiten mit mikroskopischen Aufnahmen, die uns die Welt aus einer Perspektive zeigen, die wir kaum kennen.» Im Zusammenspiel mit der Musik entfalteten diese Bilder einen eigenen Zauber, sagte die Dänin.