Kunstsammler Frieder Burda
Der Kunstsammler Frieder Burda starb im Alter von 83 Jahren. | Foto: Uli Deck

Im Alter von 83 Jahren

Kunstsammler Frieder Burda gestorben

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Baden-Baden (dpa) – Er hatte das nötige Kleingeld sowie ein Gespür für Kunst und Künstler. Damit wurde er zu einem der renommiertesten Kunstsammler und sein Museum zu einem Besuchermagnet in Baden-Baden.

«Die Kunst hat mich glücklich gemacht», sagte er einmal. Jetzt ist der Mäzen Frieder Burda im Alter von 83 Jahren in der Kurstadt gestorben. Seine letzten Stunden habe er am Sonntag im Kreise seiner Familie verbracht, teilte eine Sprecherin des Museums Frieder Burda mit. Zur genauen Todesursache wurden keine Angaben gemacht.

Sein jüngerer Bruder, der Verleger Hubert Burda (79), äußerte sich bestürzt. «Frieder und mich hat immer unsere tiefe Liebe zur Kunst verbunden. Mein Bruder hat ihr nach dem Tod unseres Vaters sein Leben gewidmet, und er hinterlässt der Welt mit über 1000 frei zugänglichen Meisterwerken ein großartiges Vermächtnis.»

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) nannte Burda einen der renommiertesten Mäzene Deutschlands. Seine Tatkraft, Baden-Baden zu einem wichtigen Ort der internationalen Kunstwelt werden zu lassen, könne nicht hoch genug geschätzt werden, betonte auch Baden-Württembergs Kunstministerin Theresia Bauer (Grüne). «Wir bedauern den Verlust dieser starken Persönlichkeit», sagte Johan Holten, Leiter der Kunsthalle Baden-Baden.

Das Museum Frieder Burda würdigte seinen Gründer als große Sammlerpersönlichkeit. Burda sei für seine Mitarbeiter ein Vorbild an Bescheidenheit und Menschlichkeit gewesen. Als Privatmensch habe er es vermocht, Familie und Freunde immer wieder neu zusammenzuführen. Die Direktorin der Sammlung Würth in Künzelsau, C. Sylvia Weber, hob Burdas Begeisterung und seinen feinen Sinn für Kunst hervor: «Der Sammlung Würth wird der kreative Austausch mit ihm sehr fehlen.»

Mehr als sein halbes Leben sammelte der Baden-Badener Kunst – mit einem fast schon unheimlichen Gespür, wie ihm Kritiker bescheinigten. Frieder Burda kaufte, was ihm gefiel oder ihm «Herzklopfen» verursachte: «Ich will schöne Bilder zeigen und niemanden belehren.» Und traf dabei genau den Geschmack des Publikums.

Über seinen Erfolg war Frieder Burda selbst verblüfft. Schließlich war die Karriere des am 29. April 1936 geborenen Sohnes des Verlegerehepaars Franz und Aenne Burda nicht vorhersehbar. Nach der Schulzeit im badischen Offenburg, in Triberg im Schwarzwald und der Schweiz wurde er im väterlichen Konzern zum Drucker und Verlagskaufmann ausgebildet. Doch daran hatte er wenig Freude – auch wegen des schwierigen Verhältnisses zum übermächtigen Vater. Erst nach dessen Tod 1986 schwamm sich der mittlere von drei Söhnen frei und verließ das Unternehmen.

Während sein jüngerer Bruder Hubert Burda den Druck- und Verlagsbereich übernahm, erbte Frieder mit seinem älteren Bruder Franz verschiedene Firmenbeteiligungen. Nach einigen Flops wandte er sich ganz der Kunst zu – und fand seine Bestimmung. «Er wusste inzwischen, dass seine Zukunft nicht aus Finanzen und Verwaltung bestehen sollte und dass er sich nicht jahrelang mit seinem jüngeren Bruder herumstreiten wollte», schrieb der Autor Stefan Koldehoff in seiner Biografie über Frieder Burda.

Als «typischer Stier» leicht aufbrausend, aber auch sehr den schönen Dingen zugeneigt, hatte er schon früh Feuer für die Kunst gefangen. 1968 kaufte er eine knallrote geschlitzte Leinwand von Lucio Fontana. Damit wollte er an sich nur den Vater schocken. Doch der Senior, selbst Sammler von deutschen Expressionisten, war interessiert.

So begann Frieder Burdas Sammler-Karriere. Von Gerhard Richter bis hin zu Arnulf Rainer – mit vielen Künstlern, die er sammelte, verband ihn auch eine Freundschaft. Seine international beachtete Sammlung, die er in immer wieder neuen Varianten mit Leihgaben in seinem 2004 eröffneten Museum präsentierte, umfasst heute mehr als 1000 Bilder und Skulpturen – von den deutschen Expressionisten über den späten Picasso bis hin zu Gegenwartskünstlern wie Georg Baselitz und Sigmar Polke.

Sein vom New Yorker Star-Architekten Richard Meier erbautes Museum an Baden-Badens Prachtmeile – direkt neben der Kunsthalle und dem Kurhaus – ist von ihm allein finanziert. Und über seinen Tod hinaus durch eine Stiftung gesichert. Dafür hat er sich 2015 von einem seiner Bilder getrennt: Für einen Mark Rothko bekam er bei einer Christie’s-Auktion 40,5 Millionen Dollar.

«Es war eine schwere, aber richtige Entscheidung», sagte er später. «Dieser eine Schritt ermöglicht uns viele neue Schritte in der Zukunft.» Seine Sammlung und sein Museum mit Ausstellungsbetrieb wollte er damit noch zu Lebzeiten «für viele Jahrzehnte im Voraus auf absolut sichere Beine stellen».