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Der Sänger aus Baden-Baden gestaltet sein 100. Online-Konzert

Botschaft von Marc Marshall: In jedem von uns steckt mehr drin als wir uns zutrauen

Er singt im Wohnzimmer, in der Scheune, in der Schule oder im leeren Becken der Caracalla-Therme in Baden-Baden: Sänger Marc Marshall bewältigt die Corona-Krise mit Online-Konzerten. Jetzt steht die 100. Live-Übertragung an.

Trotz Corona keine Pause: Marc Marshall hat bereits zu Beginn des ersten Lockdowns im März seine Reihe mit Online-Konzerten eröffnet. Foto: Tobias Wirth

Bisweilen ist das Repertoire auch schon einmal etwas abenteuerlich zusammengestellt. Auf ein Lied aus einer Operette folgt ein Jazzstandard oder ein Chanson auf ein Volkslied oder einen Popsong. Ein spannender Musikmix ist aber nicht nur in dieser Zusammenstellung stets garantiert. Für sein Projekt in der Corona-Krise ist das Repertoire des Sängers Marc Marshall in den vergangenen Monaten auf über 400 Lieder gewachsen.

Die Liedtexte, die er in seinen Live-Streaming-Konzerten interpretierte, füllen inzwischen mehrere Leitz-Ordner. An diesem Mittwoch erreicht er eine Marke, an die er nicht einmal im Traum gedacht hatte: Der Baden-Badener Bariton und Entertainer spielt mit seinem Pianisten René Krömer ab 19 Uhr auf Facebook und Instagram sein 100. Online-Konzert.

Wegen Pandemie fielen an die 100 Konzerttermine aus

Wegen der Corona-Pandemie sind für den Sänger aus der Bäderstadt an die 100 Konzerte ausgefallen. Da muss man sich als Künstler fühlen, als stünde man am Abgrund. Manch einer würde wohl sogar von einem schrecklichen Absturz sprechen. Doch Marc Marshall steckte angesichts der trostlosen Lage den Kopf nicht in den Sand.

Sein Motto: „Aufgeben ist keine Alternative!“. Er entwickelte ein eigenes Konzept, um mit der ungewohnten Situation umzugehen. So entstand seine „Welt der Musik“: Entweder unplugged in einem Solokonzert oder begleitet von seinem Pianisten gestaltet er die jeweils rund 40-minütigen Auftritte, die auf den Plattformen Facebook und Instagram übertragen werden.

In uns steckt mehr drin als wir uns zutrauen!
Marc Marshall Sänger und Entertainer

Begonnen hat die Reihe Mitte März zur Zeit des ersten Lockdowns. Die Orte, an denen Konzerte stattfanden, waren so unterschiedlich wie das Programm: Hotels, das Festspielhaus, das leere Becken der Caracalla-Therme oder das Museum Frieder Burda, Wohnzimmer und Scheunen sowie seine ehemalige Grundschule in Baden-Baden dienten bereits als Bühne.

Zu Beginn und auch später trat er zudem vor Alten- und Pflegeheimen auf, um den Bewohnern eine Freude zu bereiten. „Ich hätte gar nicht gedacht, dass ich in der Lage bin, so etwas zu meistern“, blickt der ausgebildete Bariton auf die Ausgangslage zurück. Und eine Erkenntnis formuliert er auch als ermutigende Botschaft an seine Mitmenschen: „In uns steckt mehr drin als wir uns zutrauen!“

Künstler beweist Durchhaltevermögen

Fünf Lieder, die inhaltlich zueinander passen und dazugehörige Geschichten bilden jeweils den Rahmen für ein Online-Konzert. Zum Erfolgsrezept zählt zudem eine gehörige Portion Mut und vor allem Durchhaltevermögen.

Auf diesem Weg erreichte Marshall nach den Recherchen seines Büros inzwischen über zwei Millionen Zuschauer. Ebenfalls positiv für ihn: Mit Spenden haben viele Anhänger dem Künstler und seinem Pianisten, der früher in der Pepe-Lienhard-Band auch mit Udo Jürgens unterwegs war, ein wirtschaftliches Polster in einer äußerst schwierigen Zeit geschaffen. Die staatlichen Hilfen etwa für Sänger konnten ihn dagegen nicht auffangen, weil sie an laufende Betriebsausgaben gebunden sind. Bei ausgefallenen Terminen, betont Marshall, fallen keine Betriebsausgaben an.

Spenden für Online-Konzerte sichern das wirtschaftliche Überleben

Wenn Opernstars wie Roberto Villazón kritisch anmerken, es werde im Netz zu viel kostenlose Kultur bereitgestellt, hat Marshall für solche Äußerungen wenig Verständnis. „Es gibt nur eine Handvoll Künstler, die sind so reich, dass sie jede Krise überstehen können“, meint der Sänger und Sohn des ebenfalls klassisch ausgebildeten Schlagerstars Tony Marshall.

Die große Mehrheit seiner Zunft sei dagegen auf Einnahmen angewiesen. Zwar wolle er seine Kunst prinzipiell auch nicht verschenken, doch auf der anderen Seite hätten ihn die kostenlosen Online-Konzerte wirtschaftlich gerettet, weil er neben den Spenden etwa erlaubte Auftritte gegen Gage in kleinem Kreis generieren konnte.

Der bei regulären Konzerten mit Publikum obligatorische Applaus fehlt ihm keineswegs. „Stille macht die Musik ganz groß“, findet der Sänger und erinnert an Klassikkonzerte. Dort setze der Beifall auch nicht immer sofort ein. Dennoch freue er sich natürlich wieder auf Auftritte vor Publikum. „Das Live-Erlebnis würde ich auf jeden Fall immer vorziehen.“

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